Schlagwort-Archive: Dahlke

Maria Binnenböse wird geboren

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Aus dem Mikrofilm der Mormonen, Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1874-1876.

„Nr. 170

Schneidemühl, den 13. Mai 1876

Vor dem Standesbeamten erschien heute der Persönlichkeit nach ___________ August Kinowski ___ ___ __kannt

[Für jeden Hinweis, was hier steht, bin ich sehr dankbar – der einzige Grund, warum ich diese Geburtsurkunde nicht früher vorgestellt habe ist, dass ich sie nicht ganz zweifelsfrei entziffern kann.]

der Arbeitsmann Heinrich Carl Binnenböse

wohnhaft zu Schneidemühl, _______ Straße Nr. 3, evangelischer Religion

und zeigte an, daß von der Julia Binnenböse

geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion

wohnhaft __________________ (bei seiner _________ ???)

Schneidemühl, [gleiche Adresse wie Heinrich Carl Binnenböse]

am dritten May [?????] des Jahres 1876″

 

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

„morgens um sieben Uhr

ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen Maria erhalten habe.

Vorgelesen, genehmigt und _______________ [????]

XXX“

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Nachtrag auf dem Dokument:

„Die Entbindende [??] heißt mit Vornamen Johanna nicht Julia

_________________ zufolge Anordnung des Königlichen Landgerichts zu Schneidemühl vom 22. Mai 1896, Schneidemühl der 1. August 1896, der Standesbeamte in Vertretung [Unterschrift]“

Auswertung:

Die Geburtsurkunde zusammen mit Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde und der Heiratsurkunde der Eltern Johanna Dahlke und Carl Heinrich Binnenböse löst erst wirklich das Rätsel, welches sich auftut, wenn man zunächst nur Elisabeths Geburtsurkunde sieht.

Johanna und Heinrich haben nach Elisabeths Geburts geheiratet. Was sich übrigens als Geschenk für die nachfolgenden Generationen herausstellt. Hätten sie vor Elisabeths Geburt geheiratet, wäre keine Personenstandsakte zum Vorgang entstanden und erhalten geblieben.

Johanna wurde anscheinend Julia genannt, hieß aber offensichtlich „amtlich“ nicht so. Carl Heinrich wurde offensichtlich Heinrich genannt.

Heinrich konnte sich offenbar auch nicht ausweisen. Kann es sein, dass er keine Papiere zu seiner Abstammung hatte? Das würde mich wundern, denn von Teresa weiß ich, dass offenbar ein Teil der Binnenböses aus Hasenfier nach Amerika auswanderten – um dies zu tun, mussten sie sich bereits vor der Abreise ausweisen. Sollte sich nur ein Teil der Familie mit diesen wichtigen Dokumenten eingedeckt haben?

Auch bin ich immer noch hin- und hergerissen was ich jetzt genau über Heinrichs Schreibkünste denken soll: Konnte er gar nicht lesen und schreiben? Konnte er nur seinen eigenen Namen schreiben? Konnte er es, wollte es aber nicht?

Hier auf Marias Geburtsurkunde unterschreibt er mit drei „XXX“.

Die Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, Marias älterer Schwester, ist ebenfalls mit einem „XXX“ unterzeichnet, allerdings anscheinend von Alexander Bukowski. (Wie dieser zu Kind und Mutter steht, weiß ich immer noch nicht.)

Auf der Heiratsurkunde von Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse dann das hier:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

„vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

Carl Heinrich Binnenböse

Johana Dalke [sic!]

Emil Koch

Karl Eduard Graffunder“

Hmmmm …..

Fest steht: Marias Geburtsurkunde wird kurz nach ihrem 20. Geburtstag vom Landgericht Schneidemühl geändert.

Nicht dramatisch, aber zumindest parallel mit der Änderung auf Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde: Mutter heißt nicht Julia, sondern Johanna Binnenböse, geborene Dahlke.

Es wäre toll, wenn die Gerichtsakten aus Schneidemühl noch existieren würde … da muss ich dringend mal recherchieren, ob da noch etwas vorhanden ist!

Vielleicht wollten beiden Töchter ihre Geburtsurkunden für eine folgende Heirat? Auf Verdacht hin ins Blaue wird ja ein Gericht in solchen Angelegenheiten nicht tätig …

Die Person, die anscheinend Heinrich Binnenböse ausweisen/bezeugen konnte, ist mir bisher noch nicht begegnet. Im Adressbuch der Stadt Schneidemühl (über genwiki abgefragt) taucht eine Witwe Wilhemine Kinowski auf der Gartenstr. 15 auf.

Advertisements

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke

Da will ich doch mal direkt mit einer großen Überraschung anfangen, die eine Merkwürdigkeit nach der anderen mit sich bringt – ich habe tatsächlich die Geburtsurkunde von meiner Uroma Elisabeth Dahlke gefunden.

Geboren wurde sie am 9. Oktober 1874. Anfang/Mitte Oktober 1874 begann die Verwaltung der Stadt Schneidemühl damit, Zivilstandsakten zu führen. Den entsprechenden Mikrofilm der Mormonen bestellte ich mir natürlich … und war enttäuscht. Denn ich fand einfach nicht Elisabeths Geburtsurkunde. Ich war perplex, weil ich einfach davon sicher ausgegangen war, ich würde die Geburtsurkunde sofort finden, direkt am Anfang des Films.

Als ich dann die Heiratsurkunde von meiner Oma Anna Spickermann (Tochter von Elisabeth) mit meinem Opa sah, musste ich einfach noch mal in den Mikrofilm schauen. Denn dort in der Heiratsurkunde waren die jeweiligen Geburtsurkunden Nummern mit den ausstellenden Städten genannt.

Und schwupps!! Die Welt steht ein bißchen Kopf!

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke - allerdings war dies offenbar nicht ihr "Geburtsname"

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke – allerdings war dies offenbar nicht ihr „Geburtsname“

Hier erstmal das komplette Dokument – jedes Mal wenn ich es betrachte, erinnert es mich an meinen Fehler. Es ist Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde, obwohl ihr Name dort nicht in den entsprechenden Feldern eingetragen ist. (Hart)man(n) muss halt auch stets die Notizen und Änderungen lesen. Denn, wie in diesem Falle, können offizielle Dokumente später geändert oder berichtigt (!) werden.

Aber ich fange mal von vorne an: Diese Aufnahme ist aus dem Mikrofilm „Schneidemühl, Zivilstandsregister, Geburten 1874-1876“.

elisabeth_dahlke_geb_02„Geburtsurkunde Nr. 14

Schneidemühl am 15. Oktober 1874

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Person nach bekannt der Arbeiter Alexander Bukowski wohnhaft zu Schneidemühl, Bromberger Strasse Nr. 23, katholischer Religion“

elisabeth_dahlke_geb_03

„und zeigte an, daß von der unverehelichten Julie Endisch, ______ Wirtin [???], katholischer Religion, wohnhaft zu Schneidemühl in seiner Wohnung am neunten Oktober 1874 abends um zehn Uhr ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches einen [?] Vornamen un_____ [?!] erhalten habe.“

Leider kann ich nicht alles lesen. Dabei hab ich sogar schon Hilfe bekommen von der sehr netten Birgit, die ich in der Forschungsstelle kennengelernt habe.

Um diese Geburtsurkunde abzurunden, schauen wir mal auf die Unterschrift des „Melders“:

elisabeth_dahlke_geb_04Na, wenn das nicht das Dokument von 1874 abrundet – der „Melder“ der Geburt, Alexander Bukowski, „unterzeichnet“ das Dokument mit drei Kreuzen. Sprich: Er konnte nicht schreiben und vermutlich auch nicht lesen.

Normalerweise würde ich jetzt davon ausgehen, dass der zuerst genannt Mann, der auch die Geburt in seiner Wohnung meldet, der Vater ist. Aber naja, das muss halt nicht sein.

Bis hier kann man erstmal feststellen: Es ist kein Mädchen geboren worden, die Mutter hieß Julie Endisch und dem Kind wurde scheinbar kein Vorname gegeben. (Was steht dort genau, ich kann es leider nicht lesen ….)

Aber die Geschichte des Dokumentes geht weiter. Es folgt ein Aktenvermerk vom 24. Oktober 1874. Leider kann ich hier nicht alles entziffern:

„____ Schneidemühl den 24. Oktober 1874 vor dem Standesbeamten erschien der Person nach bekannte Arbeiter Alexander Bukowski und zeigte an, dass von der Julie Endisch am 9. Oktober geborene Kind den Vornamen Elisabeth erhalten habe.“

Wieder von Alexander Bukowski mit drei Kreuzen unterzeichnet.

Wie gesagt, ich kann nicht alles lesen und hier half mir bereits Birgit.

Das Mädchen hat jetzt den Namen Elisabeth Endisch. Gemeldet wurde die Geburt und die Vergabe des Vornamens vom Arbeiter Alexander Bukowski. In dessen Wohnung brachte Julie Endisch das Kind zur Welt.

Und hier der letzte Aktenvermerk:

elisabeth_dahlke_geb_06„Die Mutter des Kindes ist die unverehelichte Johanna Dahlke“

Wieder kann ich Einiges nicht genau entziffern, aber die Änderung erfolgt auf Anordnung des „Königlichen Kreisgerichts zu Schneidemühl am 3. März 1898

Schneidemühl am 08 März 98“

Ein letzter Nachtrag „H. geheiratet No. 109/1899 hier“.

Auswertung:

Was für ein Dokument! So eine Geburtsurkunde ist mir bisher noch nicht begegnet! Und ich mache das ja nun schon seit über 20 Jahren. (Meine Güte bin ich alt mittlerweile ….)

Ich werde das Dokument nun „zeitlich von hinten“ aufblättern, so wird es einfacher.

1899 heiratet Elisabeth. Bevor sie das machen kann, muss sie den Behörden ihre Geburtsurkunde vorlegen. Das wird wahrscheinlich bereits 1898 geschehen sein, vielleicht aber auch schon 1897. Denn Anfang März 1898 ordnet das Kreisgericht von Schneidemühl an, dass diese hier vorliegende Geburtsurkunde geändert werden muss. (Wie lange solch ein Antrag und Prozess wohl damals gedauert hat?)

Sagen wir, Elisabeth wollte 1897 heiraten. Zu diesem Zeitpunkt wäre sie dann 22/23 Jahre alt gewesen. Emil Spickermann, ihr zukünftiger Ehemann, war übrigens 26/27 Jahre und bereits verwitwert. Und Elisabeth stellt fest, dass sie laut ihrer Geburtsurkunde Elisabeth Endisch heißt, Vater nicht genannt. Der einzige Mann, der erwähnt wird, ist die Person, in dessen Wohnung sie zur Welt kommt.

Sie geht zum Kreisgericht und die Geburtsurkunde wird geändert. Sie kann heiraten. Die Änderung des Dokumentes erfolgt Anfang März 1898, die Hochzeit findet am 25. Oktober 1899 in Schneidemühl statt.

Klingt das logisch?

Warum ist da „so viel Zeit“ zwischen der Dokumentenänderung und der Hochzeit? Über ein Jahr! Fast ein Jahr und sieben Monate. Das ist wirklich lang!

Eine andere Idee. Wir werfen einen Blick auf die Hochzeitsurkunde von 1899.

Dort werden Elisabeth Dahlkes Eltern erwähnt: Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse. Ebenfalls erwähnt ist, dass die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet waren, dies aber später nachholten. Am 25. Oktober 1899 wird ebenfalls erwähnt, dass beide – Johanna und Heinrich – bereits verstorben sind.

Kann es sein, dass Elisabeth damit begann ihre Geburtsurkunde zu ändern, als ihre Eltern starben und es auffiel, dass die Angaben in der Geburtsurkunde nicht korrekt waren? Oder könnte es auch sein, dass die Behörden von selbst begannen einen „Verwaltungsprozess“ (wie auch immer geartet) zu starten, um die Angaben auf dem Dokument zu korrigieren?

Andere Dokumente, die hier helfen können Klarheit zu bringen:

index_binnenböse_dahlkeSchlechtes (Arbeits-)Foto aus dem „Personenstandsakten Schneidemühl Index Geburten, Heirat, Tote 1874-1876“.

1875 Binnenböse Carl Heinrich Arbeitsmann und Dahlke Johanna.

1876 wird dort die Geburt einer Maria Binnenböse gelistet. Die Geburtsurkunde habe ich natürlich direkt gesichtet. (Aus dem gleichen Mikrofilm, in dem auch Elisabeths Geburtsurkunde abgebildet ist.)

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Ich mache jetzt eine kurze Zusammenfassung:

Schneidemühl 13. Mai 1896

Heinrich Carl Binnenböse, evangelisch und seine Ehefrau Julie Binnenböse, geborene Dahlke, am 11. Mai 1896 morgens um 7 Uhr ein Mädchen mit dem Namen Maria geboren wurde. Heinrich „unterzeichnete“ mit drei Kreuzen.

Am 22. Mai 1896 wurde ein Nachtrag vermerkt: Angeordnet vom Königlichen Kreisgericht wird geändert, dass die Mutter Johanna nicht Julia heißt.

Auswertung:

Offensichtlich kann das Königliche Kreisgericht sehr schnell Änderungen anordnen. Am 13. Mai wurde die Geburtsurkunde erstellt, das Kreisgericht ließ bereits am 22. Mai die Urkunde abändern.

Interessant ist, dass der Vorname der Mutter geändert wurde. War Julia oder Julie vielleicht ihr Rufname?

Ich rätsel ja immer noch, ob es aus der Verbindung weitere Kinder gibt. Aber die beiden weiblichen Namen – Elisabeth und Maria – machen aus christlich-katholischer Namensgebungstradition stark Sinn. (Es steht hier noch eine Erzählung aus, die ich nachholen werde. Meine Mutter hieß Regina, es gab auch eine Maria. Ich werde darauf zurückkommen.) Vielleicht gab es aber auch noch Jungs?

Offene Fragen:

… die sich vielleicht gar nicht mehr klären lassen …

Sind zu diesen Geburtsurkundenänderungen Gerichtsakten entstanden? Wenn ja, sind diese eventuell noch erhalten im Archiv (in Pila)?

Warum Julie/Julia? Julie französisch ausgesprochen? Ist das vielleicht der Rufname? Gab es in der Familie (die Mutter?) eine weitere Johanna?

Wo kommt der Nachname „Endisch“ her?!?

Wer ist Alexander Bukowski und in welchem Verhältnis stand er zu Johanna Dahlke? Lebte Johanna damals bei ihm? Oder war sie nur für die Geburt dort? Das Kind kam um 10 Uhr abends auf die Welt. Hausgeburten waren damals üblich. Häufig werden Hebammen als „Melder“ der Geburten gemeldet. Eine Hebamme scheint sich aber nicht mit dieser Geburt beschäftigt zu haben?

Wo war Heinrich Carl Binnenböse zur Zeit der Geburt von Elisabeth? Lebten die zwei zusammen? War Heinrich vielleicht einfach nicht in der Stadt aus welchem Grund auch immer?

Kann es sein, dass Elisabeths Geburtsurkunde gesichtet wurde, als ihre Eltern oder ein Elternteil verstarb? (Erbschaftsreglung?) Oder steht die Dokumentenänderung mit ihrer Hochzeit zu Emil Spickermann in einem direkten Zusammenhang?

Was wurde aus Maria Binnenböse?

Ist das nicht spannend? Für mich kommt das alles sehr unerwartet. Aber immerhin bin ich nicht mehr so perplex wie ich am Anfang war, als ich zuerst merkte, dass die tatsächlich die Geburtsurkunde von Elisabeth ist.

Und jetzt bin ich müde. Bis zum nächsten Blogpost! 🙂

 

Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann

Mit alten Dokumenten ist es ja so eine Sache – man weiß schon vorher so ungefähr was drin steht. Dann hat man entweder das Original oder eine Kopie der Urkunde vor sich, findet genau das vor, was man erwartet … und noch einiges mehr!!

Auch in diesem Fall ging es mir genau so. Einige Fragen konnten sofort beantwortet werden. Aber ich habe jetzt noch viel mehr Fragen als vorher. Ich fange mal von vorne an.

Ich suchte nach der Heiratsurkunde von Elisabeth Dahlke und Emil Spickermann. Diese fand ich nun auf einem Mikrofilm der Mormonen. Hier die beiden Original-Unterschriften der beiden Eheleute:

DS_Ehe_Unterschriften

Was wußte ich vorher? Elisabeth Dahlke heiratete um die Jahrhundertwende den Vater der Spickermann-Kinder. Der Name war wahrscheinlich Emil. Allerdings waren sich da nicht alle noch lebenden Spickermann-Nachkommen einig. Es gab auch einen Sohn, der Emil hieß, eine Verwechslung könne also vorliegen. Die Hochzeit fand in Schneidemühl statt. „Oma Spickermann“ – unter diesem Namen ist Elisabeth Spickermann immer noch in der Familie bekannt – hieß vor der Ehe Dahlke.

Allerdings gab es da auch einige Unsicherheiten. Denn Emil (der Vater) war nachweisbar Witwer, aus seiner ersten Ehe hatte er mindestens zwei Kinder mit in die neue Ehe gebracht. (Wie viele Kinder genau, wer das war – total unklar!) Emil soll „in etwa“ um 1916 gestorben sein. Auch Elisabeth Dahlke soll Witwe gewesen sein. Resi, meine Cousine 2. Grades, die sehr viel Zeit mir ihrer geliebten Oma verbracht hat (auch in später als Erwachsene), weiß zu berichten, dass Oma Spickermann davon erzählte, dass sie (Oma Spickermann) bereits sehr früh Witwe wurde. Ihr Mann wurde wegen Hämorrhiden operiert. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen und legte sich in der Wohnung hin. Oma Spickermann ging kurz etwas besorgen und als sie heim kam, war ihr Mann tot – innerlich verblutet.

Schauen wir uns die Heiratsurkunde an:

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Kenner werden erkennen, dass ich einen Bildschirm eines relativ alten Mikrofilm-Lesers abfotografiert habe. Um hier alles erkennen zu können, werde ich das Dokument Stück für Stück vorstellen, sonst lässt sich nicht alles gut lesen.

Zunächst die Quellenangabe – hier handelt es sich um durch die Mormonen abfotografierten Personenstandsakten, die sich in Berlin im Standesamt I befinden. Diese Fotoaufnahmen wurden bereits Anfang der 1960er Jahre gemacht. Gerade weil es momentan so schrecklich lange Bearbeitungszeit aus verwaltungstechnischen Gründen gibt, hoffe ich sehr, dass das Standesamt Berlin I die Aufnahmen frei gibt zur Indexierung, entweder durch die Mormonen oder durch einen anderen vertrauenswürdigen Verein, wie zum Beispiel die ComputerGenealogen. Aber da ist viel Wunschdenken von mir dabei.

P1350006_kl

Dieser Mikrofilm hat die Batch-Nr. 302087 – „Personenstandsakten Schneidemühl, Heiraten 1895-1899“.

DS_Ehe_01

Heiratsurkunde Nr. 109 [aus dem Jahre 1899]

Schneidemühl am 25. October 1899

DS_Ehe_02

„Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zweck der Eheschließung :

1. der Arbeiter Emil Spickermann, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 7. November des Jahres 1870 zu Stöwen Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Stöwen.

Sohn des Arbeiters August Spickermann und dessen Ehefrau Auguste geborene Lemke, beide wohnhaft zu Stöwen.

DS_Ehe_03„2. die ledige Elisabeth Dahlke, ohne besonderen Stand, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 9. October 1874 zu Schneidemühl Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der Johanna Dahlke später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.

DS_Ehe_04[Nun auf der zweiten gegenüberliegenden Seite – ehrlicherweise habe ich hier noch nicht alles entziffert. Berufe der Zeugen kann ich nicht genau ausmachen, Adressen ähnlich.]

Ein Zeuge ist Schmiede(??)meister Josef Meissner. Er wohnt in Schneidemühl. [Und hat ebenfalls im Jahre 1899 geheiratet. Seine Hochzeitsurkunde habe ich auch abfotografiert, aber auch hier habe ich Probleme seinen Beruf zu entziffern. Gebürtig ist Josef Meissner aus Neuhof.]

Der andere Zeuge ist Leonhard Parthun. Seinen Beruf kann ich gar nicht entziffern. Wer helfen kann und mag, bitte gerne. 😉

Leonhard Parthun lebte zur Zeit der Eheschließung von Emil und Elisabeth in Stöwen.

Bei den Zeugen ist noch einiges mehr herauszufinden. Aber ich habe momentan so viel spannende Details recherchiert, bzw. ich bin noch am recherchieren, dass ich mir erstmal alles bisher „Erkanntes“ notiert habe und einen dicken Vermerk gemacht habe, ob hier eventuell noch etwas herauszufinden ist. (Es sind ja auch Adressen und Altersangaben bei den Zeugen. Waren es Freunde oder Familie kann das sehr interessant sein.)

Ganz unten nun alle Unterschriften. (Keine „X“ für Unterschriften, was noch recht häufig bei den Heiratsurkunden vorkam. Ergo konnten alle zumindest ihren eigenen Namen schreiben.)

DS_Ehe_05Schöne Handschriften von Emil und Elisabeth wie ich finde. 🙂

Natürlich spannend zu sehen, wie die zwei ihre eigenen Namen schrieben. Emil schrieb Spickermann tatsächlich mit „CK“. „Oma Spickermann“ schrieb ihren eigenen Namen mit „Elisabeth Spickermann geborene Dahlke“.

Nachträglich wurde auf der Heiratsurkunde der zwei ein Vermerk gemacht:

DS_Ehe_06„H. (??) Tochter Anna geb. 25.1.12 hier Nr. 66/1912 [Nr. der Geburtsurkunde], geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 [Nr. der Heiratsurkunde] hier.“

Auswertung:

Das Datum 25. Oktober 1899 – der 28jährige Emil heiratet die 25jährige Elisabeth in Schneidemühl. Der Wochentag war ein Mittwoch. Zur Jahrhundertwende wird Schneidemühl ca. 19.000 Einwohner haben; die Bevölkerungszahl der Stadt war in nur wenigen Jahrzehnten sprunghaft gestiegen. Dies war ein Resultat zum einen durch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke und einer folgenden Ausbauphase, die Schneidemühl zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt machte. Zum anderen sicherlich durch die fortschreitende Industrialisierung. Nur wenige Jahre zuvor kam es mehrfach zum Ausbruch von Cholera. Um diese Zeit wurden die Wasserleitungen verbessert und ausgebaut.

Emil Spickermann, der am 7. November 1870 in Stöwen geboren wurde, steht kurz vor seinem 29. Geburtstag. Sein Familienstand vor der Hochzeit wird nicht erwähnt. (Verwitwert? Geschieden? Ledig?) Sein Stand/Beruf wird mit „Arbeiter“ angegeben, was leider auch wenig Aussagekraft hat. Emil ist katholisch. Sein Vater ist August Spickermann, seine Mutter Auguste Lemke. Beide leben (!) in Stöwen.

Seine Ehefrau Elisabeth Dahlke wird als ledig angegeben. Zusammen mit Elisabeths Eigenaussage in diesem Dokument (Unterschrift), ist Elisabeth Dahlke ihr tatsächlicher Geburtsname. Diesem Dokument zufolge war sie bisher nicht verheiratet – „ledige Elisabeth Dahlke“.

Ihr Geburtsdatum war mir bereits bekannt. Allerdings nur aus Dokumenten, welche nach 1945 entstanden und fast immer den Vermerk enthielten, dass die Daten letztenendlich nicht überprüft werden können, da man keinen Zugang zu den Akten hatte. Das hier ist also der Beleg für ihre Geburt in Schneidemühl. (So weit ich es bisher recherchieren konnte.)

„Ohne besonderen Stand“ deutet für mich auf keine spezielle Ausbildung oder ein fachliches Können. Sie wird sich also mit niederen Arbeiten finanziert haben. Dies deckt sich mit den Berichten aus der Familie. Ob diese Formulierung noch etwas anderes zu bedeuten hat, weiß ich leider nicht einzuschätzen.

Elisabeth ist katholisch. Und jetzt wird es interessant!

Sie wird als die Tochter der Johanna Dahlke angegeben. NICHT als die Tochter eines Mannes mit dem Namen Dahlke. Elisabeth Dahlke, Tochter der Johanna Dahlke. Sprich: Sie kam unehelich auf die Welt. Das ist für mich persönlich kein Weltzusammenbruch, aber damals hieß das für Johanna Dahlke wahrscheinlich schon einiges. Was genau, würde ich gerne in Zukunft herausfinden.

Nach Johanna Dahlkes Namen folgt der Zusatz „später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.“

Ist nun Heinrich Binneböse als Vater angegeben, oder „nur“ als der spätere Ehepartner von Johanna?

Klar scheint zumindest nur zu sein, dass am 25. Oktober 1899 beide – Johanna und Heinrich Binneböse – bereits verstorben sind. Zuletzt hatten die beiden in Schneidemühl gelebt.

Die beiden Trauzeugen wirken auf mich recht „normal“. Sowohl die Braut scheint einen Trauzeugen gebracht zu haben (Josef Meissner aus Schneidemühl). Als auch der Bräutigam (Leonhard Parthun aus Stöwen).

Ein bißchen überraschend fand ich den handschriftlichen Nachtrag der Hochzeit der jüngsten Tochter des Paares. Alle weiteren Ehen (der anderen Kinder, Anna heiratete nur einmal) wurden hier nicht nachgetragen.

Einordnung in den Kontext mit anderen Quellen:

Die größte Überraschung ist für mich die unverheiratete Johanna Dahlke. Vor dieser Heiratsurkunde kannte ich Elisabeth Dahlkes Mutter nicht. Ich kannte weder Vor- noch Nachnamen. Ich erwartete einen Herrn Dahlke mit einer Ehefrau und einem neuen Nachnamen. Doch jetzt habe ich eine Johanna Dahlke und einen neuen Nachnamen, von dem ich nicht sicher bin, ob er der leibliche Vater von Elisabeth Dahlke ist.

Erster Schritt: Schnelles Nachforschen, ob sich Heinrich Binneböse und Johanna in anderen Dokumenten finden lassen. Einfachste Überprüfung: Eine Suche in der Pommerndatenbank.

Dort finden sich tatsächlich einige sehr wenige Einträge zum Nachnamen Binneböse. Zum einen Wilhelm Binneböse in Ratzebuhr, Kreis Neustettin. Dieser taucht in mehreren Adressbüchern auf. Er ist Schneidermeister.

In Schneidemühl dann zwei Einträge für Binneböse aus dem Adressbuch der Stadt Schneidemühl aus dem Jahr 1896.

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstr. 6.

Es sieht fast so aus, als hätten Johanna Dahlke und Heinrich Binneböse nach dem 9. Oktober 1874 und vor dem Stichtag für das Adressbuch 1896 geheiratet. Allerdings scheinen sie sich auch wieder getrennt zu haben?

Heinrich Binneböse starb zwischen dem Zeitpunkt der Erfassung für das Adressbuch 1896 und dem 25. Oktober 1899. Vielleicht war er zur Zeit der Erfassung bereits krank und befand ich eventuell in einer Krankenabteilung der Ziegelei? Aber das ist reine Vermutung!

Der Name Binneböse wurde mir gegenüber nie genannt. Als ich ihn jetzt meinem Patenonkel Herbert und Resi sagte, konnten sich die beiden direkt nicht an einen Heinrich erinnern (dieser starb ja bereits vor 1899 und sie konnten ihm nie begegnet sein), sondern an einen Carl Binneböse! Beide kannten diesen Carl, wußten einiges zu berichten. Beide waren bei Carl mehrfach zu Besuch gewesen, beide kannten Carls Töchter (von der eine anscheinend noch lebt). Beide wußten, dass sie irgendwie mit Carl verwandt waren, aber sie wußten nicht wie. Und weitere Binneböse außer Carl und seinen Töchtern kannten sie gar nicht.

Alles sehr spannend! Mehr konnte ich zu Johanna und Heinrich bisher nicht ausfindig machen. Aber ich bleibe dran!

Mein letzter Blogeintrag beschäftigte sich mit Emil Spickermann und seiner Verwundung im 1. Weltkrieg. Meine Vermutung in Bezug auf Emil ist ja, dass er an den Folgen einer Verwundung, die er im 1. Weltkrieg erhielt, verstorben sei. Seine Totenurkunde habe ich noch nicht finden können. In der Familie wird vermutet, er sei etwa 1916 gestorben. Emil erscheint am 7. Oktober 1915 in den Verlustlisten. (Siehe vorherigen Blogeintrag.) Als diese Meldung in der Verlustliste erschien, das Emil 44 Jahre alt. Am 7. November 1915 wäre er 45 Jahre alt geworden. Ich schätze, der schwer verwundete Emil, 44jährig, wurde zunächst in ein Lazarett gebracht. Und da eine schwere Verwundung wahrscheinlich (?) länger als einen Monat benötigt um auszuheilen, wird er nach dem Lazarettaufenthalt nach hause geschickt worden sein.

Aber nichts genaues weiß ich nicht.

Wie oft war Elisabeth Dahlke verheiratet? Diese Heiratsurkunde spricht von der „ledigen Elisabeth Dahlke“. Dahlke ist der Name ihrer Mutter. Also kann ich fest davon ausgehen, dass Dahlke Elisabeths Geburtsname war. „Ledig“ in der Geburtsurkunde zeigt unverheiratet hat. Würde dort ansonsten „verwitwet“ oder „Witwe“ stehen?

Den Mikrofilm mit den weiteren Heiratsurkunden habe ich mir ja angeschaut. Dort ist mir nicht bewußt „verwitwet“ oder „Witwe“ oder Ähnliches begegnet. Aber systematisch habe ich danach nicht gesucht …

Es gibt eine Vielzahl von Kindern und Halbgeschwistern, die ich alle immer noch nicht sicher zu ordnen kann. Emil hatte Kinder, die er mit in die Ehe brachte. Nachweisen kann ich es noch nicht, aber dies wurde mir von allen Verwandten genauso berichtet.

Und dann gibt es die Geschichte, die Oma Spickermann Resi erzählt hat. Wie passt die hier rein? Vielleicht hat Elisabeth auch nach dem Ableben von Emil noch einmal geheiratet? Vielleicht wurde Emil nach seiner schweren Verwundung (an der Westfront?) nach hause entlassen und ist dort entweder in Schneidemühl noch mal operiert worden und dann innerlich verblutet? Oder erholte er sich ganz von der Kriegsverwundung und erkrankte dann an Hämorrhiden, die dann zur fatalen Operation führten?

Nächste Schritte und Fragen:

Emils erste Ehe – ganz klar will ich diese Heiratsurkunde finden. Nur wo ist die Heiratsurkunde zu finden? In den Heiratsurkunden von Schneidemühl? Usch hatte kein eigenes Standesamt …

August Spickermann und Auguste Lemke. Daten, Fakten, alles was ich finden kann. Erste Anhaltspunkte sind gefunden, davon später mehr.

Die größte Überraschung: Elisabeths Eltern! Elisabeths Geburtsurkunde konnte ich nicht finden. (Auch dazu später ein bißchen mehr.) Das Kirchenbuch, welches ihre Geburt wohl verzeichnet hat, liegt im Diozösanarchiv in Köslin. (Schriftliche Anfragen teuer, Antwort nur auf Polnisch – es ist wesentlich lohnender einmal nach Köslin zu fahren und dort vor Ort zu suchen. Dort dürfte nicht nur in Bezug auf Dahlkes und Spickermänner eine Goldmine sein.

Aber was ich direkt als nächsten Forschungsschritt anpeile, ist das Forschen in den Totenurkunden.

Dies hier war jetzt ein sehr langer Post. Und dabei denke ich, ich könnte noch viel mehr schreiben, viel mehr Details zufügen. Auch habe ich noch andere Dokumente gesehen, die ich in einen Zusammenhang stellen kann. Aber ein Schritt nach dem anderen. 🙂

 

Die Spickermanns aus Schneidemühl

Aus all den Notizen, die ich mir gestern beim Besuch bei Resi gemacht habe und allen Notizen, die ich schon vorher gemacht habe, denke ich, dass ich nun versuchen kann die Spickermanns aus Schneidemühl zumindest rudimentär zusammenzustellen zu können. Es gibt aber einige Probleme. Aber ich fange mal damit an, was ich weiß:

Elisabeth Dahlke, geboren 1874 in Schneidemühl, heiratete Emil Spickermann sr. und hatte folgende Kinder:

Emil Spickermann jr. Geboren 1900 in Schneidemühl. Ältestes Kind von Elisabeth und Emil sr. Bäcker, hatte eine eigene Bäckerei in Schneidemühl, aktiv mit dem Werbespruch „Willst Du Dich mit Schmeling messen, musst Du Spickermanns Brot und Kuchen essen!“. Emil jr heiratete Anna Sydow, beide hatten drei Kinder – zwei Töchter und ein Sohn. Der einzige Sohn von Elisabeth und Emil sr., der im 2. WK gefallen ist. Zu Emil gibt es mehrere Einträge in Schneidemühler Adressbücher. Mehr dazu unten beim Eintrag zu Emil sr.

Elisabeth Spickermann. Geboren 1902 in Schneidemühl. Älteste Tochter von Elisabeth und Emil sr. Heiratete Franz Marquardt (ebenfalls aus Schneidemühl). Hatten drei Söhne und lebten später in Viersen. Immer top gestylt und sehr lieb, stets eine echte Dame.  Franz Marquardt taucht in zwei Schneidemühler Adressbüchern auf, jeweils mit dem Beruf „Schlosser“. 1934 Anschrift Plöttker Kolonie 20, 1938 Berliner Str. 105. (Beides aus pommerndatenbank.de)

Franz Spickermann. So sah er aus:

Franz Spickermann

Franz Spickermann

Geboren 1904 in Schneidemühl. Fand Arbeit in Düsseldorf. Als er 1941 nach Schneidemühl zu Besuch kam, erkrankte er an einer eitrigen Rippenfellentzündung an der er in Schneidemühl erlag. Dort wurde er auch bestattet. Er war das erste Kind von Elisabeth und Emil jr, welches verstarb. Elisabeth hatte bis zu ihrem Tod ein großes etwa DINA4 großes Bild von Franz über ihrem Bett hängen. (Eben jenes, welches ich eingescannt habe und oben abgebildet ist.)

Anna Spickermann, geboren 1912 in Schneidemühl. Das jüngste Kind und meine Großmutter mütterlicherseits. Anna lebte ihr ganzes Leben mit ihrer Mutter Elisabeth zusammen. 1939 Hochzeit mit Albin Klatt in Schneidemühl. Etwa Mitte 1944 Geburt des ersten Kindes Herbert. (Er starb auf der Flucht aus Pommern.) 1949 Geburt der Tochter Regina in Handorf. Ab ca. 1950 lebte sie bis an ihr Lebensende gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Familie in Krefeld. Starb Anfang 1978 an Parkinson in Krefeld. Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof. (Familiengrab, besteht noch. Später wurden ihr Ehemann Albin und ihre Tochter Regina im gleichen Grab beigesetzt.) In der pommerndatenbank.de taucht Anna zweimal auf: 1934 in der Feldstr. 14, keine Berufsangabe (sie war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt). Sie lebte gemeinsam mit ihrer Mutter Elisabeth und ihren Brüdern Bruno und Leo. 1938 taucht sie als „Arbeiterin“ in der Königsblicker Str. 28 auf. In diesem Haus wird sie gemeinsam mit ihrer Mutter bis zur Flucht leben. 1938 ist dort kein weiterer Spickermann gemeldet. Ihr zukünftiger Mann Albin, den sie 1939 im Herbst heiraten wird, ist 1938 auf dem Gönner-Weg 2 in Schneidemühl als „Arbeiter“ gelistet.

So weit so relativ einfach. Was jetzt kommt … ist etwas komplizierter. Zunächst, weitere Spickermann-Kinder:

Bruno Spickermann. Geboren in Schneidemühl, wann weiß ich nicht. Am 4. Juni 1965 lebte er noch, da er einen Brief an die Krefelder (Trauer-)Familie schrieb. Er heiratete eine Schwester von Albin Klatt, Helene Klatt aus Riege/Deutsch Krone. Lt. pommerndatenbank.de ist er 1934 gemeinsam mit Schwester und Mutter und Bruder Leo in der Feldstr. 14 gelistet. Es ist kein Beruf für ihn aufgelistet. 1938 ist Bruno auf der Eichberger Str. 28 als „Arbeiter“ gelistet.

Leo Spickermann. Geboren in Schneidemühl. Auch er lebte im Juni 1965 noch. Ebenfalls aus der pommerndatenbank.de – Leo wurde 1934 in der Feldstr. 14 gemeinsam mit Mutter, Schwester Anna und Bruder Bruno gelistet. Als Beruf steht bei ihm „Tapezierer“. 1938 ist er auf der Saarlandstr. 4 ebenfalls als „Tapezierer“ aufgelistet.

Die Eltern, puuuh, jetzt wird es kompliziert.

Elisabeth Dahlke. Über sie habe ich schon mal gebloggt. Lt. ihrer Sterbeurkunde wurde sie 1874 in Schneidemühl geboren und ihr bereits verstorbener Ehemann hieß Emil Spickermann. Da diese Urkunde 1965 in Krefeld ausgestellt wurde, steht da „natürlich“ der Vermerk, dass die Angabe über Geburt und Ehemann nicht beglaubigt sind. Aber eigentlich steht da sogar: „Elisabeth Spickermann, geborene Dahlke […] (geboren 1874) in Schneidemüh, Mark Brandenburg. […] Witwe von Emil Spickermann, Familienstand nicht nachgewiesen.“

Es war Schneidemühl (sic!) im Stadtkreis Schneidemühl, in der Provinz Pommern. Das ist sicher. Der Vorname von Elisabeths Ehemann taucht „offiziell“ nur hier auf. Wann sie Emil Spickermann heiratete, weiß ich nicht … es kommt noch ein Problem dazu – Emil starb relativ früh …. und mit Emil war sie in zweiter Ehe verheiratet. Elisabeth, vermutlicher Geburtsname Dahlke (aber einen richtigen Beleg dafür habe ich tatsächlich nicht!), wurde bereits in ganz jungen Jahren zum ersten Mal Witwe.

Wenn ich die pommerndatenbank.de nach Elisabeth Spickermann bzw. nach Elisabeth Dahlke durchsuche, dann wird es aberwitzig. Wenn ich mir nur die Einträge von Schneidemühl anschaue, dann komme ich wieder auf die Adressbücher vo 1934 und 1938. Als „Wirtschafterin“ ist sie 1934 in der Feldstr. 14 aufgeführt. Vermutlich war sie zu diesem Zeitpunkt Witwe. Wahrscheinlich bereits zum zweiten Mal. 1938 ist Elisabeth als „Witwe“ in der Königsblicker Str. 28 gelistet.

Es tauchte in den Gesprächen über die Familie Spickermann immer wieder ein Theodor auf, ein Mann mit illustrer Lebensgeschichte. Da muss ich noch mal in der Verwandschaft nachfragen, vielleicht kam er aus der ersten Ehe?

Emil Spickermann sr. Lebensdaten sind mir nicht bekannt. Ob ich ihn auf einem Foto mal gesehen habe, könnte sein, so zum Beispiel auf dem Hochzeitsfoto im vorherigen Blogpost. Lt. Resi starb Emil sr. als Emil jr. 15 Jahre alt war, sprich 1915. Gestorben ist er während einer Hämoriden-Operation. Ein recht banaler Grund. Ob Emil sr. im 1. WK eingezogen war, weiß ich nicht. Elisabeth war 1915 keine junge Witwe mehr, sie war bereits 41 Jahre alt. (Für damalige Verhältnisse eine alte Frau.) Ob der weitere Ehemann von Elisabeth vor oder nach Emil kam, ist letztensendes nicht wirklich festzustellen – das wird eine Aktensucherei nur klären können.

Jaa und wenn ich die pommerndatenbank.de nach Emil Spickermann durchsuche und nur die Einträge in Schneidemühl berücksichtige, dann steht dort: 1934 und 1938 ein Bäcker – das wird Emil jr. sein! 1934 in der Berliner Str. 29, 1938 in der Plöttker Kolonie 23. Von Resi weiß ich, dass die Familie von Emil Spickermann jr. ihre letzte Adresse auf der Bromberger Str. 24 hatten.

Und tatsächlich ist ein weiterer Emil Spickermann 1934 und 1938 in den Adressbüchern von Schneidemühl. 1934 ein „Krim.-Assistent“ , 1938 ein „Krim.-Sekretär“. Beides mal die Adresse Bismarckstr. 46. Es leben noch weitere Spickermänner in Schneidemühl zu denen dieser Emil Spickermann gehören könnte. Das ist also erstmal kein Unheilszeichen … nur ein Beleg dafür, wie wenig ich über meinen Urgroßvater weiß … leider.

Aber es gibt Hoffnung, auch wenn ich leider erstmal zu abgebrannt bin um das anzugehen, aber das läuft ja nicht weg – die Geburten der Spickermann-Kinder sind von den Mormonen verfilmt. Der Index sowie auch die Geburtsurkunden. Dort dürfte der komplette Name der Eltern stehen. Mit etwas Glück vielleicht auch Emils Geburtstag?

Dennoch bin ich gerade ganz überweltig, wie viel ich über die Spickermänner zusammengetragen habe. Es gibt noch mehr Details, aber nicht alles gehört ins Internet. Spannend wäre als nächster Schritt jedem Spickermann Bilder zuzuordnen, zu scannen und neben den Namen zu setzen. Überrascht hat mich, wie viele Spickermänner den 2. WK überlebt haben (und da beziehe ich auch die Flucht aus Pommern mitten im bittersten Winter mit ein). Es ist erstaunlich, was Menschen überleben. Aber sowieso – die Geschichte der Schneidemühler Spickermänner ist eine Geschichte des Überlebens, wieder Aufstehens und wieder Aufbauens. Nach dem Krieg mussten alle mit Null anfangen und alle „sind was geworden“. Und das ist es, was mich an Genealogie so fasziniert – hinter all den Daten, die man sammelt, erscheint plötzlich ein Mensch mit einem Leben, manchmal schicksalhaft schwer, manchmal voller Freude. Jeder einzelne ist wichtig und spannend … und wir sollten uns an jeden einzelnen erinnern können. 🙂

Eine Hochzeit am Ende der 1920er Jahre

Dieses Wochenende mache ich mal nichts für die Uni. Gestern erst vieles erledigt, dann zu Resi, meiner Cousine ersten Grades, die ich jahrelang nicht gesehen hatte … es ist ja schon verflixt. Man lässt Familienkontakte einschlafen und dann ärgert man sich. Aber egal, gestern habe ich einen sehr schönen und sehr lustigen Nachmittag und Abend bei Resi verbracht. Natürlich haben wir die meiste Zeit über die Familie gesprochen, vor allem über die Spickermänner. Meine Großmutter mütterlicherseits war die jüngste Schwester von Resis Vater.

Ich habe mir viele Notizen gemacht … und zum allerersten Mal ein Foto von Emil Spickermann, dem ältesten Bruder meiner Großmutter mütterlicherseits und erstem Kind meiner Urgroßmutter Elisabeth Dahlke gesehen! Ein stattlicher Mann, von der Optik her, ein echter Spickermann – die Spickermänner erkenne ich auch immer auf den alten Familienfotos, die bei uns rumliegen.

Die vielen vielen Informationen muss ich ordnen. Aber ein klein wenig gibt es, was ich heute vorzeigen möchte.

Ich fange an mit einem Hochzeitsfoto, welches Resi noch nicht kannte …

Hochzeit von unbekannt, ganz rechts Anna Spickermann

Hochzeit von unbekannt, ganz rechts Anna Spickermann

Ein tolles Foto, lauter Charakterköpfe. Die Datierung ist schwierig. Das Hochzeitskleid der Braut, nun ja, wenn da jemand eine Datierung versuchen will, ich traue mir das nicht zu, obwohl ich jetzt schon einige Jahre immer wieder mein Glück damit versucht habe. Aber den Schleier der Braut, da traue ich mir eine Datierung zu – der ist typisch für die 1920er Jahre. Es gibt sogar alte Schnittmuster, die man im Internet finden kann, aus den 1920er Jahren (der Zeit als Schnittmuster langsam in Mode kamen) wo zeittypische Schleier abgebildet sind, und dieser Schleier passt da genau rein.

Personen, die ich auf dem Foto kenne – da gibt es eine, die ich immer erkenne – ganz rechts ist Anna Spickermann, meine Großmutter mütterlicherseits. Anna war die jüngste Tochter von Elisabeth Dahlke und war im Januar 1912 zur Welt gekommen. Die leichte Kleidung der Gäste weist auf Frühling oder Sommer, vielleicht noch Herbst. Aber Annas Kleid ist ein Kind der 20er Jahre Mode! Durch Annas Anwesenheit und Alter, muss diese Aufnahme eher in der zweiten Hälfte der 1920er entstanden sein. Sagen wir also die Zeit zwischen 1925 und 1929. Anna wäre zwischen 13 und 17 Jahre alt gewesen.

Der Bräutigam sieht für mich wie ein Spickermann aus. Resi hat ihn aber nicht erkannt. Ich denke, dass die Frau neben dem Bräutigam (Mann und Frau neben dem Bräutigam sitzend dürften die Bräutigameltern gewesen sein) Elisabeth Dahlke, geborene Spickermann gewesen ist. Resi meinte auch, dass es ihre Großmutter gewesen sein könnte. (Sie war sehr eng und herzlich mit „Oma Spickermann“.) Aber sie hat halt den Bräutigam nicht erkannt und den Bräutigam-Vater hatte sie noch nie gesehen. Wäre es Elisabeth Dahlke, verh. Spickermann, dann müsste es Emil Spickermann, ihr Ehemann, sein, der spätestens in den 1930er Jahren bereits verstorben war. Resi hat noch nie ein Foto von Emil Spickermann sr (Ehemann von Elisabeth Dahlke) gesehen und hat ihn wahrscheinlich auch nie getroffen.

Die Braut kannte Resi gar nicht, auch bei ihr habe ich keine Ahnung, welche Identität sie haben könnte. Offensichtlich war der Brautvater bereits verstorben, zumindest nicht anwesend. Brautmutter und Braut sind unverkennbar Mutter und Tochter. Hinter der Braut scheint eine Schwester von ihr zu stehen.

Eine Person hat Resi noch erkannt, war sich aber nicht sicher, wer es genau war. Die dritte Person stehend von rechts, nicht der Mann direkt neben Anna sondern „eins weiter“, ist ein Spickermann – entweder Annas Bruder Leo oder Annas Bruder Bruno.

Und was noch auffällt – Annas Arme sind käseweiß! (Auch sieht man, dass sie sonst einen kleineren Ausschnitt trägt.) Im Gegensatz zu ihrem Gesicht und Händen! 🙂 Ebenso sind die Gesichter von Bräutigam-Mutter und Leo/Bruno Spickermann dunkel. Da waren die Spickermänner wohl viel an der Sonne. Die Stirn von Anna und Leo/Bruno sind übrigens zur Hälfte auch weiß … Hüte hatten sie anscheinend getragen.

Welche Informationen habe ich zu diesem Foto?

  • Schleier der Braut weist in die 1920er Jahre
  • Kleidung der Gesellschaft deutet auf „freundliches“ warmes Wetter hin, sprich eher Frühling/Sommer; einige der Gäste sind teilweise sonnengebräunt (es gab also bereits sonnenreiche Tage) – eher fortgeschrittener Frühling/Sommer
  • Annas Alter weist ans Ende der 20er Jahre, frühstens 1925, eher später (Anna ist Jan. 1912 geboren)
  • Annas Kleid ist mit der tief sitzenden Betonung der Hüfte ein ganz typisches 1920er Kleid
  • Bräutigam sieht wie ein Spickermann aus (aber Identität ungeklärt), Bräutigam-Mutter scheint Elisabeth Dahlke, verh. Spickermann zu sein
  • Ist die Bräutigam-Mutter Elisabeth Dahlke (und so scheint es), dann wird es sich beim Bräutigam-Vater um Emil Spickermann sr. handeln.

Elisabeth Dahlke, Kommunionsfoto

Anläßlich des heutigen Muttertages dachte ich, dass ich eine Mutter in meinem mütterlichen Familienstrang vorstelle. Erst dachte ich an meine Großmutter mütterlicherseits, entschied mich dann aber für meine Urgroßmutter mütterlicherseits – Elisabeth Dahlke.

ImageElisabeth musste 1945 aus Schneidemühl fliehen, daher habe ich keine Original-Unterlagen aus dieser Zeit. Aber es gibt einige Dokumente, die nach dem Krieg ausgestellt wurden und die sehr vertrauenswürdig sind. Daher weiß ich sicher, dass Elisabeth 1874 in Schneidemühl geboren wurde. Elisabeth war wie ihre ganze Familie sehr katholisch. Und wie man an diesem Foto sieht, empfing sie natürlich die heilige Erstkommunion. Es ist etwas schwierig das Foto zu datieren. Zunächst ging ich davon aus, dass Elisabeth bei ihrer Erstkommunion – so wie es heute üblich ist – etwa neun Jahre alt gewesen sein müsste. Allerdings habe ich eben etwas recherchiert und mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass seit der frühen Neuzeit ein Alter von zwölf Jahren für die Erstkommunion üblich war. Gegen Ende des 19. Jh. verlagerte sich das Kommunionsalter und die Kinder konnten bereits als Sechs- oder Siebenjährige das erste Mal die Kommunion empfangen. (Zeigt mal wieder wie vorsichtig man sein muss bei solchen „Kleinigkeiten“ die heutigen Verhältnisse auf frühere Zeiten zu übertragen.) Das Kleid weiß ich nicht zu datieren. Wer er eine Datierung dafür vorschlagen möchte, möge es mir bitte in die Kommentare setzen. 🙂

Wie auf dem Karton sichtbar eingeprägt ist, war der Fotograf T.Graszynski aus Schneidemühl.

Weitere Daten aus ihrer Zeit in Schneidemühl sind mir nicht konkret bekannt, nur Vermutungen. Irgendwann heiratete Elisabeth Emil Spickermann, von dem ich tragischerweise überhaupt keine Lebensdaten vorliegen habe! Er verstarb „früh“ und Elisabeth musste ihre vielen Kinder – mindestens acht lebten bis ins Erwachsenenalter – alleine durchbringen.

Ich kenne viele Anekdoten über Elisabeth, die immer wieder bei Familientreffen erzählt wurden. Wie herzlich sie war. Dass sie eifrigst und ausgibig für ihre Familie betete. Für ihre Vorliebe abends einen „kleinen Schnaps“ zu kippen. Auch wie hart ihr Leben war, welche schweren Lebensumstände sie hatte durch den Verlust ihres Ehemannes.

Ein paar wenige Details aus ihrer Zeit in Schneidemühl sind mir noch bekannt – aus Adressbüchern. Eine spannende Quelle, die gerne übersehen wird.

Im Adressbuch von Schneidemühl 1934 ist sie als „Elisabeth Spickermann Wirtschafterin“ mit wohnhaft in der Feldstr. 14 gelistet. Im gleichen Haus leben ihre Kinder Bruno, Leo und Anna.

Im Adressbuch von Schneidemühl von 1938 ist sie als „Elisabeth Spickermann Witwe“ mit wohnhaft in der Königsblicker Str. 28 gelistet. Ebenfalls in diesem Haus – und aus Familienerzählungen weiß ich, dass die zwei in der gleichen Wohnung lebten – ist ihre Tochter Anna gelistet. Elisabeth und Anna lebten in dieser Wohnung bis zu ihrer Flucht aus Schneidemühl.

Gerne würde ich für Emil zumindest ein Todesjahr schätzen können … durch die Unterscheidung von „Wirtschafterin“ (1934) und „Witwe“ (1938). Aber das ist mir einfach viel zu gefährlich und hat nichts mit Fakten zu tun. Auch ist Emil im Adressbuch von 1934 nicht aufgeführt. (Natürlich könnte er woanders gelebt haben, aber ich gehe davon aus, er war bereits 1934 tot.)

Anna, Elisabeths jüngste Tochter (geboren 1912), flüchtete gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Sohn Herbert im Januar 1945 mit dem letzten „berühmten“ „Mutter-und-Kind-Zug“ aus Schneidemühl unter absolut katastrophalen und dramatischen Umständen, von denen sich Anna ihr Leben lang nicht mehr seelisch erholen konnte. Auf dieser Flucht starb der kleine Herbert. (Über ihn werde ich sicherlich noch posten.)

Elisabeth und Anna flüchteten von Schneidemühl zunächst nach Berlin. Von dort schlugen sie sich zu Elisabeths Schwester Antonia („Tante Toni“) durch, die in Eggersdorf/Petershagen ein kleines Haus hatten. Dort verbrachten sie in bitterster Kälte einige Zeit provisorisch auf der Veranda um dann, von den Behörden angewiesen, wieder in das komplett zerbombte Schneidemühl (Schneidemühl wurde zur Festung) zurückzukehren, welches bereits unter polnischer „Verwaltung“ stand. Aber auch hier waren sie ungewollt und sie wurden wieder Richtung Westen geschickt. Sie kamen auf das Gebiet der späteren DDR. Aus diesem russischen Verwaltungsgebiet flüchteten sie über die grüne Grenze. Schlußendlich landeten sie im Flüchtlingslager in Handorf, wo 1949 meine Mutter zur Welt kam.

Als Annas Ehemann Albin Arbeit bei Zangs in Krefeld fand, siedelten sich Albin, Anna und Elisabeth gemeinsam mit „Tante Hertha“ (auch eine Flüchtlingsfrau) nach Krefeld.

Hier verbrachte Elisabeth ihre letzten Jahre. Bis zu ihrem Tod 1965 in ihrem eigenen Bett in Krefeld, machte sie viele Pilgerreisen nach Kevelaer. Sie besuchte noch im Sommer 1964 die „Ostzone“ um noch einmal ihre Schwester Toni zu treffen. Auch nahm sie an vielen Treffen der Schneidemühler teil. „Oma Spickermann“ wurde vier Tage später auf dem Krefelder Hauptfriedhof beigesetzt unter reger Teilnahme. (Ihr Grab ist mittlerweile aufgehoben.)

Obwohl ich relativ viel über meine Urgroßmutter weiß, gibt es doch – wie man hier schön sehen kann – ganz erhebliche Lücken. Ich kann jedem nur empfehlen auch für jede Person eine eigene (digitale oder Papp-) Karteikarte mit chronologischem Lebenslauf anzulegen. Dadurch wurde mir viel in der bewegten Vita von Elisabeth klar. Auch viele Fragen, die ich habe und versuche zu beantworten, kommen so ganz von selbst zu Tage. Aber davon ein anderes Mal.