Archiv der Kategorie: Stöwen

Anna Spickermann heiratet Albinus Bernhard Klatt

Anna Spickermann heiratet Albinus Bernhard Klatt

Hochzeitsfoto Anna Spickermann und Albinus Bernhard Klatt

Hochzeitsfoto Anna Spickermann und Albinus Bernhard Klatt

Zunächst eine kleine „wie blöd bin ich“ Frage an mich selbst – ich antworte selbst: Manchmal ziemlich stark. Da ich ja eh meine jahrzehnte lange genealogische Forschung umsortiere und besser organisiere, komme ich immer wieder an Punkte, wo ich mich über mich selbst wundere. (zB bei Suchanfragen im Internet Foren-Einträge von mir selbst zu finden, wo ich Dinge frage, zu denen ich eigentlich schon Dokumente vorliegen habe, mir diese einfach mal genauer anschauen sollte.) Bereits vor einigen Monaten hatte ich diesen Moment der Erkenntnis – oder anders: meine Handfläche klatschte an meine Stirn – als ich mir den Mikrofilm der Mormonen anschaute, auf dem der Familienbuch-Eintrag meiner Großeltern mütterlicherseits sich befand.

Foto des Einbandes des Familienbuches aus dem Jahre 1939 aus Schneidemühl

Foto des Einbandes des Familienbuches aus dem Jahre 1939 aus Schneidemühl

Ja, kann denn da was Neues drinstehen, was mir helfen könnte? Eigentlich nicht, oder? Trauzeugen wären spannend, aber Datum und Namen kenn ich doch … den Mikrofilm kann ich ja mal sichten, wenn ich Zeit hab. Denkste Puppe! Hätte ich den Film früher angefordert und gesichtet, hätte ich die Geburtsurkunde meiner Uroma (dazu später sehr viel mehr!) superschnell finden und einordnen können. Aber das ist natürlich nicht alles. Schauen wir uns das Dokument mal gemeinsam an …

Das Dokument:

Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

„Schneidemühl, den 18. Oktober 1939

1. Der Soldat, Kraftwagenführer Albinus Bernhard Klatt, katholisch, geboren am 23. August 1912 in Riege (Standesamt Rose, Kreis Deutsch Krone, Nr. 39/1912), wohnhaft in Schneidemühl, Gönner Weg 2

und die

2. ____(??)gehilfin Anna Spickermann, katholisch, geboren am 25. Januar 1912 in Schneidemühl (Standesamt Schneidemühl Nr. 66/1912), wohnhaft in Schneidemühl, Königsblicker Straße 28 erschienen heute ….

Als Zeugen waren anwesend:

1. Die Arbeiterin Antonia Klatt, durch Arbeitsbuch ausgewiesen, 30 Jahre alt, wohnhaft in Schneidemühl, ____(??)austraße 1

2. Der Kraftwagenführer Johannes Heldt, durch _________(???) ausgewiesen, 26 Jahre alt, wohnhaft in Schneidemühl, _____(??)straße 10.

[Formulartext]

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Die Unterschriften von meinem Opa Albin, meiner Oma Anna, meiner „Tante“ Toni und von dem mir bisher unbekannten Johannes Heldt.

Zweiter Teil Heiratsurkunde von Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Zweiter Teil Heiratsurkunde von Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

„2. Teil, I. Eltern der Ehegatten

1. Vater des Mannes: [frei]

2. Mutter des Mannes: [frei]

3. Vater der Frau: Spickermann, Emil,

Arbeiter, (letzter) Wohnort Schneidemühl, kath., Geburtsort Stöwen, Geburtstag 7.11.1870, (Standesamt und Nr.) Pfarramt Schneidemühl

4. Mutter der Frau: Dahlke, Elisabeth

(Beruf durchgestrichen/ausgelassen), Wohnort Schneidemühl, kath., Geburtsort Schneidemühl, 9.10.1874 (Standesamt und Nr.) Schneidemühl Nr. 14

Eheschließung: Schneidemühl, 26.10.1899, Schneidemühl Nr. 109

II. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

II. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

II. Teil Angaben über die Ehegatten

1. Mann

rassische Einordnung: deutschblütig

2. Frau

rassische Einordnung: deutschblütig

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

III. Gemeinsame Kinder

1. Herbert

Geburtsort Schneidemühl, 24. August 1944, (Standesamt und Nr.) Schneidemühl Nr. 1454/1944 [Unterschriftkürzel des nachtragenden Beamten] 25.8.44″

Auswertung:

Zunächst einmal zur Quelle des Familienbuches: Das sog. Familienbuch dieser Zeit ist Teil der Personenstandesgesetze. Es ist im Grunde nicht viel anders als die seit 1874 geführten Heiratsregister. Aber es gibt Feinheiten, die erwähnt werden sollten. Allen voran die Intention der Regierenden dieser Änderung im Personenstandsgesetz: Im ab jetzt zu führenden Familienbuch sollte es für jeden ersichtlich sein, welche Ahnen die Familie hatte. Eingeführt wurde diese Änderung von der Nazi-Regierung am 3. November 1937. Zu dieser Zeit werden Juden und andere „Unerwünschte“ bereits massiv diskriminiert und aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt. Zunächst wird hier von den Nazis gesetzlich festgelegt, dass ab nun die „Ahnen“ und Nachkommen im Heiratsregister (jetzt: Familienbuch) gelistet werden sollen. Am 19. Mai 1938 folgte eine weitere Gesetzesänderung: Nun sollte auch die ehemalige (!) Angehörigkeit an der jüdischen Religion hier dokumentiert werden.

Während sich die Angaben auf dem Dokument selbst sich kaum änderten, wird aus den Gesetzen selbst klar, dass es hier nicht um eine Familien-freundliche Dokumentation der Personen ging, sondern vor allem um leicht nachvollziehen zu können, mit wem man verwandt war.

Wie man an diesem Dokument sieht, wurde im Fall meines Opas nicht weiter darauf bestanden, dass er seine Vorfahren nachwies. Inwieweit dies verpflichtend war, weiß ich leider so ohne weitere Recherchen nicht. Ich vermute aber, bevor mein Opa Soldat wurde, musste er einen „persil-weißen“ Ahnenpass vorweisen. (Ahnenpässe gab es seit 1933.)

Hier begegnen wir also einem Dokument, welches ganz stark von der aktuellen Politik geprägt war. Die Informationen wurden hier nicht nur einfach gesammelt und dokumentiert, es wird auch die Intention sichtbar, warum diese Daten gesammelt und dokumentiert wurden: Damit man stets in der Lage war, die Familienverhältnisse und die jüdischen (oder sonstigen) Einflüsse nachweisen und verfolgen konnte.

Die Angaben unter römische Zwei – „rassische Einordnung – deutschblütig“ – brauche ich gar nicht weiter zu kommentieren.

Die verabscheuenswürdige Politik der Nazis greift hier ganz direkt in den Lebensalltag der Menschen hinein. Die willkürlichen Feindbilder werden selbst in Heiratsdokumenten zementiert.

Das Familienbuch selbst bestand aber weiter noch bis ins Jahr 2008 (?). Beim Standesamt wurde weiterhin das Familienbuch geführt, in dem die direkten Vorfahren, die Heiraten, Sterbefälle und Kinder eingetragen wurden. Vermutlich hat auch diese Praxis dazu geführt, dass Ahnenforschung (ich benutze bewußt dieses Wort hier) in Deutschland einen „ungewünschten Geschmack“ hat.

Nun aber zu den konkreten Angaben aus diesem Dokument!

Mein Opa Albin war LKW-Fahrer bei der Färberei Erbguth in Schneidemühl. Davor, als er noch bei seiner Familie in Riege/Deutsch Krone lebte, arbeitete er vor allem als landwirtschaftlicher Helfer und Arbeiter. Zu dieser Zeit war er auch bereits Soldat. War aber tatsächlich mehr oder minder von seinen soldatischen Pflichten entbunden und war in Schneidemühl stationiert. Geheiratet haben die Zwei, als Albin, Anna und den anderen klar wurde, dass er tatsächlich als Soldat eingesetzt werden könnte. (Heirat der beiden am 18. Oktober 1939, der Überfall auf Polen war am 1. September 1939 gelaufen.)

Mein Patenonkel erzählt immer wieder von dieser Hochzeit: Alkohol gab es nur mit Bezugsmarken. Die Familienfeier an sich war klein und familiär. Mehrere soldatische Vorgesetzte von Opa hatten sich selbst eingeladen und haben innerhalb kürzester Zeit so viel gesoffen, dass sie total betrunken waren.

Die Adresse, die für Opa gelistet ist – Gönner Weg 2 – passt zu einem Adressbuch-Eintrag aus Schneidemühl aus dem Jahre 1938, wo Opa mit der gleichen Adresse auftaucht.

Oma Annas Adresse ist die „altbekannte“ – Königsblicker Str. 28. Hier lebte sie bereits seit Jahren mit ihrer Mutter, ihren Geschwistern (bis diese auszogen) und dort würde sie bis zur Flucht aus Schneidemühl wohnen bleiben.

Zeugen der Hochzeit waren Opas Schwester Toni. „Tante“ Toni hatte die beiden verkuppelt. Und mit seiner nur wenige Jahre älteren Schwester, verstand sich Opa immer am besten. Es erscheint nur logisch, dass sie als Zeugin auftaucht. Etwas überrascht bin ich, dass sie scheinbar mit 30 Jahren alleine in Schneidemühl auftaucht. Ist sie nicht nur „Arbeiterin“ sondern auch unverheiratet, wie es ihr Nachname ( = Geburtsname Klatt) andeutet? Ihre Adresse kann ich leider immer noch nicht genau entziffern.

Der andere Zeuge ist ebenfalls LKW-Fahrer. Ich vermute er dürfte auch für die Färberei Erbguth gearbeitet haben.

Bei den Unterschriften ist mir direkt aufgefallen, wie Albin, Anna und Antonia ihr „großes A“ schreiben. Mag es daran liegen, dass Albin und Antonia aus der gleichen Familie stammen oder in die gleiche Volksschule gingen …

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Der Zweite Teil … manchmal „weiß“ man ja einfach was. So „wußte“ ich einfach, dass in der Heiratsurkunde keine Angaben über meine Urgroßeltern aus Riege stehen würden. Ich wußte es einfach. Eine Enttäuschung es dann auf dem Mikrofilmlesegerät zu sehen, war es dann schon.

Da ich irgendwie schon ahnte oder wußte, dass ich mit diesem Dokument nicht weiter in die Tiefe auf der Klatt Seite komme, habe ich auch diese Dokument lange gar nicht anschauen wollen.

Tja und dann kommen die Angaben von Annas Eltern. Grmpf. Mühsam hab ich die Geburtsurkunde meiner Uroma Elisabeth Dahlke gesucht. Und diese nicht gefunden. Letzendlich habe ich ihre Geburtsurkunde durch dieses Dokument erst gefunden.

Die Angaben zu meinem Uropa dagegen sind einfach nur super erfreulich! Diese fand ich später auch auf der Heiratsurkunde von Uroma und Uropa, allerdings habe ich hier den Vermerk auf etwas ganz Kleines und ganz Wichtiges, was mich springen lässt! 😀

Denn Emils Geburt, so steht es hier ganz deutlich zu lesen, ist standesamtlich beurkundet durch das Kirchenbuch der Stadt Schneidemühl! BINGO! Denn das besagte Kirchenbuch gibt es und ist in Polen gut behütet vorhanden. Da ich sowieso in weiter Zukunft nach Polen reisen möchte um genau diese Kirchenbücher zu durchsuchen, bin ich natürlich begeistert!

Und hier kommt nun spätestens der Augenblick, wo ich nur noch laut „NEIN!“ rufe … unter römisch Drei sind die Kinder gelistet:

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Haaaaaa ………. ich habe Herberts Geburtsurkunde mühselig selbst gefunden, indem ich alle Geburtsurkunden aus 1945 und 1944 gesichtet habe … naaaajaaaaa. Verena, das hätte einfacher gehen können!

Fazit:

Welche neuen Forschungsansätze habe ich nun?

Urgroßeltern „aus Riege“. Tja, wieder nix. Die kriege und kriege ich nicht zu fassen. Manchmal spiele ich sogar mit dem Gedanken, dass bewußt, die Familienverhältnisse im Dunkeln gehalten wurden. Aber bisher habe ich nur den Hinweis, dass die Großmutter mütterlicherseits von Opa einen polnischen Namen hatte. Wäre das ein Grund die Familienverhältnisse zu verheimlichen? Ich glaube eher nicht. Ganz typisch für meinen Opa war einfach, dass er sehr ruhig war und von sich aus nie etwas erzählte. Dazu passen als die Dokumente, auf denen kaum Angaben sind. Mir scheint da keine Intention dahinter zu stehen, sondern einfach nur seine menschliche Art.

Die Personenstandsakten des Standesamt Rose – bisher scheint es so, als seien sie am Ende des 2. Weltkrieges verloren gegangen. Allerdings gibt es ja immer noch die kleine Hoffnung, dass diese Akten in polnischen Archiven schlafen. (Es gibt ja tatsächlich deutsche Aktenbestände, die immer noch nicht gesichtet und indexiert wurden. Die großen und tollen Aktionen der polnischen Archive in neuster Zeit geben Grund zur Hoffnung, dass alle Betroffene zumindest in absehbarer Zeit hier mehr erfahren könnten.)

Einige direkte Forschungsansätze habe ich sofort umgesetzt: Die Geburtsurkunde von meiner Uroma konnte ich nur durch die Geburtsurkunden-Nummern identifizieren. Hierzu gibt es noch viel zu berichten.

Advertisements

Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann

Mit alten Dokumenten ist es ja so eine Sache – man weiß schon vorher so ungefähr was drin steht. Dann hat man entweder das Original oder eine Kopie der Urkunde vor sich, findet genau das vor, was man erwartet … und noch einiges mehr!!

Auch in diesem Fall ging es mir genau so. Einige Fragen konnten sofort beantwortet werden. Aber ich habe jetzt noch viel mehr Fragen als vorher. Ich fange mal von vorne an.

Ich suchte nach der Heiratsurkunde von Elisabeth Dahlke und Emil Spickermann. Diese fand ich nun auf einem Mikrofilm der Mormonen. Hier die beiden Original-Unterschriften der beiden Eheleute:

DS_Ehe_Unterschriften

Was wußte ich vorher? Elisabeth Dahlke heiratete um die Jahrhundertwende den Vater der Spickermann-Kinder. Der Name war wahrscheinlich Emil. Allerdings waren sich da nicht alle noch lebenden Spickermann-Nachkommen einig. Es gab auch einen Sohn, der Emil hieß, eine Verwechslung könne also vorliegen. Die Hochzeit fand in Schneidemühl statt. „Oma Spickermann“ – unter diesem Namen ist Elisabeth Spickermann immer noch in der Familie bekannt – hieß vor der Ehe Dahlke.

Allerdings gab es da auch einige Unsicherheiten. Denn Emil (der Vater) war nachweisbar Witwer, aus seiner ersten Ehe hatte er mindestens zwei Kinder mit in die neue Ehe gebracht. (Wie viele Kinder genau, wer das war – total unklar!) Emil soll „in etwa“ um 1916 gestorben sein. Auch Elisabeth Dahlke soll Witwe gewesen sein. Resi, meine Cousine 2. Grades, die sehr viel Zeit mir ihrer geliebten Oma verbracht hat (auch in später als Erwachsene), weiß zu berichten, dass Oma Spickermann davon erzählte, dass sie (Oma Spickermann) bereits sehr früh Witwe wurde. Ihr Mann wurde wegen Hämorrhiden operiert. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen und legte sich in der Wohnung hin. Oma Spickermann ging kurz etwas besorgen und als sie heim kam, war ihr Mann tot – innerlich verblutet.

Schauen wir uns die Heiratsurkunde an:

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Kenner werden erkennen, dass ich einen Bildschirm eines relativ alten Mikrofilm-Lesers abfotografiert habe. Um hier alles erkennen zu können, werde ich das Dokument Stück für Stück vorstellen, sonst lässt sich nicht alles gut lesen.

Zunächst die Quellenangabe – hier handelt es sich um durch die Mormonen abfotografierten Personenstandsakten, die sich in Berlin im Standesamt I befinden. Diese Fotoaufnahmen wurden bereits Anfang der 1960er Jahre gemacht. Gerade weil es momentan so schrecklich lange Bearbeitungszeit aus verwaltungstechnischen Gründen gibt, hoffe ich sehr, dass das Standesamt Berlin I die Aufnahmen frei gibt zur Indexierung, entweder durch die Mormonen oder durch einen anderen vertrauenswürdigen Verein, wie zum Beispiel die ComputerGenealogen. Aber da ist viel Wunschdenken von mir dabei.

P1350006_kl

Dieser Mikrofilm hat die Batch-Nr. 302087 – „Personenstandsakten Schneidemühl, Heiraten 1895-1899“.

DS_Ehe_01

Heiratsurkunde Nr. 109 [aus dem Jahre 1899]

Schneidemühl am 25. October 1899

DS_Ehe_02

„Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zweck der Eheschließung :

1. der Arbeiter Emil Spickermann, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 7. November des Jahres 1870 zu Stöwen Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Stöwen.

Sohn des Arbeiters August Spickermann und dessen Ehefrau Auguste geborene Lemke, beide wohnhaft zu Stöwen.

DS_Ehe_03„2. die ledige Elisabeth Dahlke, ohne besonderen Stand, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 9. October 1874 zu Schneidemühl Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der Johanna Dahlke später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.

DS_Ehe_04[Nun auf der zweiten gegenüberliegenden Seite – ehrlicherweise habe ich hier noch nicht alles entziffert. Berufe der Zeugen kann ich nicht genau ausmachen, Adressen ähnlich.]

Ein Zeuge ist Schmiede(??)meister Josef Meissner. Er wohnt in Schneidemühl. [Und hat ebenfalls im Jahre 1899 geheiratet. Seine Hochzeitsurkunde habe ich auch abfotografiert, aber auch hier habe ich Probleme seinen Beruf zu entziffern. Gebürtig ist Josef Meissner aus Neuhof.]

Der andere Zeuge ist Leonhard Parthun. Seinen Beruf kann ich gar nicht entziffern. Wer helfen kann und mag, bitte gerne. 😉

Leonhard Parthun lebte zur Zeit der Eheschließung von Emil und Elisabeth in Stöwen.

Bei den Zeugen ist noch einiges mehr herauszufinden. Aber ich habe momentan so viel spannende Details recherchiert, bzw. ich bin noch am recherchieren, dass ich mir erstmal alles bisher „Erkanntes“ notiert habe und einen dicken Vermerk gemacht habe, ob hier eventuell noch etwas herauszufinden ist. (Es sind ja auch Adressen und Altersangaben bei den Zeugen. Waren es Freunde oder Familie kann das sehr interessant sein.)

Ganz unten nun alle Unterschriften. (Keine „X“ für Unterschriften, was noch recht häufig bei den Heiratsurkunden vorkam. Ergo konnten alle zumindest ihren eigenen Namen schreiben.)

DS_Ehe_05Schöne Handschriften von Emil und Elisabeth wie ich finde. 🙂

Natürlich spannend zu sehen, wie die zwei ihre eigenen Namen schrieben. Emil schrieb Spickermann tatsächlich mit „CK“. „Oma Spickermann“ schrieb ihren eigenen Namen mit „Elisabeth Spickermann geborene Dahlke“.

Nachträglich wurde auf der Heiratsurkunde der zwei ein Vermerk gemacht:

DS_Ehe_06„H. (??) Tochter Anna geb. 25.1.12 hier Nr. 66/1912 [Nr. der Geburtsurkunde], geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 [Nr. der Heiratsurkunde] hier.“

Auswertung:

Das Datum 25. Oktober 1899 – der 28jährige Emil heiratet die 25jährige Elisabeth in Schneidemühl. Der Wochentag war ein Mittwoch. Zur Jahrhundertwende wird Schneidemühl ca. 19.000 Einwohner haben; die Bevölkerungszahl der Stadt war in nur wenigen Jahrzehnten sprunghaft gestiegen. Dies war ein Resultat zum einen durch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke und einer folgenden Ausbauphase, die Schneidemühl zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt machte. Zum anderen sicherlich durch die fortschreitende Industrialisierung. Nur wenige Jahre zuvor kam es mehrfach zum Ausbruch von Cholera. Um diese Zeit wurden die Wasserleitungen verbessert und ausgebaut.

Emil Spickermann, der am 7. November 1870 in Stöwen geboren wurde, steht kurz vor seinem 29. Geburtstag. Sein Familienstand vor der Hochzeit wird nicht erwähnt. (Verwitwert? Geschieden? Ledig?) Sein Stand/Beruf wird mit „Arbeiter“ angegeben, was leider auch wenig Aussagekraft hat. Emil ist katholisch. Sein Vater ist August Spickermann, seine Mutter Auguste Lemke. Beide leben (!) in Stöwen.

Seine Ehefrau Elisabeth Dahlke wird als ledig angegeben. Zusammen mit Elisabeths Eigenaussage in diesem Dokument (Unterschrift), ist Elisabeth Dahlke ihr tatsächlicher Geburtsname. Diesem Dokument zufolge war sie bisher nicht verheiratet – „ledige Elisabeth Dahlke“.

Ihr Geburtsdatum war mir bereits bekannt. Allerdings nur aus Dokumenten, welche nach 1945 entstanden und fast immer den Vermerk enthielten, dass die Daten letztenendlich nicht überprüft werden können, da man keinen Zugang zu den Akten hatte. Das hier ist also der Beleg für ihre Geburt in Schneidemühl. (So weit ich es bisher recherchieren konnte.)

„Ohne besonderen Stand“ deutet für mich auf keine spezielle Ausbildung oder ein fachliches Können. Sie wird sich also mit niederen Arbeiten finanziert haben. Dies deckt sich mit den Berichten aus der Familie. Ob diese Formulierung noch etwas anderes zu bedeuten hat, weiß ich leider nicht einzuschätzen.

Elisabeth ist katholisch. Und jetzt wird es interessant!

Sie wird als die Tochter der Johanna Dahlke angegeben. NICHT als die Tochter eines Mannes mit dem Namen Dahlke. Elisabeth Dahlke, Tochter der Johanna Dahlke. Sprich: Sie kam unehelich auf die Welt. Das ist für mich persönlich kein Weltzusammenbruch, aber damals hieß das für Johanna Dahlke wahrscheinlich schon einiges. Was genau, würde ich gerne in Zukunft herausfinden.

Nach Johanna Dahlkes Namen folgt der Zusatz „später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.“

Ist nun Heinrich Binneböse als Vater angegeben, oder „nur“ als der spätere Ehepartner von Johanna?

Klar scheint zumindest nur zu sein, dass am 25. Oktober 1899 beide – Johanna und Heinrich Binneböse – bereits verstorben sind. Zuletzt hatten die beiden in Schneidemühl gelebt.

Die beiden Trauzeugen wirken auf mich recht „normal“. Sowohl die Braut scheint einen Trauzeugen gebracht zu haben (Josef Meissner aus Schneidemühl). Als auch der Bräutigam (Leonhard Parthun aus Stöwen).

Ein bißchen überraschend fand ich den handschriftlichen Nachtrag der Hochzeit der jüngsten Tochter des Paares. Alle weiteren Ehen (der anderen Kinder, Anna heiratete nur einmal) wurden hier nicht nachgetragen.

Einordnung in den Kontext mit anderen Quellen:

Die größte Überraschung ist für mich die unverheiratete Johanna Dahlke. Vor dieser Heiratsurkunde kannte ich Elisabeth Dahlkes Mutter nicht. Ich kannte weder Vor- noch Nachnamen. Ich erwartete einen Herrn Dahlke mit einer Ehefrau und einem neuen Nachnamen. Doch jetzt habe ich eine Johanna Dahlke und einen neuen Nachnamen, von dem ich nicht sicher bin, ob er der leibliche Vater von Elisabeth Dahlke ist.

Erster Schritt: Schnelles Nachforschen, ob sich Heinrich Binneböse und Johanna in anderen Dokumenten finden lassen. Einfachste Überprüfung: Eine Suche in der Pommerndatenbank.

Dort finden sich tatsächlich einige sehr wenige Einträge zum Nachnamen Binneböse. Zum einen Wilhelm Binneböse in Ratzebuhr, Kreis Neustettin. Dieser taucht in mehreren Adressbüchern auf. Er ist Schneidermeister.

In Schneidemühl dann zwei Einträge für Binneböse aus dem Adressbuch der Stadt Schneidemühl aus dem Jahr 1896.

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstr. 6.

Es sieht fast so aus, als hätten Johanna Dahlke und Heinrich Binneböse nach dem 9. Oktober 1874 und vor dem Stichtag für das Adressbuch 1896 geheiratet. Allerdings scheinen sie sich auch wieder getrennt zu haben?

Heinrich Binneböse starb zwischen dem Zeitpunkt der Erfassung für das Adressbuch 1896 und dem 25. Oktober 1899. Vielleicht war er zur Zeit der Erfassung bereits krank und befand ich eventuell in einer Krankenabteilung der Ziegelei? Aber das ist reine Vermutung!

Der Name Binneböse wurde mir gegenüber nie genannt. Als ich ihn jetzt meinem Patenonkel Herbert und Resi sagte, konnten sich die beiden direkt nicht an einen Heinrich erinnern (dieser starb ja bereits vor 1899 und sie konnten ihm nie begegnet sein), sondern an einen Carl Binneböse! Beide kannten diesen Carl, wußten einiges zu berichten. Beide waren bei Carl mehrfach zu Besuch gewesen, beide kannten Carls Töchter (von der eine anscheinend noch lebt). Beide wußten, dass sie irgendwie mit Carl verwandt waren, aber sie wußten nicht wie. Und weitere Binneböse außer Carl und seinen Töchtern kannten sie gar nicht.

Alles sehr spannend! Mehr konnte ich zu Johanna und Heinrich bisher nicht ausfindig machen. Aber ich bleibe dran!

Mein letzter Blogeintrag beschäftigte sich mit Emil Spickermann und seiner Verwundung im 1. Weltkrieg. Meine Vermutung in Bezug auf Emil ist ja, dass er an den Folgen einer Verwundung, die er im 1. Weltkrieg erhielt, verstorben sei. Seine Totenurkunde habe ich noch nicht finden können. In der Familie wird vermutet, er sei etwa 1916 gestorben. Emil erscheint am 7. Oktober 1915 in den Verlustlisten. (Siehe vorherigen Blogeintrag.) Als diese Meldung in der Verlustliste erschien, das Emil 44 Jahre alt. Am 7. November 1915 wäre er 45 Jahre alt geworden. Ich schätze, der schwer verwundete Emil, 44jährig, wurde zunächst in ein Lazarett gebracht. Und da eine schwere Verwundung wahrscheinlich (?) länger als einen Monat benötigt um auszuheilen, wird er nach dem Lazarettaufenthalt nach hause geschickt worden sein.

Aber nichts genaues weiß ich nicht.

Wie oft war Elisabeth Dahlke verheiratet? Diese Heiratsurkunde spricht von der „ledigen Elisabeth Dahlke“. Dahlke ist der Name ihrer Mutter. Also kann ich fest davon ausgehen, dass Dahlke Elisabeths Geburtsname war. „Ledig“ in der Geburtsurkunde zeigt unverheiratet hat. Würde dort ansonsten „verwitwet“ oder „Witwe“ stehen?

Den Mikrofilm mit den weiteren Heiratsurkunden habe ich mir ja angeschaut. Dort ist mir nicht bewußt „verwitwet“ oder „Witwe“ oder Ähnliches begegnet. Aber systematisch habe ich danach nicht gesucht …

Es gibt eine Vielzahl von Kindern und Halbgeschwistern, die ich alle immer noch nicht sicher zu ordnen kann. Emil hatte Kinder, die er mit in die Ehe brachte. Nachweisen kann ich es noch nicht, aber dies wurde mir von allen Verwandten genauso berichtet.

Und dann gibt es die Geschichte, die Oma Spickermann Resi erzählt hat. Wie passt die hier rein? Vielleicht hat Elisabeth auch nach dem Ableben von Emil noch einmal geheiratet? Vielleicht wurde Emil nach seiner schweren Verwundung (an der Westfront?) nach hause entlassen und ist dort entweder in Schneidemühl noch mal operiert worden und dann innerlich verblutet? Oder erholte er sich ganz von der Kriegsverwundung und erkrankte dann an Hämorrhiden, die dann zur fatalen Operation führten?

Nächste Schritte und Fragen:

Emils erste Ehe – ganz klar will ich diese Heiratsurkunde finden. Nur wo ist die Heiratsurkunde zu finden? In den Heiratsurkunden von Schneidemühl? Usch hatte kein eigenes Standesamt …

August Spickermann und Auguste Lemke. Daten, Fakten, alles was ich finden kann. Erste Anhaltspunkte sind gefunden, davon später mehr.

Die größte Überraschung: Elisabeths Eltern! Elisabeths Geburtsurkunde konnte ich nicht finden. (Auch dazu später ein bißchen mehr.) Das Kirchenbuch, welches ihre Geburt wohl verzeichnet hat, liegt im Diozösanarchiv in Köslin. (Schriftliche Anfragen teuer, Antwort nur auf Polnisch – es ist wesentlich lohnender einmal nach Köslin zu fahren und dort vor Ort zu suchen. Dort dürfte nicht nur in Bezug auf Dahlkes und Spickermänner eine Goldmine sein.

Aber was ich direkt als nächsten Forschungsschritt anpeile, ist das Forschen in den Totenurkunden.

Dies hier war jetzt ein sehr langer Post. Und dabei denke ich, ich könnte noch viel mehr schreiben, viel mehr Details zufügen. Auch habe ich noch andere Dokumente gesehen, die ich in einen Zusammenhang stellen kann. Aber ein Schritt nach dem anderen. 🙂

 

Emil Spickermann im 1. Weltkrieg

So schnell kann es gehen! 🙂

Donnerstag habe ich wieder Mikrofilme sehen können und diesmal war die Heiratsurkunde von Emil Spickermann mit Elisabeth Dahlke dabei. Ganz viele tolle spannende Details sind darin zu finden. Das kommt aber im nächsten Blogeintrag.

Zunächst aber fast schon als Nachtrag zu meinem letzten Beitrag, eine erste Antwort auf die Frage „Was geschah mit Emil Spickermann zur Zeit des 1. Weltkrieges?“.

Durch die Urkunde kenne ich nun Emils Geburtsdatum und seinen Geburtsort – nicht Schneidemühl, sondern Stöwen, Kreis Kolmar. Das war ein kleiner Ort ganz in der Nähe von Schneidemühl. Stöwen war verwaltungstechnisch ähnlich organisiert wie Riege/Deutsch Krone. (Wo die Klatts lebten und August Klatt Bürgermeister war.)

Der nächstgrößere Ort, dem Stöwen zugeordnet war, war Usch. Und unter seinem Namen mit seinem Geburtsort (in diesem Falle „Usch“), habe ich Emil in den Verlustlisten des 1. Weltkrieges gefunden!

Direkter Permalink ist ja für die Einträge noch nicht möglich, also entweder selber schauen oder meine kleine Zusammenfassung hier lesen. 😉

Die Verlustmeldung, in der Emil erwähnt wird, ist vom 7. Oktober 1915. Emil Spickermann aus Usch Neudorf, Kolmar wird als schwer verletzt gemeldet!

Weitere Informationen sind leider nicht gegeben – er gehört der 12. Kompanie des 6. Pommerschen Infanterie-Regiment Nr. 49 an.

Soweit ich bisher recherchiert habe, war dieses 6. Pommersche Regiment 49 der 4. Division unterstellt. Und dem Gefechtskalender nach, wurde die 4. Division gerade Ende September 1915/Anfang Oktober 1915 von der Ostfront an die Westfront verlegt.

Ab dem 30. September 1915 war die Division der OHL (Obersten Heeresleitung) unterstellt. Was das genau heißt, weiß ich leider nicht. Ab dem 8. Oktober 1915 war die 4. Division an der Herbstschlacht in der Champagne beteiligt. (In dieser Schlacht, zum ersten Mal großer Einsatz von Trommelfeuer.)

Wann genau Emils schwere Verletzung eintrat, weiß ich nicht und ich weiß auch nicht genau, wie ich hier weiterforschen könnte. Die Verlustliste vom 7. Oktober 1915 meldet eine Verwundung, die mindestens einen Tag zurück lag.

In der Familie konnte ich nicht herausfinden, wann Emil starb. Auch nicht warum oder wo.

Immer wieder hörte ich aber Circa-Angaben – „er muss wohl 1915 oder 1916 gestorben sein“. Da habe ich dann immer schon gefragt, ob er im Krieg starb, das wußte aber niemand.

Mir scheint es mittlerweile sehr gut möglich, dass Emil zumindest an den Folgen seiner schweren Verletzung starb.

Zu diesem Zeitpunkt war Emil übrigens gerade einmal 45 Jahre alt. Somit wäre er, wenn er kurz darauf verstarb, tatsächlich als relativ junger Mann gestorben. Auf jeden Fall hätte er mehrere minderjährige, kleine Kinder hinterlassen und das deckt sich mit den Berichten aus der Familie …

Wie bereits angekündigt wird sich der nächste Beitrag mit der sehr spannenden Heiratsurkunde beschäftigen. Da muss ich aber noch ein bißchen an den Fotos schrauben und ein wenig recherchieren. Aber ich brenne darauf die Urkunde vorzustellen, daher wird das nicht lange auf sich warten lassen. 🙂