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Maria Binnenböse wird geboren

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Aus dem Mikrofilm der Mormonen, Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1874-1876.

„Nr. 170

Schneidemühl, den 13. Mai 1876

Vor dem Standesbeamten erschien heute der Persönlichkeit nach ___________ August Kinowski ___ ___ __kannt

[Für jeden Hinweis, was hier steht, bin ich sehr dankbar – der einzige Grund, warum ich diese Geburtsurkunde nicht früher vorgestellt habe ist, dass ich sie nicht ganz zweifelsfrei entziffern kann.]

der Arbeitsmann Heinrich Carl Binnenböse

wohnhaft zu Schneidemühl, _______ Straße Nr. 3, evangelischer Religion

und zeigte an, daß von der Julia Binnenböse

geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion

wohnhaft __________________ (bei seiner _________ ???)

Schneidemühl, [gleiche Adresse wie Heinrich Carl Binnenböse]

am dritten May [?????] des Jahres 1876″

 

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

„morgens um sieben Uhr

ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen Maria erhalten habe.

Vorgelesen, genehmigt und _______________ [????]

XXX“

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Nachtrag auf dem Dokument:

„Die Entbindende [??] heißt mit Vornamen Johanna nicht Julia

_________________ zufolge Anordnung des Königlichen Landgerichts zu Schneidemühl vom 22. Mai 1896, Schneidemühl der 1. August 1896, der Standesbeamte in Vertretung [Unterschrift]“

Auswertung:

Die Geburtsurkunde zusammen mit Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde und der Heiratsurkunde der Eltern Johanna Dahlke und Carl Heinrich Binnenböse löst erst wirklich das Rätsel, welches sich auftut, wenn man zunächst nur Elisabeths Geburtsurkunde sieht.

Johanna und Heinrich haben nach Elisabeths Geburts geheiratet. Was sich übrigens als Geschenk für die nachfolgenden Generationen herausstellt. Hätten sie vor Elisabeths Geburt geheiratet, wäre keine Personenstandsakte zum Vorgang entstanden und erhalten geblieben.

Johanna wurde anscheinend Julia genannt, hieß aber offensichtlich „amtlich“ nicht so. Carl Heinrich wurde offensichtlich Heinrich genannt.

Heinrich konnte sich offenbar auch nicht ausweisen. Kann es sein, dass er keine Papiere zu seiner Abstammung hatte? Das würde mich wundern, denn von Teresa weiß ich, dass offenbar ein Teil der Binnenböses aus Hasenfier nach Amerika auswanderten – um dies zu tun, mussten sie sich bereits vor der Abreise ausweisen. Sollte sich nur ein Teil der Familie mit diesen wichtigen Dokumenten eingedeckt haben?

Auch bin ich immer noch hin- und hergerissen was ich jetzt genau über Heinrichs Schreibkünste denken soll: Konnte er gar nicht lesen und schreiben? Konnte er nur seinen eigenen Namen schreiben? Konnte er es, wollte es aber nicht?

Hier auf Marias Geburtsurkunde unterschreibt er mit drei „XXX“.

Die Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, Marias älterer Schwester, ist ebenfalls mit einem „XXX“ unterzeichnet, allerdings anscheinend von Alexander Bukowski. (Wie dieser zu Kind und Mutter steht, weiß ich immer noch nicht.)

Auf der Heiratsurkunde von Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse dann das hier:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

„vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

Carl Heinrich Binnenböse

Johana Dalke [sic!]

Emil Koch

Karl Eduard Graffunder“

Hmmmm …..

Fest steht: Marias Geburtsurkunde wird kurz nach ihrem 20. Geburtstag vom Landgericht Schneidemühl geändert.

Nicht dramatisch, aber zumindest parallel mit der Änderung auf Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde: Mutter heißt nicht Julia, sondern Johanna Binnenböse, geborene Dahlke.

Es wäre toll, wenn die Gerichtsakten aus Schneidemühl noch existieren würde … da muss ich dringend mal recherchieren, ob da noch etwas vorhanden ist!

Vielleicht wollten beiden Töchter ihre Geburtsurkunden für eine folgende Heirat? Auf Verdacht hin ins Blaue wird ja ein Gericht in solchen Angelegenheiten nicht tätig …

Die Person, die anscheinend Heinrich Binnenböse ausweisen/bezeugen konnte, ist mir bisher noch nicht begegnet. Im Adressbuch der Stadt Schneidemühl (über genwiki abgefragt) taucht eine Witwe Wilhemine Kinowski auf der Gartenstr. 15 auf.

Johanna Dahlke heiratet Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

Johanna Dahlke heiratet Carl Heinrich Binnenböse. Mikrofilm der Mormonen der Personenstandsakten Schneidemühl, die frühsten in den Personenstandsakten dokumentierten Hochzeiten.

„Nr. 58

Schneidemühl am 3. November 1875 vormittags zehn 3/4 Uhr.

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute als Verlobte:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

1. der Arbeitsmann Carl Heinrich Binnenböse,

der Person nach bekannt, evangelischer Religion, dreißig Jahre alt, geboren zu Hasenfier, wohnhaft zu Schneidemühl

Sohn des Tagelöhners Johann Binnenböse und seiner Ehefrau Wilhelmine geborene Heymann, beide in Hasenfier verstorben.

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

2. die unverehelichte Johanna Dahlke,

der Person nach bekannt, katholischer Religion, dreiundzwanzig Jahre alt, geboren zu Schneidemühl, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der unverehelichten Rosalie Dahlke, später verehelicht (?) Arbeiter Eduard Enders in Schneidemühl.

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

sowie als Zeugen:

3. der Magistrator (??) Emil Koch, der Person nach bekannt, 21 Jahre alt, wohnhaft zu Schneidemühl.

4. der Arbeitsmann Carl Eduard Graffunder

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

der Person nach ____ den ____ Emil Koch ____ Nr. 3 anerkannt (??), 35 Jahre alt, wohnhaft zu Schneidemühl.“

Die Unterschriften:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

Auswertung:

„vormittags zehn dreiviertel Uhr“ = 9:45 oder 10:45 Uhr? In unterschiedlichen Regionen wurde das abweichend gehandhabt … leider weiß ich nicht, wie es damals in Pommern war …

Carl Heinrich Binnenböse – sein Rufname scheint Heinrich gewesen zu sein. 7 Jahre älter als Johanna. Geboren in Hasenfier (offenbar haben keine Personenstandsakten und Kirchenbücher den 2. Weltkrieg überdauert), wo bereits seine beiden Eltern verstorben sind. Bedauerlich, dass keine genauen Geburtsdaten dokumentiert wurden. Aber ich bin dennoch froh über diese Urkunde!

Seine Eltern – sein Vater Johann war Tagelöhner. Falls er seine letzten Jahre in Hasenfier verbrachte, dürfte das ein hartes Leben gewesen sein, Hasenfier war ein kleines Dorf. Von seiner Mutter kennen wir den Namen – Wilhelmine Heymann.

Johanna Dahlke.

Jetzt werden einige Rätsel gelöst: Ihre Mutter hieß Rosalie Dahlke.

Wieder eine unverheiratete Mutter, die später den Kindsvater heiratete.

Aus dieser nun entstehenden Kombi aus unverheirateten Müttern, die später den Kindsvater heirateten:

Rosalie Dahlke – Johanna Dahlke – Elisabeth Dahlke

lässt sich vermuten, dass sowohl Johanna als auch Elisabeth die ersten Kinder der jeweiligen Mutter waren. (Obwohl das nicht so sein muß!) Meine Uroma Elisabeth war vermutlich die erste seit ihrer eigenen Oma, die vor der Geburt ihres ersten Kindes heiratete.

Und lustigerweise habe ich immer noch keinen direkten männlichen Vorfahren mit dem Namen Dahlke dokumentieren können.

Hier kommt der nächste Knaller: Der Vater hieß Eduard Enders!

Wir erinnern uns an das Namenswirrwarr aus Elisabeths Geburtsurkunde, welches vom Amtsgericht entzottelt werden musste??

Dort wird das zunächst unbenannte Kind von einer Julie/Julia Endisch geboren. Später wird dieser Eintrag geändert: Das Kind heißt nun offiziell Elisabeth Dahlke, die Mutter Johanna Dahlke.

Alexander Bukowski, welcher die Geburt meldete, konnte seinen eigenen Namen nicht schreiben. Und kannte nur wenige Details der Familie. Denn er benannte die Mutter als Julia Endisch.

Elisabeths Mutter hieß zu diesem Zeitpunkt – gemäß Amtsgericht – Johanna Dahlke. Sie scheint aber schon mit Eduard ENDERS zusammen gewesen zu sein. Enders – Endisch, das kann eine Verwechslung oder eine lokale falsche Aussprache sein. (Braucht man noch nicht mal viel drüber zu sinnieren.)

Den Namen Enders kenne ich aus Schneidemühl überhaupt noch nicht! Den Namen selbst kenne ich bisher aus sehr alten Kirchbüchern aus ganz anderen Regionen, dort als Kurz- oder Koseform von „Andreas“.

Johanna war 23 Jahre alt bei der Heirat. Leider kein genaues Geburtsdatum, aber dieses dürfte sich in den katholischen Kirchbüchern von Schneidemühl finden lassen.

Die Zeugen erscheinen mir als zufällig. Emil Koch taucht später in Schneidemühler Adressbüchern auf, er scheint Beamter gewesen zu sein. Vielleicht bestand noch eine Bekanntschaft zu dem zweiten Trauzeugen (der sich anscheinend nicht selbst ausweisen konnte) – der Arbeiter Karl (!) Graffunder taucht als einziger Eintrag mit diesem Nachnamen im Adressbuch von Schneidemühl 1896 auf.

Fazit:

Das Namenwirrwarr von Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde ist geklärt!

Schade ist, dass ich bei Hasenfier jetzt erstmal in einer Sackgasse lande. Momentan scheint es so, dass sowohl die Personenstandsakten als auch die Kirchenbücher verloren sind.

Die Binnenböses kann ich also erstmal nur weiter in Schneidemühl erforschen.

Aber die Dahlkes leben in Schneidemühl. Dazu sind sie auch noch katholisch (obwohl Schneidemühl zum großen Teil evangelisch war) und die katholischen Kirchenbücher existieren. (Ich kann es gar nicht häufig genug sagen! 🙂 Die Freude ist so groß. Auch wenn ich erstmal nicht nach Polen komme.)

Neu hinzu kommt der Familienname Enders. Bin gespannt was ich hier finden werde …

Dahlke – Dahlke – Dahlke

Elisabeth Dahlke

Elisabeth Dahlke

Kuriositäten gibt es!

Jahrelang habe ich vor allem die Vorfahren meines Vaters erforscht. Es ging einfacher, da ich einfacher an die Quellen heran kam. Und jeder Familienforscher kennt das Problem: Die Frauen werden leider häufig nur unzureichend dokumentiert.

Ich wüßte gar nicht, von wie vielen weiblichen Vorfahren ich nur den Vornamen (wahlweise Anna, Elisabeth oder Maria) und das Alter (nicht das Geburtsjahr) kenne. Nachname und Geburtsort, da freue ich mich ja schon! Vollständiges Geburtsdatum, Name der Eltern, Geburtsort, das sind ja wahre Träume, die da wahr werden können.

Und so dachte ich auch, auf meiner pommerschen Vorfahrenlinie würde es richtig schwer werden die Nachnamen der Frauen zu erforschen. Die Recherche ist schwierig, aber gaaaaaanz anders als ich es erwartet hatte! 😀

Oben abgebildet ist meine Uroma Elisabeth Dahlke. Ein sehr herzlicher, lebensfreudiger Mensch. Sang gerne, hat an sich selbst stets als letzte gedacht. Sehr katholisch.

Geboren ist sie kurz nachdem in Preußen die Personenstandsakten verpflichtend eingeführt wurden. Ihre Geburtsurkunde konnte ich aber erst zuordnen, als ich die Heiratsurkunde/das Familienbuch ihrer jüngsten Tochter las – dort war die Geburtsurkunden-Nr. verzeichnet.

Und da dachte ich nun, Dahlke, das ist ja dann der Name von Elisabeths Vater.

Nein. Elisabeths Vater hieß Heinrich Binnenböse. Ihre Mutter hieß Johanna Dahlke. Das war offensichtlich ihr Geburtsname. Dahlke.

Elisabeths Geburtsurkunde ist gar wunderlich. Ganz anders als jede andere Geburtsurkunde, die ich bisher in Händen hielt. Klick – hier geht’s zu meinem Blogpost darüber. Die Geburt meldete ein Alexander Bukowski (dieser konnte seinen Namen nicht schreiben), die Mutter wird Julie/Julia Endisch genannt. Endisch? Was ist denn das für ein Name?? Vom Amtsgericht Schneidemühl wird der Geburtsname offiziell auf Elisabeth Dahlke geändert, der Name der Mutter zu Johanna Dahlke. Was ist denn da passiert??

Eine Generation zurück. Wer sind die Eltern von Johanna Dahlke?

Und erklären sich jetzt vielleicht ein paar Fragezeichen aus Uromas Geburtsurkunde? …… 😉

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke

Da will ich doch mal direkt mit einer großen Überraschung anfangen, die eine Merkwürdigkeit nach der anderen mit sich bringt – ich habe tatsächlich die Geburtsurkunde von meiner Uroma Elisabeth Dahlke gefunden.

Geboren wurde sie am 9. Oktober 1874. Anfang/Mitte Oktober 1874 begann die Verwaltung der Stadt Schneidemühl damit, Zivilstandsakten zu führen. Den entsprechenden Mikrofilm der Mormonen bestellte ich mir natürlich … und war enttäuscht. Denn ich fand einfach nicht Elisabeths Geburtsurkunde. Ich war perplex, weil ich einfach davon sicher ausgegangen war, ich würde die Geburtsurkunde sofort finden, direkt am Anfang des Films.

Als ich dann die Heiratsurkunde von meiner Oma Anna Spickermann (Tochter von Elisabeth) mit meinem Opa sah, musste ich einfach noch mal in den Mikrofilm schauen. Denn dort in der Heiratsurkunde waren die jeweiligen Geburtsurkunden Nummern mit den ausstellenden Städten genannt.

Und schwupps!! Die Welt steht ein bißchen Kopf!

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke - allerdings war dies offenbar nicht ihr "Geburtsname"

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke – allerdings war dies offenbar nicht ihr „Geburtsname“

Hier erstmal das komplette Dokument – jedes Mal wenn ich es betrachte, erinnert es mich an meinen Fehler. Es ist Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde, obwohl ihr Name dort nicht in den entsprechenden Feldern eingetragen ist. (Hart)man(n) muss halt auch stets die Notizen und Änderungen lesen. Denn, wie in diesem Falle, können offizielle Dokumente später geändert oder berichtigt (!) werden.

Aber ich fange mal von vorne an: Diese Aufnahme ist aus dem Mikrofilm „Schneidemühl, Zivilstandsregister, Geburten 1874-1876“.

elisabeth_dahlke_geb_02„Geburtsurkunde Nr. 14

Schneidemühl am 15. Oktober 1874

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Person nach bekannt der Arbeiter Alexander Bukowski wohnhaft zu Schneidemühl, Bromberger Strasse Nr. 23, katholischer Religion“

elisabeth_dahlke_geb_03

„und zeigte an, daß von der unverehelichten Julie Endisch, ______ Wirtin [???], katholischer Religion, wohnhaft zu Schneidemühl in seiner Wohnung am neunten Oktober 1874 abends um zehn Uhr ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches einen [?] Vornamen un_____ [?!] erhalten habe.“

Leider kann ich nicht alles lesen. Dabei hab ich sogar schon Hilfe bekommen von der sehr netten Birgit, die ich in der Forschungsstelle kennengelernt habe.

Um diese Geburtsurkunde abzurunden, schauen wir mal auf die Unterschrift des „Melders“:

elisabeth_dahlke_geb_04Na, wenn das nicht das Dokument von 1874 abrundet – der „Melder“ der Geburt, Alexander Bukowski, „unterzeichnet“ das Dokument mit drei Kreuzen. Sprich: Er konnte nicht schreiben und vermutlich auch nicht lesen.

Normalerweise würde ich jetzt davon ausgehen, dass der zuerst genannt Mann, der auch die Geburt in seiner Wohnung meldet, der Vater ist. Aber naja, das muss halt nicht sein.

Bis hier kann man erstmal feststellen: Es ist kein Mädchen geboren worden, die Mutter hieß Julie Endisch und dem Kind wurde scheinbar kein Vorname gegeben. (Was steht dort genau, ich kann es leider nicht lesen ….)

Aber die Geschichte des Dokumentes geht weiter. Es folgt ein Aktenvermerk vom 24. Oktober 1874. Leider kann ich hier nicht alles entziffern:

„____ Schneidemühl den 24. Oktober 1874 vor dem Standesbeamten erschien der Person nach bekannte Arbeiter Alexander Bukowski und zeigte an, dass von der Julie Endisch am 9. Oktober geborene Kind den Vornamen Elisabeth erhalten habe.“

Wieder von Alexander Bukowski mit drei Kreuzen unterzeichnet.

Wie gesagt, ich kann nicht alles lesen und hier half mir bereits Birgit.

Das Mädchen hat jetzt den Namen Elisabeth Endisch. Gemeldet wurde die Geburt und die Vergabe des Vornamens vom Arbeiter Alexander Bukowski. In dessen Wohnung brachte Julie Endisch das Kind zur Welt.

Und hier der letzte Aktenvermerk:

elisabeth_dahlke_geb_06„Die Mutter des Kindes ist die unverehelichte Johanna Dahlke“

Wieder kann ich Einiges nicht genau entziffern, aber die Änderung erfolgt auf Anordnung des „Königlichen Kreisgerichts zu Schneidemühl am 3. März 1898

Schneidemühl am 08 März 98“

Ein letzter Nachtrag „H. geheiratet No. 109/1899 hier“.

Auswertung:

Was für ein Dokument! So eine Geburtsurkunde ist mir bisher noch nicht begegnet! Und ich mache das ja nun schon seit über 20 Jahren. (Meine Güte bin ich alt mittlerweile ….)

Ich werde das Dokument nun „zeitlich von hinten“ aufblättern, so wird es einfacher.

1899 heiratet Elisabeth. Bevor sie das machen kann, muss sie den Behörden ihre Geburtsurkunde vorlegen. Das wird wahrscheinlich bereits 1898 geschehen sein, vielleicht aber auch schon 1897. Denn Anfang März 1898 ordnet das Kreisgericht von Schneidemühl an, dass diese hier vorliegende Geburtsurkunde geändert werden muss. (Wie lange solch ein Antrag und Prozess wohl damals gedauert hat?)

Sagen wir, Elisabeth wollte 1897 heiraten. Zu diesem Zeitpunkt wäre sie dann 22/23 Jahre alt gewesen. Emil Spickermann, ihr zukünftiger Ehemann, war übrigens 26/27 Jahre und bereits verwitwert. Und Elisabeth stellt fest, dass sie laut ihrer Geburtsurkunde Elisabeth Endisch heißt, Vater nicht genannt. Der einzige Mann, der erwähnt wird, ist die Person, in dessen Wohnung sie zur Welt kommt.

Sie geht zum Kreisgericht und die Geburtsurkunde wird geändert. Sie kann heiraten. Die Änderung des Dokumentes erfolgt Anfang März 1898, die Hochzeit findet am 25. Oktober 1899 in Schneidemühl statt.

Klingt das logisch?

Warum ist da „so viel Zeit“ zwischen der Dokumentenänderung und der Hochzeit? Über ein Jahr! Fast ein Jahr und sieben Monate. Das ist wirklich lang!

Eine andere Idee. Wir werfen einen Blick auf die Hochzeitsurkunde von 1899.

Dort werden Elisabeth Dahlkes Eltern erwähnt: Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse. Ebenfalls erwähnt ist, dass die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet waren, dies aber später nachholten. Am 25. Oktober 1899 wird ebenfalls erwähnt, dass beide – Johanna und Heinrich – bereits verstorben sind.

Kann es sein, dass Elisabeth damit begann ihre Geburtsurkunde zu ändern, als ihre Eltern starben und es auffiel, dass die Angaben in der Geburtsurkunde nicht korrekt waren? Oder könnte es auch sein, dass die Behörden von selbst begannen einen „Verwaltungsprozess“ (wie auch immer geartet) zu starten, um die Angaben auf dem Dokument zu korrigieren?

Andere Dokumente, die hier helfen können Klarheit zu bringen:

index_binnenböse_dahlkeSchlechtes (Arbeits-)Foto aus dem „Personenstandsakten Schneidemühl Index Geburten, Heirat, Tote 1874-1876“.

1875 Binnenböse Carl Heinrich Arbeitsmann und Dahlke Johanna.

1876 wird dort die Geburt einer Maria Binnenböse gelistet. Die Geburtsurkunde habe ich natürlich direkt gesichtet. (Aus dem gleichen Mikrofilm, in dem auch Elisabeths Geburtsurkunde abgebildet ist.)

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Ich mache jetzt eine kurze Zusammenfassung:

Schneidemühl 13. Mai 1896

Heinrich Carl Binnenböse, evangelisch und seine Ehefrau Julie Binnenböse, geborene Dahlke, am 11. Mai 1896 morgens um 7 Uhr ein Mädchen mit dem Namen Maria geboren wurde. Heinrich „unterzeichnete“ mit drei Kreuzen.

Am 22. Mai 1896 wurde ein Nachtrag vermerkt: Angeordnet vom Königlichen Kreisgericht wird geändert, dass die Mutter Johanna nicht Julia heißt.

Auswertung:

Offensichtlich kann das Königliche Kreisgericht sehr schnell Änderungen anordnen. Am 13. Mai wurde die Geburtsurkunde erstellt, das Kreisgericht ließ bereits am 22. Mai die Urkunde abändern.

Interessant ist, dass der Vorname der Mutter geändert wurde. War Julia oder Julie vielleicht ihr Rufname?

Ich rätsel ja immer noch, ob es aus der Verbindung weitere Kinder gibt. Aber die beiden weiblichen Namen – Elisabeth und Maria – machen aus christlich-katholischer Namensgebungstradition stark Sinn. (Es steht hier noch eine Erzählung aus, die ich nachholen werde. Meine Mutter hieß Regina, es gab auch eine Maria. Ich werde darauf zurückkommen.) Vielleicht gab es aber auch noch Jungs?

Offene Fragen:

… die sich vielleicht gar nicht mehr klären lassen …

Sind zu diesen Geburtsurkundenänderungen Gerichtsakten entstanden? Wenn ja, sind diese eventuell noch erhalten im Archiv (in Pila)?

Warum Julie/Julia? Julie französisch ausgesprochen? Ist das vielleicht der Rufname? Gab es in der Familie (die Mutter?) eine weitere Johanna?

Wo kommt der Nachname „Endisch“ her?!?

Wer ist Alexander Bukowski und in welchem Verhältnis stand er zu Johanna Dahlke? Lebte Johanna damals bei ihm? Oder war sie nur für die Geburt dort? Das Kind kam um 10 Uhr abends auf die Welt. Hausgeburten waren damals üblich. Häufig werden Hebammen als „Melder“ der Geburten gemeldet. Eine Hebamme scheint sich aber nicht mit dieser Geburt beschäftigt zu haben?

Wo war Heinrich Carl Binnenböse zur Zeit der Geburt von Elisabeth? Lebten die zwei zusammen? War Heinrich vielleicht einfach nicht in der Stadt aus welchem Grund auch immer?

Kann es sein, dass Elisabeths Geburtsurkunde gesichtet wurde, als ihre Eltern oder ein Elternteil verstarb? (Erbschaftsreglung?) Oder steht die Dokumentenänderung mit ihrer Hochzeit zu Emil Spickermann in einem direkten Zusammenhang?

Was wurde aus Maria Binnenböse?

Ist das nicht spannend? Für mich kommt das alles sehr unerwartet. Aber immerhin bin ich nicht mehr so perplex wie ich am Anfang war, als ich zuerst merkte, dass die tatsächlich die Geburtsurkunde von Elisabeth ist.

Und jetzt bin ich müde. Bis zum nächsten Blogpost! 🙂

 

Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann

Mit alten Dokumenten ist es ja so eine Sache – man weiß schon vorher so ungefähr was drin steht. Dann hat man entweder das Original oder eine Kopie der Urkunde vor sich, findet genau das vor, was man erwartet … und noch einiges mehr!!

Auch in diesem Fall ging es mir genau so. Einige Fragen konnten sofort beantwortet werden. Aber ich habe jetzt noch viel mehr Fragen als vorher. Ich fange mal von vorne an.

Ich suchte nach der Heiratsurkunde von Elisabeth Dahlke und Emil Spickermann. Diese fand ich nun auf einem Mikrofilm der Mormonen. Hier die beiden Original-Unterschriften der beiden Eheleute:

DS_Ehe_Unterschriften

Was wußte ich vorher? Elisabeth Dahlke heiratete um die Jahrhundertwende den Vater der Spickermann-Kinder. Der Name war wahrscheinlich Emil. Allerdings waren sich da nicht alle noch lebenden Spickermann-Nachkommen einig. Es gab auch einen Sohn, der Emil hieß, eine Verwechslung könne also vorliegen. Die Hochzeit fand in Schneidemühl statt. „Oma Spickermann“ – unter diesem Namen ist Elisabeth Spickermann immer noch in der Familie bekannt – hieß vor der Ehe Dahlke.

Allerdings gab es da auch einige Unsicherheiten. Denn Emil (der Vater) war nachweisbar Witwer, aus seiner ersten Ehe hatte er mindestens zwei Kinder mit in die neue Ehe gebracht. (Wie viele Kinder genau, wer das war – total unklar!) Emil soll „in etwa“ um 1916 gestorben sein. Auch Elisabeth Dahlke soll Witwe gewesen sein. Resi, meine Cousine 2. Grades, die sehr viel Zeit mir ihrer geliebten Oma verbracht hat (auch in später als Erwachsene), weiß zu berichten, dass Oma Spickermann davon erzählte, dass sie (Oma Spickermann) bereits sehr früh Witwe wurde. Ihr Mann wurde wegen Hämorrhiden operiert. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen und legte sich in der Wohnung hin. Oma Spickermann ging kurz etwas besorgen und als sie heim kam, war ihr Mann tot – innerlich verblutet.

Schauen wir uns die Heiratsurkunde an:

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Kenner werden erkennen, dass ich einen Bildschirm eines relativ alten Mikrofilm-Lesers abfotografiert habe. Um hier alles erkennen zu können, werde ich das Dokument Stück für Stück vorstellen, sonst lässt sich nicht alles gut lesen.

Zunächst die Quellenangabe – hier handelt es sich um durch die Mormonen abfotografierten Personenstandsakten, die sich in Berlin im Standesamt I befinden. Diese Fotoaufnahmen wurden bereits Anfang der 1960er Jahre gemacht. Gerade weil es momentan so schrecklich lange Bearbeitungszeit aus verwaltungstechnischen Gründen gibt, hoffe ich sehr, dass das Standesamt Berlin I die Aufnahmen frei gibt zur Indexierung, entweder durch die Mormonen oder durch einen anderen vertrauenswürdigen Verein, wie zum Beispiel die ComputerGenealogen. Aber da ist viel Wunschdenken von mir dabei.

P1350006_kl

Dieser Mikrofilm hat die Batch-Nr. 302087 – „Personenstandsakten Schneidemühl, Heiraten 1895-1899“.

DS_Ehe_01

Heiratsurkunde Nr. 109 [aus dem Jahre 1899]

Schneidemühl am 25. October 1899

DS_Ehe_02

„Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zweck der Eheschließung :

1. der Arbeiter Emil Spickermann, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 7. November des Jahres 1870 zu Stöwen Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Stöwen.

Sohn des Arbeiters August Spickermann und dessen Ehefrau Auguste geborene Lemke, beide wohnhaft zu Stöwen.

DS_Ehe_03„2. die ledige Elisabeth Dahlke, ohne besonderen Stand, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 9. October 1874 zu Schneidemühl Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der Johanna Dahlke später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.

DS_Ehe_04[Nun auf der zweiten gegenüberliegenden Seite – ehrlicherweise habe ich hier noch nicht alles entziffert. Berufe der Zeugen kann ich nicht genau ausmachen, Adressen ähnlich.]

Ein Zeuge ist Schmiede(??)meister Josef Meissner. Er wohnt in Schneidemühl. [Und hat ebenfalls im Jahre 1899 geheiratet. Seine Hochzeitsurkunde habe ich auch abfotografiert, aber auch hier habe ich Probleme seinen Beruf zu entziffern. Gebürtig ist Josef Meissner aus Neuhof.]

Der andere Zeuge ist Leonhard Parthun. Seinen Beruf kann ich gar nicht entziffern. Wer helfen kann und mag, bitte gerne. 😉

Leonhard Parthun lebte zur Zeit der Eheschließung von Emil und Elisabeth in Stöwen.

Bei den Zeugen ist noch einiges mehr herauszufinden. Aber ich habe momentan so viel spannende Details recherchiert, bzw. ich bin noch am recherchieren, dass ich mir erstmal alles bisher „Erkanntes“ notiert habe und einen dicken Vermerk gemacht habe, ob hier eventuell noch etwas herauszufinden ist. (Es sind ja auch Adressen und Altersangaben bei den Zeugen. Waren es Freunde oder Familie kann das sehr interessant sein.)

Ganz unten nun alle Unterschriften. (Keine „X“ für Unterschriften, was noch recht häufig bei den Heiratsurkunden vorkam. Ergo konnten alle zumindest ihren eigenen Namen schreiben.)

DS_Ehe_05Schöne Handschriften von Emil und Elisabeth wie ich finde. 🙂

Natürlich spannend zu sehen, wie die zwei ihre eigenen Namen schrieben. Emil schrieb Spickermann tatsächlich mit „CK“. „Oma Spickermann“ schrieb ihren eigenen Namen mit „Elisabeth Spickermann geborene Dahlke“.

Nachträglich wurde auf der Heiratsurkunde der zwei ein Vermerk gemacht:

DS_Ehe_06„H. (??) Tochter Anna geb. 25.1.12 hier Nr. 66/1912 [Nr. der Geburtsurkunde], geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 [Nr. der Heiratsurkunde] hier.“

Auswertung:

Das Datum 25. Oktober 1899 – der 28jährige Emil heiratet die 25jährige Elisabeth in Schneidemühl. Der Wochentag war ein Mittwoch. Zur Jahrhundertwende wird Schneidemühl ca. 19.000 Einwohner haben; die Bevölkerungszahl der Stadt war in nur wenigen Jahrzehnten sprunghaft gestiegen. Dies war ein Resultat zum einen durch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke und einer folgenden Ausbauphase, die Schneidemühl zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt machte. Zum anderen sicherlich durch die fortschreitende Industrialisierung. Nur wenige Jahre zuvor kam es mehrfach zum Ausbruch von Cholera. Um diese Zeit wurden die Wasserleitungen verbessert und ausgebaut.

Emil Spickermann, der am 7. November 1870 in Stöwen geboren wurde, steht kurz vor seinem 29. Geburtstag. Sein Familienstand vor der Hochzeit wird nicht erwähnt. (Verwitwert? Geschieden? Ledig?) Sein Stand/Beruf wird mit „Arbeiter“ angegeben, was leider auch wenig Aussagekraft hat. Emil ist katholisch. Sein Vater ist August Spickermann, seine Mutter Auguste Lemke. Beide leben (!) in Stöwen.

Seine Ehefrau Elisabeth Dahlke wird als ledig angegeben. Zusammen mit Elisabeths Eigenaussage in diesem Dokument (Unterschrift), ist Elisabeth Dahlke ihr tatsächlicher Geburtsname. Diesem Dokument zufolge war sie bisher nicht verheiratet – „ledige Elisabeth Dahlke“.

Ihr Geburtsdatum war mir bereits bekannt. Allerdings nur aus Dokumenten, welche nach 1945 entstanden und fast immer den Vermerk enthielten, dass die Daten letztenendlich nicht überprüft werden können, da man keinen Zugang zu den Akten hatte. Das hier ist also der Beleg für ihre Geburt in Schneidemühl. (So weit ich es bisher recherchieren konnte.)

„Ohne besonderen Stand“ deutet für mich auf keine spezielle Ausbildung oder ein fachliches Können. Sie wird sich also mit niederen Arbeiten finanziert haben. Dies deckt sich mit den Berichten aus der Familie. Ob diese Formulierung noch etwas anderes zu bedeuten hat, weiß ich leider nicht einzuschätzen.

Elisabeth ist katholisch. Und jetzt wird es interessant!

Sie wird als die Tochter der Johanna Dahlke angegeben. NICHT als die Tochter eines Mannes mit dem Namen Dahlke. Elisabeth Dahlke, Tochter der Johanna Dahlke. Sprich: Sie kam unehelich auf die Welt. Das ist für mich persönlich kein Weltzusammenbruch, aber damals hieß das für Johanna Dahlke wahrscheinlich schon einiges. Was genau, würde ich gerne in Zukunft herausfinden.

Nach Johanna Dahlkes Namen folgt der Zusatz „später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.“

Ist nun Heinrich Binneböse als Vater angegeben, oder „nur“ als der spätere Ehepartner von Johanna?

Klar scheint zumindest nur zu sein, dass am 25. Oktober 1899 beide – Johanna und Heinrich Binneböse – bereits verstorben sind. Zuletzt hatten die beiden in Schneidemühl gelebt.

Die beiden Trauzeugen wirken auf mich recht „normal“. Sowohl die Braut scheint einen Trauzeugen gebracht zu haben (Josef Meissner aus Schneidemühl). Als auch der Bräutigam (Leonhard Parthun aus Stöwen).

Ein bißchen überraschend fand ich den handschriftlichen Nachtrag der Hochzeit der jüngsten Tochter des Paares. Alle weiteren Ehen (der anderen Kinder, Anna heiratete nur einmal) wurden hier nicht nachgetragen.

Einordnung in den Kontext mit anderen Quellen:

Die größte Überraschung ist für mich die unverheiratete Johanna Dahlke. Vor dieser Heiratsurkunde kannte ich Elisabeth Dahlkes Mutter nicht. Ich kannte weder Vor- noch Nachnamen. Ich erwartete einen Herrn Dahlke mit einer Ehefrau und einem neuen Nachnamen. Doch jetzt habe ich eine Johanna Dahlke und einen neuen Nachnamen, von dem ich nicht sicher bin, ob er der leibliche Vater von Elisabeth Dahlke ist.

Erster Schritt: Schnelles Nachforschen, ob sich Heinrich Binneböse und Johanna in anderen Dokumenten finden lassen. Einfachste Überprüfung: Eine Suche in der Pommerndatenbank.

Dort finden sich tatsächlich einige sehr wenige Einträge zum Nachnamen Binneböse. Zum einen Wilhelm Binneböse in Ratzebuhr, Kreis Neustettin. Dieser taucht in mehreren Adressbüchern auf. Er ist Schneidermeister.

In Schneidemühl dann zwei Einträge für Binneböse aus dem Adressbuch der Stadt Schneidemühl aus dem Jahr 1896.

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstr. 6.

Es sieht fast so aus, als hätten Johanna Dahlke und Heinrich Binneböse nach dem 9. Oktober 1874 und vor dem Stichtag für das Adressbuch 1896 geheiratet. Allerdings scheinen sie sich auch wieder getrennt zu haben?

Heinrich Binneböse starb zwischen dem Zeitpunkt der Erfassung für das Adressbuch 1896 und dem 25. Oktober 1899. Vielleicht war er zur Zeit der Erfassung bereits krank und befand ich eventuell in einer Krankenabteilung der Ziegelei? Aber das ist reine Vermutung!

Der Name Binneböse wurde mir gegenüber nie genannt. Als ich ihn jetzt meinem Patenonkel Herbert und Resi sagte, konnten sich die beiden direkt nicht an einen Heinrich erinnern (dieser starb ja bereits vor 1899 und sie konnten ihm nie begegnet sein), sondern an einen Carl Binneböse! Beide kannten diesen Carl, wußten einiges zu berichten. Beide waren bei Carl mehrfach zu Besuch gewesen, beide kannten Carls Töchter (von der eine anscheinend noch lebt). Beide wußten, dass sie irgendwie mit Carl verwandt waren, aber sie wußten nicht wie. Und weitere Binneböse außer Carl und seinen Töchtern kannten sie gar nicht.

Alles sehr spannend! Mehr konnte ich zu Johanna und Heinrich bisher nicht ausfindig machen. Aber ich bleibe dran!

Mein letzter Blogeintrag beschäftigte sich mit Emil Spickermann und seiner Verwundung im 1. Weltkrieg. Meine Vermutung in Bezug auf Emil ist ja, dass er an den Folgen einer Verwundung, die er im 1. Weltkrieg erhielt, verstorben sei. Seine Totenurkunde habe ich noch nicht finden können. In der Familie wird vermutet, er sei etwa 1916 gestorben. Emil erscheint am 7. Oktober 1915 in den Verlustlisten. (Siehe vorherigen Blogeintrag.) Als diese Meldung in der Verlustliste erschien, das Emil 44 Jahre alt. Am 7. November 1915 wäre er 45 Jahre alt geworden. Ich schätze, der schwer verwundete Emil, 44jährig, wurde zunächst in ein Lazarett gebracht. Und da eine schwere Verwundung wahrscheinlich (?) länger als einen Monat benötigt um auszuheilen, wird er nach dem Lazarettaufenthalt nach hause geschickt worden sein.

Aber nichts genaues weiß ich nicht.

Wie oft war Elisabeth Dahlke verheiratet? Diese Heiratsurkunde spricht von der „ledigen Elisabeth Dahlke“. Dahlke ist der Name ihrer Mutter. Also kann ich fest davon ausgehen, dass Dahlke Elisabeths Geburtsname war. „Ledig“ in der Geburtsurkunde zeigt unverheiratet hat. Würde dort ansonsten „verwitwet“ oder „Witwe“ stehen?

Den Mikrofilm mit den weiteren Heiratsurkunden habe ich mir ja angeschaut. Dort ist mir nicht bewußt „verwitwet“ oder „Witwe“ oder Ähnliches begegnet. Aber systematisch habe ich danach nicht gesucht …

Es gibt eine Vielzahl von Kindern und Halbgeschwistern, die ich alle immer noch nicht sicher zu ordnen kann. Emil hatte Kinder, die er mit in die Ehe brachte. Nachweisen kann ich es noch nicht, aber dies wurde mir von allen Verwandten genauso berichtet.

Und dann gibt es die Geschichte, die Oma Spickermann Resi erzählt hat. Wie passt die hier rein? Vielleicht hat Elisabeth auch nach dem Ableben von Emil noch einmal geheiratet? Vielleicht wurde Emil nach seiner schweren Verwundung (an der Westfront?) nach hause entlassen und ist dort entweder in Schneidemühl noch mal operiert worden und dann innerlich verblutet? Oder erholte er sich ganz von der Kriegsverwundung und erkrankte dann an Hämorrhiden, die dann zur fatalen Operation führten?

Nächste Schritte und Fragen:

Emils erste Ehe – ganz klar will ich diese Heiratsurkunde finden. Nur wo ist die Heiratsurkunde zu finden? In den Heiratsurkunden von Schneidemühl? Usch hatte kein eigenes Standesamt …

August Spickermann und Auguste Lemke. Daten, Fakten, alles was ich finden kann. Erste Anhaltspunkte sind gefunden, davon später mehr.

Die größte Überraschung: Elisabeths Eltern! Elisabeths Geburtsurkunde konnte ich nicht finden. (Auch dazu später ein bißchen mehr.) Das Kirchenbuch, welches ihre Geburt wohl verzeichnet hat, liegt im Diozösanarchiv in Köslin. (Schriftliche Anfragen teuer, Antwort nur auf Polnisch – es ist wesentlich lohnender einmal nach Köslin zu fahren und dort vor Ort zu suchen. Dort dürfte nicht nur in Bezug auf Dahlkes und Spickermänner eine Goldmine sein.

Aber was ich direkt als nächsten Forschungsschritt anpeile, ist das Forschen in den Totenurkunden.

Dies hier war jetzt ein sehr langer Post. Und dabei denke ich, ich könnte noch viel mehr schreiben, viel mehr Details zufügen. Auch habe ich noch andere Dokumente gesehen, die ich in einen Zusammenhang stellen kann. Aber ein Schritt nach dem anderen. 🙂