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Maria Binnenböse wird geboren

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Aus dem Mikrofilm der Mormonen, Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1874-1876.

„Nr. 170

Schneidemühl, den 13. Mai 1876

Vor dem Standesbeamten erschien heute der Persönlichkeit nach ___________ August Kinowski ___ ___ __kannt

[Für jeden Hinweis, was hier steht, bin ich sehr dankbar – der einzige Grund, warum ich diese Geburtsurkunde nicht früher vorgestellt habe ist, dass ich sie nicht ganz zweifelsfrei entziffern kann.]

der Arbeitsmann Heinrich Carl Binnenböse

wohnhaft zu Schneidemühl, _______ Straße Nr. 3, evangelischer Religion

und zeigte an, daß von der Julia Binnenböse

geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion

wohnhaft __________________ (bei seiner _________ ???)

Schneidemühl, [gleiche Adresse wie Heinrich Carl Binnenböse]

am dritten May [?????] des Jahres 1876″

 

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

„morgens um sieben Uhr

ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen Maria erhalten habe.

Vorgelesen, genehmigt und _______________ [????]

XXX“

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Nachtrag auf dem Dokument:

„Die Entbindende [??] heißt mit Vornamen Johanna nicht Julia

_________________ zufolge Anordnung des Königlichen Landgerichts zu Schneidemühl vom 22. Mai 1896, Schneidemühl der 1. August 1896, der Standesbeamte in Vertretung [Unterschrift]“

Auswertung:

Die Geburtsurkunde zusammen mit Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde und der Heiratsurkunde der Eltern Johanna Dahlke und Carl Heinrich Binnenböse löst erst wirklich das Rätsel, welches sich auftut, wenn man zunächst nur Elisabeths Geburtsurkunde sieht.

Johanna und Heinrich haben nach Elisabeths Geburts geheiratet. Was sich übrigens als Geschenk für die nachfolgenden Generationen herausstellt. Hätten sie vor Elisabeths Geburt geheiratet, wäre keine Personenstandsakte zum Vorgang entstanden und erhalten geblieben.

Johanna wurde anscheinend Julia genannt, hieß aber offensichtlich „amtlich“ nicht so. Carl Heinrich wurde offensichtlich Heinrich genannt.

Heinrich konnte sich offenbar auch nicht ausweisen. Kann es sein, dass er keine Papiere zu seiner Abstammung hatte? Das würde mich wundern, denn von Teresa weiß ich, dass offenbar ein Teil der Binnenböses aus Hasenfier nach Amerika auswanderten – um dies zu tun, mussten sie sich bereits vor der Abreise ausweisen. Sollte sich nur ein Teil der Familie mit diesen wichtigen Dokumenten eingedeckt haben?

Auch bin ich immer noch hin- und hergerissen was ich jetzt genau über Heinrichs Schreibkünste denken soll: Konnte er gar nicht lesen und schreiben? Konnte er nur seinen eigenen Namen schreiben? Konnte er es, wollte es aber nicht?

Hier auf Marias Geburtsurkunde unterschreibt er mit drei „XXX“.

Die Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, Marias älterer Schwester, ist ebenfalls mit einem „XXX“ unterzeichnet, allerdings anscheinend von Alexander Bukowski. (Wie dieser zu Kind und Mutter steht, weiß ich immer noch nicht.)

Auf der Heiratsurkunde von Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse dann das hier:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

„vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

Carl Heinrich Binnenböse

Johana Dalke [sic!]

Emil Koch

Karl Eduard Graffunder“

Hmmmm …..

Fest steht: Marias Geburtsurkunde wird kurz nach ihrem 20. Geburtstag vom Landgericht Schneidemühl geändert.

Nicht dramatisch, aber zumindest parallel mit der Änderung auf Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde: Mutter heißt nicht Julia, sondern Johanna Binnenböse, geborene Dahlke.

Es wäre toll, wenn die Gerichtsakten aus Schneidemühl noch existieren würde … da muss ich dringend mal recherchieren, ob da noch etwas vorhanden ist!

Vielleicht wollten beiden Töchter ihre Geburtsurkunden für eine folgende Heirat? Auf Verdacht hin ins Blaue wird ja ein Gericht in solchen Angelegenheiten nicht tätig …

Die Person, die anscheinend Heinrich Binnenböse ausweisen/bezeugen konnte, ist mir bisher noch nicht begegnet. Im Adressbuch der Stadt Schneidemühl (über genwiki abgefragt) taucht eine Witwe Wilhemine Kinowski auf der Gartenstr. 15 auf.

die Binnenböses aus Schneidemühl

Ich versuche mal eine kleine Chronologie, der mir bisher bekannten Binnenböse-Daten aus Schneidemühl:

Freitag, 9. Oktober 1874, abends 10 Uhr

Geburt Elisabeth Dahlke

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke – Klick

Donnerstag, 15. Oktober 1874

Ausstellung der Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, 6 Tage nach der Geburt. Das Kind ist noch ohne Vorname, die Mutter wird „Julia Endisch“ genannt.

Melder ist der Wohnungsinhaber, in der Elisabeth Dahlke geboren wurde, Alexander Bukowski. In der Geburtsurkunde ist sein Verhältnis zu Mutter und Kind nicht benannt. Alexander Bukowski „unterschreibt“ die Urkunde mit „XXX“ = er kann seinen eigenen Namen nicht schreiben.

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke – Klick

Samstag, 24. Oktober 1874

Nachtrag auf der Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke. Das Kind wird „Elisabeth“ genannt. Leider nur schwer zu entziffern: Alexander Bukowski macht die Meldung über die Namengebung für das Kind.

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke – Klick

Mittwoch, 3. November 1875, zehn ¾ Uhr in Schneidemühl

Heirat von Carl Heinrich Binnenböse mit Johanna Dahlke.

Carl Heinrichs Eltern: Johann Binnenböse (Tagelöhner) und Wilhelmine Heymann. Beide sind bereits in Hasenfier verstorben. Carl Heinrich wurde ca. 1845 in Hasenfier geboren.

Carl Heinrich unterschreibt (!) die Heiratsurkunde. Ebenso unterschreibt Johanna Dahlke die Heiratsurkunde – sie schreibt ihren Nachnamen „Dalke“ – diese Schreibung kommt in den Personenstandsakten von Schneidemühl so sonst nie vor. Eventuell können die beiden Eheleute nur gerade einmal ihren eigenen Namen schreiben? Carl Heinrich unterschreibt die Geburtsurkunde von Maria Binnenböse mit „XXX“.

Johanna war drei oder vier Monate schwanger mit Maria Binnenböse. Elisabeth ist etwa 1 Jahr alt.

Quelle: Heiratsurkunde Dahlke-Binnenböse – Klick

Donnerstag, 4. Mai 1876, morgens um 7 Uhr

Geburt Maria Binnenböse, Vater: „Heinrich Carl Binnenböse“, Mutter: „Julia Binnenböse, geborene Dahlke“.

Quelle: Geburtsurkunde von Maria Binnenböse.

Quelle habe ich noch nicht vorgestellt, werde das aber nachholen! 4. Mai kann ich nicht genau verifizieren. (Dazu später mehr.)

Samstag, 13. Mai 1876

Geburtsurkunde von Maria Binnenböse wird ausgestellt, 9 Tage nach der Geburt.

1879

Tod Anna Binneboese, Arbeiterwitwe

Auszug Index Tote 1879 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1879 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1879

1881

Tod Anna Johanna Binnenböse, Arbeiterwitwe, gestorben in Schneidemühl, Ortsteil Grünthal

Auszug Index Tote 1881 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1881 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1881

1891

Tod ___ (?) Binneböse, Kind

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1891

Tod Maria Binneböse, Kind

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1891

1893

Tod Rosalia Binnenböse, Kind

Auszug Index Tote 1893 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1893 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1893

1894

Geburt Antonia Binnenböse

Auszug Index Geburten 1894 Schneidemühl

Auszug Index Geburten 1894 Schneidemühl

Quelle: Geburten Index 1894

Freitag, 22. Mai 1896

Richterspruch des Königlichen Amtsgerichts zu Schneidemühl: Änderung Geburtsurkunde Maria Binnenböse: Mutter Johanna nicht Julia Binnenböse.

Maria Binnenböse ist 20 Jahre alt.

Quelle: Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Samstag, 1. August 1896

Die Geburtsurkunde von Maria Binnenböse wird gemäß des Gerichtsbeschlusses des Amtsgerichtes zu Schneidemühl vom 22. Mai 1896 geändert.

Quelle: Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Adressbuch Schneidemühl 1896

abgefragt über die Datenbank der Computergenealogen:

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstraße 6

Rosalie Enders, Witwe, Feldstraße 19 (die Mutter von Johanna Dahlke Binnenböse)

Zu diesem Zeitpunkt ist Elisabeth etwa 22 Jahre alt und ist nicht gelistet. (Welchen Namen hat Elisabeth zu dieser Zeit offiziell? Elisabeth Endisch?) Ebenso taucht Maria Binnenböse nicht unter Binnenböse auf.

Donnerstag, 3. März 1898

Richterspruch des Königlichen Amtsgerichts zu Schneidemühl: Änderung Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke: Mutter Johanna Dahlke nicht Julia Endisch.

Elisabeth ist 23 Jahre alt.

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke

Mittwoch, 25. Oktober 1899

Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann in Schneidemühl. Klick

Elisabeths Eltern: Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse, beide bereits in Schneidemühl verstorben.

1902

Geburt Maria Binnenböse, __________________ (??), Schneidemühl

Auszug Index Geburten 1902 Schneidemühl

Auszug Index Geburten 1902 Schneidemühl

Quelle: Geburten Index

Fazit:

Ich bin mir bewußt, dass ich nicht alle Binnenböse/Binneböse Einträge aus Schneidemühl bisher erfasst habe, weil ich einfach noch nicht alle Mikrofilme gesehen habe. Bei einigen Namen habe ich aber starke Vermutungen. So zum Beispiel bei Antonia Binnenböse – es gibt in der Familie eine „Tante Toni“, die eine Schwester von Elisabeth Dahlke war. Auch möchte ich mir unbedingt das Dokument von „Rosalia Binnenböse“ ansehen. Johanna Dahlkes Mutter hieß Rosalie Dahlke mit Geburtsnamen und heiratete später einen Eduard Enders.

Johanna Dahlke heiratet Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

Johanna Dahlke heiratet Carl Heinrich Binnenböse. Mikrofilm der Mormonen der Personenstandsakten Schneidemühl, die frühsten in den Personenstandsakten dokumentierten Hochzeiten.

„Nr. 58

Schneidemühl am 3. November 1875 vormittags zehn 3/4 Uhr.

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute als Verlobte:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

1. der Arbeitsmann Carl Heinrich Binnenböse,

der Person nach bekannt, evangelischer Religion, dreißig Jahre alt, geboren zu Hasenfier, wohnhaft zu Schneidemühl

Sohn des Tagelöhners Johann Binnenböse und seiner Ehefrau Wilhelmine geborene Heymann, beide in Hasenfier verstorben.

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

2. die unverehelichte Johanna Dahlke,

der Person nach bekannt, katholischer Religion, dreiundzwanzig Jahre alt, geboren zu Schneidemühl, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der unverehelichten Rosalie Dahlke, später verehelicht (?) Arbeiter Eduard Enders in Schneidemühl.

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

sowie als Zeugen:

3. der Magistrator (??) Emil Koch, der Person nach bekannt, 21 Jahre alt, wohnhaft zu Schneidemühl.

4. der Arbeitsmann Carl Eduard Graffunder

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

der Person nach ____ den ____ Emil Koch ____ Nr. 3 anerkannt (??), 35 Jahre alt, wohnhaft zu Schneidemühl.“

Die Unterschriften:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

Auswertung:

„vormittags zehn dreiviertel Uhr“ = 9:45 oder 10:45 Uhr? In unterschiedlichen Regionen wurde das abweichend gehandhabt … leider weiß ich nicht, wie es damals in Pommern war …

Carl Heinrich Binnenböse – sein Rufname scheint Heinrich gewesen zu sein. 7 Jahre älter als Johanna. Geboren in Hasenfier (offenbar haben keine Personenstandsakten und Kirchenbücher den 2. Weltkrieg überdauert), wo bereits seine beiden Eltern verstorben sind. Bedauerlich, dass keine genauen Geburtsdaten dokumentiert wurden. Aber ich bin dennoch froh über diese Urkunde!

Seine Eltern – sein Vater Johann war Tagelöhner. Falls er seine letzten Jahre in Hasenfier verbrachte, dürfte das ein hartes Leben gewesen sein, Hasenfier war ein kleines Dorf. Von seiner Mutter kennen wir den Namen – Wilhelmine Heymann.

Johanna Dahlke.

Jetzt werden einige Rätsel gelöst: Ihre Mutter hieß Rosalie Dahlke.

Wieder eine unverheiratete Mutter, die später den Kindsvater heiratete.

Aus dieser nun entstehenden Kombi aus unverheirateten Müttern, die später den Kindsvater heirateten:

Rosalie Dahlke – Johanna Dahlke – Elisabeth Dahlke

lässt sich vermuten, dass sowohl Johanna als auch Elisabeth die ersten Kinder der jeweiligen Mutter waren. (Obwohl das nicht so sein muß!) Meine Uroma Elisabeth war vermutlich die erste seit ihrer eigenen Oma, die vor der Geburt ihres ersten Kindes heiratete.

Und lustigerweise habe ich immer noch keinen direkten männlichen Vorfahren mit dem Namen Dahlke dokumentieren können.

Hier kommt der nächste Knaller: Der Vater hieß Eduard Enders!

Wir erinnern uns an das Namenswirrwarr aus Elisabeths Geburtsurkunde, welches vom Amtsgericht entzottelt werden musste??

Dort wird das zunächst unbenannte Kind von einer Julie/Julia Endisch geboren. Später wird dieser Eintrag geändert: Das Kind heißt nun offiziell Elisabeth Dahlke, die Mutter Johanna Dahlke.

Alexander Bukowski, welcher die Geburt meldete, konnte seinen eigenen Namen nicht schreiben. Und kannte nur wenige Details der Familie. Denn er benannte die Mutter als Julia Endisch.

Elisabeths Mutter hieß zu diesem Zeitpunkt – gemäß Amtsgericht – Johanna Dahlke. Sie scheint aber schon mit Eduard ENDERS zusammen gewesen zu sein. Enders – Endisch, das kann eine Verwechslung oder eine lokale falsche Aussprache sein. (Braucht man noch nicht mal viel drüber zu sinnieren.)

Den Namen Enders kenne ich aus Schneidemühl überhaupt noch nicht! Den Namen selbst kenne ich bisher aus sehr alten Kirchbüchern aus ganz anderen Regionen, dort als Kurz- oder Koseform von „Andreas“.

Johanna war 23 Jahre alt bei der Heirat. Leider kein genaues Geburtsdatum, aber dieses dürfte sich in den katholischen Kirchbüchern von Schneidemühl finden lassen.

Die Zeugen erscheinen mir als zufällig. Emil Koch taucht später in Schneidemühler Adressbüchern auf, er scheint Beamter gewesen zu sein. Vielleicht bestand noch eine Bekanntschaft zu dem zweiten Trauzeugen (der sich anscheinend nicht selbst ausweisen konnte) – der Arbeiter Karl (!) Graffunder taucht als einziger Eintrag mit diesem Nachnamen im Adressbuch von Schneidemühl 1896 auf.

Fazit:

Das Namenwirrwarr von Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde ist geklärt!

Schade ist, dass ich bei Hasenfier jetzt erstmal in einer Sackgasse lande. Momentan scheint es so, dass sowohl die Personenstandsakten als auch die Kirchenbücher verloren sind.

Die Binnenböses kann ich also erstmal nur weiter in Schneidemühl erforschen.

Aber die Dahlkes leben in Schneidemühl. Dazu sind sie auch noch katholisch (obwohl Schneidemühl zum großen Teil evangelisch war) und die katholischen Kirchenbücher existieren. (Ich kann es gar nicht häufig genug sagen! 🙂 Die Freude ist so groß. Auch wenn ich erstmal nicht nach Polen komme.)

Neu hinzu kommt der Familienname Enders. Bin gespannt was ich hier finden werde …

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke

Da will ich doch mal direkt mit einer großen Überraschung anfangen, die eine Merkwürdigkeit nach der anderen mit sich bringt – ich habe tatsächlich die Geburtsurkunde von meiner Uroma Elisabeth Dahlke gefunden.

Geboren wurde sie am 9. Oktober 1874. Anfang/Mitte Oktober 1874 begann die Verwaltung der Stadt Schneidemühl damit, Zivilstandsakten zu führen. Den entsprechenden Mikrofilm der Mormonen bestellte ich mir natürlich … und war enttäuscht. Denn ich fand einfach nicht Elisabeths Geburtsurkunde. Ich war perplex, weil ich einfach davon sicher ausgegangen war, ich würde die Geburtsurkunde sofort finden, direkt am Anfang des Films.

Als ich dann die Heiratsurkunde von meiner Oma Anna Spickermann (Tochter von Elisabeth) mit meinem Opa sah, musste ich einfach noch mal in den Mikrofilm schauen. Denn dort in der Heiratsurkunde waren die jeweiligen Geburtsurkunden Nummern mit den ausstellenden Städten genannt.

Und schwupps!! Die Welt steht ein bißchen Kopf!

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke - allerdings war dies offenbar nicht ihr "Geburtsname"

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke – allerdings war dies offenbar nicht ihr „Geburtsname“

Hier erstmal das komplette Dokument – jedes Mal wenn ich es betrachte, erinnert es mich an meinen Fehler. Es ist Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde, obwohl ihr Name dort nicht in den entsprechenden Feldern eingetragen ist. (Hart)man(n) muss halt auch stets die Notizen und Änderungen lesen. Denn, wie in diesem Falle, können offizielle Dokumente später geändert oder berichtigt (!) werden.

Aber ich fange mal von vorne an: Diese Aufnahme ist aus dem Mikrofilm „Schneidemühl, Zivilstandsregister, Geburten 1874-1876“.

elisabeth_dahlke_geb_02„Geburtsurkunde Nr. 14

Schneidemühl am 15. Oktober 1874

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Person nach bekannt der Arbeiter Alexander Bukowski wohnhaft zu Schneidemühl, Bromberger Strasse Nr. 23, katholischer Religion“

elisabeth_dahlke_geb_03

„und zeigte an, daß von der unverehelichten Julie Endisch, ______ Wirtin [???], katholischer Religion, wohnhaft zu Schneidemühl in seiner Wohnung am neunten Oktober 1874 abends um zehn Uhr ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches einen [?] Vornamen un_____ [?!] erhalten habe.“

Leider kann ich nicht alles lesen. Dabei hab ich sogar schon Hilfe bekommen von der sehr netten Birgit, die ich in der Forschungsstelle kennengelernt habe.

Um diese Geburtsurkunde abzurunden, schauen wir mal auf die Unterschrift des „Melders“:

elisabeth_dahlke_geb_04Na, wenn das nicht das Dokument von 1874 abrundet – der „Melder“ der Geburt, Alexander Bukowski, „unterzeichnet“ das Dokument mit drei Kreuzen. Sprich: Er konnte nicht schreiben und vermutlich auch nicht lesen.

Normalerweise würde ich jetzt davon ausgehen, dass der zuerst genannt Mann, der auch die Geburt in seiner Wohnung meldet, der Vater ist. Aber naja, das muss halt nicht sein.

Bis hier kann man erstmal feststellen: Es ist kein Mädchen geboren worden, die Mutter hieß Julie Endisch und dem Kind wurde scheinbar kein Vorname gegeben. (Was steht dort genau, ich kann es leider nicht lesen ….)

Aber die Geschichte des Dokumentes geht weiter. Es folgt ein Aktenvermerk vom 24. Oktober 1874. Leider kann ich hier nicht alles entziffern:

„____ Schneidemühl den 24. Oktober 1874 vor dem Standesbeamten erschien der Person nach bekannte Arbeiter Alexander Bukowski und zeigte an, dass von der Julie Endisch am 9. Oktober geborene Kind den Vornamen Elisabeth erhalten habe.“

Wieder von Alexander Bukowski mit drei Kreuzen unterzeichnet.

Wie gesagt, ich kann nicht alles lesen und hier half mir bereits Birgit.

Das Mädchen hat jetzt den Namen Elisabeth Endisch. Gemeldet wurde die Geburt und die Vergabe des Vornamens vom Arbeiter Alexander Bukowski. In dessen Wohnung brachte Julie Endisch das Kind zur Welt.

Und hier der letzte Aktenvermerk:

elisabeth_dahlke_geb_06„Die Mutter des Kindes ist die unverehelichte Johanna Dahlke“

Wieder kann ich Einiges nicht genau entziffern, aber die Änderung erfolgt auf Anordnung des „Königlichen Kreisgerichts zu Schneidemühl am 3. März 1898

Schneidemühl am 08 März 98“

Ein letzter Nachtrag „H. geheiratet No. 109/1899 hier“.

Auswertung:

Was für ein Dokument! So eine Geburtsurkunde ist mir bisher noch nicht begegnet! Und ich mache das ja nun schon seit über 20 Jahren. (Meine Güte bin ich alt mittlerweile ….)

Ich werde das Dokument nun „zeitlich von hinten“ aufblättern, so wird es einfacher.

1899 heiratet Elisabeth. Bevor sie das machen kann, muss sie den Behörden ihre Geburtsurkunde vorlegen. Das wird wahrscheinlich bereits 1898 geschehen sein, vielleicht aber auch schon 1897. Denn Anfang März 1898 ordnet das Kreisgericht von Schneidemühl an, dass diese hier vorliegende Geburtsurkunde geändert werden muss. (Wie lange solch ein Antrag und Prozess wohl damals gedauert hat?)

Sagen wir, Elisabeth wollte 1897 heiraten. Zu diesem Zeitpunkt wäre sie dann 22/23 Jahre alt gewesen. Emil Spickermann, ihr zukünftiger Ehemann, war übrigens 26/27 Jahre und bereits verwitwert. Und Elisabeth stellt fest, dass sie laut ihrer Geburtsurkunde Elisabeth Endisch heißt, Vater nicht genannt. Der einzige Mann, der erwähnt wird, ist die Person, in dessen Wohnung sie zur Welt kommt.

Sie geht zum Kreisgericht und die Geburtsurkunde wird geändert. Sie kann heiraten. Die Änderung des Dokumentes erfolgt Anfang März 1898, die Hochzeit findet am 25. Oktober 1899 in Schneidemühl statt.

Klingt das logisch?

Warum ist da „so viel Zeit“ zwischen der Dokumentenänderung und der Hochzeit? Über ein Jahr! Fast ein Jahr und sieben Monate. Das ist wirklich lang!

Eine andere Idee. Wir werfen einen Blick auf die Hochzeitsurkunde von 1899.

Dort werden Elisabeth Dahlkes Eltern erwähnt: Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse. Ebenfalls erwähnt ist, dass die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet waren, dies aber später nachholten. Am 25. Oktober 1899 wird ebenfalls erwähnt, dass beide – Johanna und Heinrich – bereits verstorben sind.

Kann es sein, dass Elisabeth damit begann ihre Geburtsurkunde zu ändern, als ihre Eltern starben und es auffiel, dass die Angaben in der Geburtsurkunde nicht korrekt waren? Oder könnte es auch sein, dass die Behörden von selbst begannen einen „Verwaltungsprozess“ (wie auch immer geartet) zu starten, um die Angaben auf dem Dokument zu korrigieren?

Andere Dokumente, die hier helfen können Klarheit zu bringen:

index_binnenböse_dahlkeSchlechtes (Arbeits-)Foto aus dem „Personenstandsakten Schneidemühl Index Geburten, Heirat, Tote 1874-1876“.

1875 Binnenböse Carl Heinrich Arbeitsmann und Dahlke Johanna.

1876 wird dort die Geburt einer Maria Binnenböse gelistet. Die Geburtsurkunde habe ich natürlich direkt gesichtet. (Aus dem gleichen Mikrofilm, in dem auch Elisabeths Geburtsurkunde abgebildet ist.)

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Ich mache jetzt eine kurze Zusammenfassung:

Schneidemühl 13. Mai 1896

Heinrich Carl Binnenböse, evangelisch und seine Ehefrau Julie Binnenböse, geborene Dahlke, am 11. Mai 1896 morgens um 7 Uhr ein Mädchen mit dem Namen Maria geboren wurde. Heinrich „unterzeichnete“ mit drei Kreuzen.

Am 22. Mai 1896 wurde ein Nachtrag vermerkt: Angeordnet vom Königlichen Kreisgericht wird geändert, dass die Mutter Johanna nicht Julia heißt.

Auswertung:

Offensichtlich kann das Königliche Kreisgericht sehr schnell Änderungen anordnen. Am 13. Mai wurde die Geburtsurkunde erstellt, das Kreisgericht ließ bereits am 22. Mai die Urkunde abändern.

Interessant ist, dass der Vorname der Mutter geändert wurde. War Julia oder Julie vielleicht ihr Rufname?

Ich rätsel ja immer noch, ob es aus der Verbindung weitere Kinder gibt. Aber die beiden weiblichen Namen – Elisabeth und Maria – machen aus christlich-katholischer Namensgebungstradition stark Sinn. (Es steht hier noch eine Erzählung aus, die ich nachholen werde. Meine Mutter hieß Regina, es gab auch eine Maria. Ich werde darauf zurückkommen.) Vielleicht gab es aber auch noch Jungs?

Offene Fragen:

… die sich vielleicht gar nicht mehr klären lassen …

Sind zu diesen Geburtsurkundenänderungen Gerichtsakten entstanden? Wenn ja, sind diese eventuell noch erhalten im Archiv (in Pila)?

Warum Julie/Julia? Julie französisch ausgesprochen? Ist das vielleicht der Rufname? Gab es in der Familie (die Mutter?) eine weitere Johanna?

Wo kommt der Nachname „Endisch“ her?!?

Wer ist Alexander Bukowski und in welchem Verhältnis stand er zu Johanna Dahlke? Lebte Johanna damals bei ihm? Oder war sie nur für die Geburt dort? Das Kind kam um 10 Uhr abends auf die Welt. Hausgeburten waren damals üblich. Häufig werden Hebammen als „Melder“ der Geburten gemeldet. Eine Hebamme scheint sich aber nicht mit dieser Geburt beschäftigt zu haben?

Wo war Heinrich Carl Binnenböse zur Zeit der Geburt von Elisabeth? Lebten die zwei zusammen? War Heinrich vielleicht einfach nicht in der Stadt aus welchem Grund auch immer?

Kann es sein, dass Elisabeths Geburtsurkunde gesichtet wurde, als ihre Eltern oder ein Elternteil verstarb? (Erbschaftsreglung?) Oder steht die Dokumentenänderung mit ihrer Hochzeit zu Emil Spickermann in einem direkten Zusammenhang?

Was wurde aus Maria Binnenböse?

Ist das nicht spannend? Für mich kommt das alles sehr unerwartet. Aber immerhin bin ich nicht mehr so perplex wie ich am Anfang war, als ich zuerst merkte, dass die tatsächlich die Geburtsurkunde von Elisabeth ist.

Und jetzt bin ich müde. Bis zum nächsten Blogpost! 🙂