Karteikarten und Fächeransichten

Da bin ich aber ziemlich überrascht, dass schon wieder ein Monat ins Land gezogen ist, seitdem ich den letzten Blogbeiträge verfasst habe. Andererseits hatte ich in den letzten Monaten und im vergangenen Semester so viel um die Ohren, dass einfach für nichts mehr Zeit blieb.

Für die kommenden Monate sieht es besser aus, da kann ich mich also langsam daran setzen, hier wieder einen normalen Rhythmus reinzukriegen.

Um wieder reinzukommen, beschreibe ich einfach mal, wie ich meine Genealogie umsortiert habe. Das bei anderen zu lesen hat mich immer sehr interessiert. Und Stück für Stück nehme ich Ideen auf und setze sie für mich ein oder wandle sie ab um sie meinen Bedürfnissen anzupassen.

Ich hatte ja bereits angefangen alle meine digitalen Dokumente zu sortieren und ordentlich und systematisch in Ordner abzulegen. Denn bisher habe ich vor allem digital meine Daten verwaltet.

Das werde ich auch in Zukunft tun, aber ich habe festgestellt, dass es extrem nützlich und erhellend (!) sein kann, die Informationen auch (!) physisch griffbereit zu haben.

Diese Einsicht kam mir über einen Umweg. Ich hatte ja einen DNA-Test zusammengespart und machen lassen. Ich suche meinen Großvater. Der war US-amerikanischer Soldat nach dem 2. Weltkrieg und war in Deutschland eingesetzt, wo er meine Großmutter kennenlernte. Noch vor der Geburt meines Vaters wurde seine Einheit verlegt und da meine Großmutter keine Kontaktadresse in den Staaten hatte, brach auch der Kontakt ab. Meine Großmutter heiratete kurz vor der Geburt meines Vaters ihren Stiefvater. (Ihre Mutter, meine Urgroßmutter war wenige Jahre zuvor gestorben.)

Über die Jahre habe ich sehr viel recherchiert, mein Vater auch. Ich habe einige Kandidaten herausgearbeitet. Einer davon ist ein heißer Kandidat. Also muss ein DNA-Test her. (Ich denke, zu all diesem, sollte ich auch mal Blog-Posts schreiben.) So kam es also zu dem DNA-Test.

Und der DNA-Genealogie. Superspannend. Jeder, der sich schon einmal gewundert hat, ob das nicht vielleicht für ihn was wäre, würde ich ermuntern wollen einmal konkret die Optionen zu prüfen.

Durch die DNA-Genealogie musste ich aber auch noch mal meine bereits erarbeiteten Familien durchgehen. Denn jetzt habe ich allerhand Cousins gefunden. Bei einigen habe ich sogar eine ziemlich gute Idee, durch welchen Vorfahren die Verwandtschaft besteht. Bei anderen wieder nicht. Um sicher zu sein und konkret Genealogie mit Cousins abzugleichen, muss ich natürlich meine Dokumentation durchgehen.

Eine der Dinge, die ich im Zuge dessen gemacht habe, die mir plötzlich total neue Einblicke schenkten war, meine Familien in Fächeransicht auszudrucken.

Fächeransichten. Ja, die fand ich so ganz nett. Man sieht halt direkt, wo noch Vorfahren „fehlen“. Und je nach Programm, kann das auch einfach nett aussehen.

Jetzt allerdings als ich darüber grübeln musste, in wie vielter Generation jemand mit mir verwandt sein könnte, habe ich weitere klare Vorteile gesehen.

Zum ersten ganz klar, dass ich am Rand des Fächers daneben schreiben konnte „Großvater, Urgroßvater, Altvater, …“. Ich habe meinen DNA-Test bei FamilyTreeDNA machen lassen. Dort erhält man kalkulierte Verwandtschaftsverhältnisse angezeigt. Wenn mir ein Cousins 2. bis 3. Grades ausgewiesen wird, so wollte ich einfach und schnell sehen, wer meiner Vorfahren als gemeinsamer Vorfahr in Frage käme.

Und tadaaa, mit der Fächeransicht ist das superschnell und einfach. Einmal ausdrucken und schon ist der vermutliche gemeinsame Vorfahr benannt.

Zum zweiten lassen sich geographische Informationen in einem Fächer ebenfalls darstellen. Das war mir neu. Kann sein, dass die ganze Welt das offensichtlich findet, mir ist da echt ein Lämpchen angegangen. Ich habe einfach mit Bleistift die Lebenshauptorte neben die Namen geschrieben und … huch! Die fächern sich genauso auf! Ein Fächerblatt Schneidemühl, ein Fächerblatt, Stöwen, ein Fächerblatt Odenwald-Dörfer, ein Fächerblatt Flörsheim … wow!

Zum dritten wieder die DNA-Genealogie. Denn ich als Frau habe ja eine bestimmte Vererbung des x-Chromosoms. Das hätte ich jetzt auch mittels der Kekule-Nummer in einer Liste verwalten können. Aber mit einem Ausdruck der Fächeransicht geht das so viel einfacher! Denn jede Frau erbt das x-Chromosom von Vater und Mutter. Jeder Mann jedoch nur von seiner Mutter. (Denn der Vater hat ja ein y-Chromosom.) In der Fächeransicht hab ich mir dann nach Vorbild von diversen Blogbeiträgen, z.B. bei DNA-Explained, die Vorfahren farbig markiert, die mir das x-Chromosom verebt haben (können).

Zum vierten konnte ich dann durch das Betrachten meiner neuen Markierungen und Notizen auf den Fächern ganz neue Zusammenhänge sehen, oder häufig, ganz neue Fragen stellen. Klingt jetzt abstrakt, ist aber halt für jede Person etwas anderes.

Mein Fazit: Fächeransichten haben nicht nur einen optischen Reiz, sondern können konkrete Hilfestellung bzw. Unterstützung in der Recherche sein.

Eine weitere Neuerung, bei der ich mir nur noch an den Kopf fassen kann, warum ich es nicht früher gemacht habe, ist ein Karteikasten führen.

Bisher hatte ich bereits einen – einen digitalen. Das ist so ganz gut gelaufen. Aber jetzt, wo ich mir einen Karteikasten gekauft habe und Pappkarteikarten ausfüllen und sortiere, kann ich kaum glauben, dass ich nicht früher damit angefangen habe.

Für die vier Hauptlinien (meine Großeltern) habe ich unterschiedlich farbige Karteikarten besorgt. Blau, Grün, Rot und Gelb.

Bei mir kommt ja die Besonderheit dazu, dass ich zum einen genetische Verwandte habe, und einen Strang (über meinen väterlichen Großvater – diesen Strang führe ich in Blau), der Familie ist, aber keine genetische Verwandtschaft besteht. Allein das ist schon ein Himmelsgeschenk, wenn ich in meinen Karteikasten schaue, sehe ich direkt, wenn ich eine Frage zum DNA-Test habe, dass die blauen Karteikarten gerade keine Rolle spielen.

Das klingt vielleicht „läppisch“, aber mein Nachname ist „Hartmann“. Ein mittelalterlicher Vorname und dementsprechend häufig, vor allem in Hessen, als Nachname verbreitet; wo nicht nur ein Vorfahrenstrang herstammt. Durch die unterschiedlich farbigen Karten, sehe ich direkt welcher Hartmann über welchen Strang verwandt ist! Warum habe ich das bisher nicht so gemacht?! Ja, auch digital kann man Ordner „einfärben“, aber im physischen Karteikasten ist es so viel einfacher und offensichtlicher!

Die letzten Tage, wenn ich nicht in der Uni oder arbeiten war, habe ich quasi nichts anderes gemacht als Karteikarten zu beschriften. Das ist echt eine Menge Arbeit! Hätte ich vor zwanzig Jahren damit angefangen, wäre das organisch gewachsen und ich würde mir jetzt keinen abbrechen. Dennoch ist es eine gute Arbeit, bei der ich bereits jetzt, wo nur Name, Lebensdaten, Verbindung (aus der Kinder entstammen) und die Kekule-Nummer auf der Karteikarte stehen, schon wieder Neues entdecke – Thema: Ahnenschwund!

Das hat ja jeder irgendwo. Von einigen Fällen wußte ich bereits. Allerdings habe ich gestern beim Karteikarten schreiben ein Elternpaar gefunden, welches jetzt jeweils zwei Kekule-Nummern auf der Karteikarte stehen haben! Das wird auch in Zukunft beim Beschriften passieren, aber bei diesem Elternpaar war mir bisher nicht gewußt gewesen, dass sie „Teil des Ahnenschwunds“ waren.

Als Unterscheidung für diese beiden Kekule-Nummern habe ich übrigens die jeweiligen Namen der Kinder des Paares unter die Kekule-Nummer notiert. Ob ich die weiteren „verschwundenen“ Ahnen ebenfalls doppelt beschriften soll, weiß ich noch nicht. Bis jetzt beschrifte ich nur die Generation doppelt, bei denen der „Split“ auftritt.

Tja, gestern abend sind mir die blaue  Karteikarten ausgegangen. Und dabei beschrifte ich bisher nur die direkten Ahnen. Das wird noch eine Menge Arbeit. Aber es lohnt sich.

Das ist, was bei mir die letzten Wochen passiert ist. Über all die spannenden Details werde ich hier vorstellen.

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