Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann

Mit alten Dokumenten ist es ja so eine Sache – man weiß schon vorher so ungefähr was drin steht. Dann hat man entweder das Original oder eine Kopie der Urkunde vor sich, findet genau das vor, was man erwartet … und noch einiges mehr!!

Auch in diesem Fall ging es mir genau so. Einige Fragen konnten sofort beantwortet werden. Aber ich habe jetzt noch viel mehr Fragen als vorher. Ich fange mal von vorne an.

Ich suchte nach der Heiratsurkunde von Elisabeth Dahlke und Emil Spickermann. Diese fand ich nun auf einem Mikrofilm der Mormonen. Hier die beiden Original-Unterschriften der beiden Eheleute:

DS_Ehe_Unterschriften

Was wußte ich vorher? Elisabeth Dahlke heiratete um die Jahrhundertwende den Vater der Spickermann-Kinder. Der Name war wahrscheinlich Emil. Allerdings waren sich da nicht alle noch lebenden Spickermann-Nachkommen einig. Es gab auch einen Sohn, der Emil hieß, eine Verwechslung könne also vorliegen. Die Hochzeit fand in Schneidemühl statt. „Oma Spickermann“ – unter diesem Namen ist Elisabeth Spickermann immer noch in der Familie bekannt – hieß vor der Ehe Dahlke.

Allerdings gab es da auch einige Unsicherheiten. Denn Emil (der Vater) war nachweisbar Witwer, aus seiner ersten Ehe hatte er mindestens zwei Kinder mit in die neue Ehe gebracht. (Wie viele Kinder genau, wer das war – total unklar!) Emil soll „in etwa“ um 1916 gestorben sein. Auch Elisabeth Dahlke soll Witwe gewesen sein. Resi, meine Cousine 2. Grades, die sehr viel Zeit mir ihrer geliebten Oma verbracht hat (auch in später als Erwachsene), weiß zu berichten, dass Oma Spickermann davon erzählte, dass sie (Oma Spickermann) bereits sehr früh Witwe wurde. Ihr Mann wurde wegen Hämorrhiden operiert. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen und legte sich in der Wohnung hin. Oma Spickermann ging kurz etwas besorgen und als sie heim kam, war ihr Mann tot – innerlich verblutet.

Schauen wir uns die Heiratsurkunde an:

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Kenner werden erkennen, dass ich einen Bildschirm eines relativ alten Mikrofilm-Lesers abfotografiert habe. Um hier alles erkennen zu können, werde ich das Dokument Stück für Stück vorstellen, sonst lässt sich nicht alles gut lesen.

Zunächst die Quellenangabe – hier handelt es sich um durch die Mormonen abfotografierten Personenstandsakten, die sich in Berlin im Standesamt I befinden. Diese Fotoaufnahmen wurden bereits Anfang der 1960er Jahre gemacht. Gerade weil es momentan so schrecklich lange Bearbeitungszeit aus verwaltungstechnischen Gründen gibt, hoffe ich sehr, dass das Standesamt Berlin I die Aufnahmen frei gibt zur Indexierung, entweder durch die Mormonen oder durch einen anderen vertrauenswürdigen Verein, wie zum Beispiel die ComputerGenealogen. Aber da ist viel Wunschdenken von mir dabei.

P1350006_kl

Dieser Mikrofilm hat die Batch-Nr. 302087 – „Personenstandsakten Schneidemühl, Heiraten 1895-1899“.

DS_Ehe_01

Heiratsurkunde Nr. 109 [aus dem Jahre 1899]

Schneidemühl am 25. October 1899

DS_Ehe_02

„Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zweck der Eheschließung :

1. der Arbeiter Emil Spickermann, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 7. November des Jahres 1870 zu Stöwen Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Stöwen.

Sohn des Arbeiters August Spickermann und dessen Ehefrau Auguste geborene Lemke, beide wohnhaft zu Stöwen.

DS_Ehe_03„2. die ledige Elisabeth Dahlke, ohne besonderen Stand, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 9. October 1874 zu Schneidemühl Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der Johanna Dahlke später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.

DS_Ehe_04[Nun auf der zweiten gegenüberliegenden Seite – ehrlicherweise habe ich hier noch nicht alles entziffert. Berufe der Zeugen kann ich nicht genau ausmachen, Adressen ähnlich.]

Ein Zeuge ist Schmiede(??)meister Josef Meissner. Er wohnt in Schneidemühl. [Und hat ebenfalls im Jahre 1899 geheiratet. Seine Hochzeitsurkunde habe ich auch abfotografiert, aber auch hier habe ich Probleme seinen Beruf zu entziffern. Gebürtig ist Josef Meissner aus Neuhof.]

Der andere Zeuge ist Leonhard Parthun. Seinen Beruf kann ich gar nicht entziffern. Wer helfen kann und mag, bitte gerne.😉

Leonhard Parthun lebte zur Zeit der Eheschließung von Emil und Elisabeth in Stöwen.

Bei den Zeugen ist noch einiges mehr herauszufinden. Aber ich habe momentan so viel spannende Details recherchiert, bzw. ich bin noch am recherchieren, dass ich mir erstmal alles bisher „Erkanntes“ notiert habe und einen dicken Vermerk gemacht habe, ob hier eventuell noch etwas herauszufinden ist. (Es sind ja auch Adressen und Altersangaben bei den Zeugen. Waren es Freunde oder Familie kann das sehr interessant sein.)

Ganz unten nun alle Unterschriften. (Keine „X“ für Unterschriften, was noch recht häufig bei den Heiratsurkunden vorkam. Ergo konnten alle zumindest ihren eigenen Namen schreiben.)

DS_Ehe_05Schöne Handschriften von Emil und Elisabeth wie ich finde.🙂

Natürlich spannend zu sehen, wie die zwei ihre eigenen Namen schrieben. Emil schrieb Spickermann tatsächlich mit „CK“. „Oma Spickermann“ schrieb ihren eigenen Namen mit „Elisabeth Spickermann geborene Dahlke“.

Nachträglich wurde auf der Heiratsurkunde der zwei ein Vermerk gemacht:

DS_Ehe_06„H. (??) Tochter Anna geb. 25.1.12 hier Nr. 66/1912 [Nr. der Geburtsurkunde], geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 [Nr. der Heiratsurkunde] hier.“

Auswertung:

Das Datum 25. Oktober 1899 – der 28jährige Emil heiratet die 25jährige Elisabeth in Schneidemühl. Der Wochentag war ein Mittwoch. Zur Jahrhundertwende wird Schneidemühl ca. 19.000 Einwohner haben; die Bevölkerungszahl der Stadt war in nur wenigen Jahrzehnten sprunghaft gestiegen. Dies war ein Resultat zum einen durch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke und einer folgenden Ausbauphase, die Schneidemühl zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt machte. Zum anderen sicherlich durch die fortschreitende Industrialisierung. Nur wenige Jahre zuvor kam es mehrfach zum Ausbruch von Cholera. Um diese Zeit wurden die Wasserleitungen verbessert und ausgebaut.

Emil Spickermann, der am 7. November 1870 in Stöwen geboren wurde, steht kurz vor seinem 29. Geburtstag. Sein Familienstand vor der Hochzeit wird nicht erwähnt. (Verwitwert? Geschieden? Ledig?) Sein Stand/Beruf wird mit „Arbeiter“ angegeben, was leider auch wenig Aussagekraft hat. Emil ist katholisch. Sein Vater ist August Spickermann, seine Mutter Auguste Lemke. Beide leben (!) in Stöwen.

Seine Ehefrau Elisabeth Dahlke wird als ledig angegeben. Zusammen mit Elisabeths Eigenaussage in diesem Dokument (Unterschrift), ist Elisabeth Dahlke ihr tatsächlicher Geburtsname. Diesem Dokument zufolge war sie bisher nicht verheiratet – „ledige Elisabeth Dahlke“.

Ihr Geburtsdatum war mir bereits bekannt. Allerdings nur aus Dokumenten, welche nach 1945 entstanden und fast immer den Vermerk enthielten, dass die Daten letztenendlich nicht überprüft werden können, da man keinen Zugang zu den Akten hatte. Das hier ist also der Beleg für ihre Geburt in Schneidemühl. (So weit ich es bisher recherchieren konnte.)

„Ohne besonderen Stand“ deutet für mich auf keine spezielle Ausbildung oder ein fachliches Können. Sie wird sich also mit niederen Arbeiten finanziert haben. Dies deckt sich mit den Berichten aus der Familie. Ob diese Formulierung noch etwas anderes zu bedeuten hat, weiß ich leider nicht einzuschätzen.

Elisabeth ist katholisch. Und jetzt wird es interessant!

Sie wird als die Tochter der Johanna Dahlke angegeben. NICHT als die Tochter eines Mannes mit dem Namen Dahlke. Elisabeth Dahlke, Tochter der Johanna Dahlke. Sprich: Sie kam unehelich auf die Welt. Das ist für mich persönlich kein Weltzusammenbruch, aber damals hieß das für Johanna Dahlke wahrscheinlich schon einiges. Was genau, würde ich gerne in Zukunft herausfinden.

Nach Johanna Dahlkes Namen folgt der Zusatz „später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.“

Ist nun Heinrich Binneböse als Vater angegeben, oder „nur“ als der spätere Ehepartner von Johanna?

Klar scheint zumindest nur zu sein, dass am 25. Oktober 1899 beide – Johanna und Heinrich Binneböse – bereits verstorben sind. Zuletzt hatten die beiden in Schneidemühl gelebt.

Die beiden Trauzeugen wirken auf mich recht „normal“. Sowohl die Braut scheint einen Trauzeugen gebracht zu haben (Josef Meissner aus Schneidemühl). Als auch der Bräutigam (Leonhard Parthun aus Stöwen).

Ein bißchen überraschend fand ich den handschriftlichen Nachtrag der Hochzeit der jüngsten Tochter des Paares. Alle weiteren Ehen (der anderen Kinder, Anna heiratete nur einmal) wurden hier nicht nachgetragen.

Einordnung in den Kontext mit anderen Quellen:

Die größte Überraschung ist für mich die unverheiratete Johanna Dahlke. Vor dieser Heiratsurkunde kannte ich Elisabeth Dahlkes Mutter nicht. Ich kannte weder Vor- noch Nachnamen. Ich erwartete einen Herrn Dahlke mit einer Ehefrau und einem neuen Nachnamen. Doch jetzt habe ich eine Johanna Dahlke und einen neuen Nachnamen, von dem ich nicht sicher bin, ob er der leibliche Vater von Elisabeth Dahlke ist.

Erster Schritt: Schnelles Nachforschen, ob sich Heinrich Binneböse und Johanna in anderen Dokumenten finden lassen. Einfachste Überprüfung: Eine Suche in der Pommerndatenbank.

Dort finden sich tatsächlich einige sehr wenige Einträge zum Nachnamen Binneböse. Zum einen Wilhelm Binneböse in Ratzebuhr, Kreis Neustettin. Dieser taucht in mehreren Adressbüchern auf. Er ist Schneidermeister.

In Schneidemühl dann zwei Einträge für Binneböse aus dem Adressbuch der Stadt Schneidemühl aus dem Jahr 1896.

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstr. 6.

Es sieht fast so aus, als hätten Johanna Dahlke und Heinrich Binneböse nach dem 9. Oktober 1874 und vor dem Stichtag für das Adressbuch 1896 geheiratet. Allerdings scheinen sie sich auch wieder getrennt zu haben?

Heinrich Binneböse starb zwischen dem Zeitpunkt der Erfassung für das Adressbuch 1896 und dem 25. Oktober 1899. Vielleicht war er zur Zeit der Erfassung bereits krank und befand ich eventuell in einer Krankenabteilung der Ziegelei? Aber das ist reine Vermutung!

Der Name Binneböse wurde mir gegenüber nie genannt. Als ich ihn jetzt meinem Patenonkel Herbert und Resi sagte, konnten sich die beiden direkt nicht an einen Heinrich erinnern (dieser starb ja bereits vor 1899 und sie konnten ihm nie begegnet sein), sondern an einen Carl Binneböse! Beide kannten diesen Carl, wußten einiges zu berichten. Beide waren bei Carl mehrfach zu Besuch gewesen, beide kannten Carls Töchter (von der eine anscheinend noch lebt). Beide wußten, dass sie irgendwie mit Carl verwandt waren, aber sie wußten nicht wie. Und weitere Binneböse außer Carl und seinen Töchtern kannten sie gar nicht.

Alles sehr spannend! Mehr konnte ich zu Johanna und Heinrich bisher nicht ausfindig machen. Aber ich bleibe dran!

Mein letzter Blogeintrag beschäftigte sich mit Emil Spickermann und seiner Verwundung im 1. Weltkrieg. Meine Vermutung in Bezug auf Emil ist ja, dass er an den Folgen einer Verwundung, die er im 1. Weltkrieg erhielt, verstorben sei. Seine Totenurkunde habe ich noch nicht finden können. In der Familie wird vermutet, er sei etwa 1916 gestorben. Emil erscheint am 7. Oktober 1915 in den Verlustlisten. (Siehe vorherigen Blogeintrag.) Als diese Meldung in der Verlustliste erschien, das Emil 44 Jahre alt. Am 7. November 1915 wäre er 45 Jahre alt geworden. Ich schätze, der schwer verwundete Emil, 44jährig, wurde zunächst in ein Lazarett gebracht. Und da eine schwere Verwundung wahrscheinlich (?) länger als einen Monat benötigt um auszuheilen, wird er nach dem Lazarettaufenthalt nach hause geschickt worden sein.

Aber nichts genaues weiß ich nicht.

Wie oft war Elisabeth Dahlke verheiratet? Diese Heiratsurkunde spricht von der „ledigen Elisabeth Dahlke“. Dahlke ist der Name ihrer Mutter. Also kann ich fest davon ausgehen, dass Dahlke Elisabeths Geburtsname war. „Ledig“ in der Geburtsurkunde zeigt unverheiratet hat. Würde dort ansonsten „verwitwet“ oder „Witwe“ stehen?

Den Mikrofilm mit den weiteren Heiratsurkunden habe ich mir ja angeschaut. Dort ist mir nicht bewußt „verwitwet“ oder „Witwe“ oder Ähnliches begegnet. Aber systematisch habe ich danach nicht gesucht …

Es gibt eine Vielzahl von Kindern und Halbgeschwistern, die ich alle immer noch nicht sicher zu ordnen kann. Emil hatte Kinder, die er mit in die Ehe brachte. Nachweisen kann ich es noch nicht, aber dies wurde mir von allen Verwandten genauso berichtet.

Und dann gibt es die Geschichte, die Oma Spickermann Resi erzählt hat. Wie passt die hier rein? Vielleicht hat Elisabeth auch nach dem Ableben von Emil noch einmal geheiratet? Vielleicht wurde Emil nach seiner schweren Verwundung (an der Westfront?) nach hause entlassen und ist dort entweder in Schneidemühl noch mal operiert worden und dann innerlich verblutet? Oder erholte er sich ganz von der Kriegsverwundung und erkrankte dann an Hämorrhiden, die dann zur fatalen Operation führten?

Nächste Schritte und Fragen:

Emils erste Ehe – ganz klar will ich diese Heiratsurkunde finden. Nur wo ist die Heiratsurkunde zu finden? In den Heiratsurkunden von Schneidemühl? Usch hatte kein eigenes Standesamt …

August Spickermann und Auguste Lemke. Daten, Fakten, alles was ich finden kann. Erste Anhaltspunkte sind gefunden, davon später mehr.

Die größte Überraschung: Elisabeths Eltern! Elisabeths Geburtsurkunde konnte ich nicht finden. (Auch dazu später ein bißchen mehr.) Das Kirchenbuch, welches ihre Geburt wohl verzeichnet hat, liegt im Diozösanarchiv in Köslin. (Schriftliche Anfragen teuer, Antwort nur auf Polnisch – es ist wesentlich lohnender einmal nach Köslin zu fahren und dort vor Ort zu suchen. Dort dürfte nicht nur in Bezug auf Dahlkes und Spickermänner eine Goldmine sein.

Aber was ich direkt als nächsten Forschungsschritt anpeile, ist das Forschen in den Totenurkunden.

Dies hier war jetzt ein sehr langer Post. Und dabei denke ich, ich könnte noch viel mehr schreiben, viel mehr Details zufügen. Auch habe ich noch andere Dokumente gesehen, die ich in einen Zusammenhang stellen kann. Aber ein Schritt nach dem anderen.🙂

 

2 Gedanken zu „Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann

  1. Pingback: Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke | verenahartmann

  2. Pingback: die Binnenböses aus Schneidemühl | verenahartmann

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