Anna Spickermann wird geboren

AS_Geburt_01Das nächste Dokument, welches ich vorstellen möchte, ist die Geburtsurkunde von Anna Spickermann, meiner Oma mütterlicherseits.

P1350003klBatch-Nr. 302047.

„Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1912“

AS_Geburt_02„Geburtsurkunde Nr. 66 [aus dem Jahr 1912]

Schneidemühl am 25. Januar 1912.

AS_Geburt_03„Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, der Arbeiter Emil Spickermann wohnhaft in Schneidemühl Feldstrasse 14.

Katholischer Religion, und zeigte an, daß von der Elisabeth Spickermann geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion, wohnhaft bei ihm,

AS_Geburt_04„zu Schneidemühl in seiner Wohnung am 25. Januar des Jahres 1912 vormittags um zehneinhalb Uhr ein Mädchen geboren worden sei und daß das Kind den Vornamen Anna erhalten habe.

AS_Geburt_05„Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben Emil Spickermann

Der Standesbeamte [zwei Unterschriften übereinander]

N. [Nachtrag?] Geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 Schneidemühl“

Auswertung:

Bereits am 25. Januar 1912 wurde vom Standesbeamten die Nr. 66 für eine Geburtsurkunde vergeben. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass Schneidemühl stetig wuchs; immer mehr Familien aus den Nachbarortschaften kamen nach Schneidemühl, da sich hier mehr und mehr Industrie- und Handelsbetriebe ansiedelten.

Arbeiter Emil Spickermann –> interessant ist, dass anscheinend der Standesbeamte aus dem „c“ nachträglich ein „e“ machte. Das hier wäre allerdings der einzige mir bekannte Beleg, bei dem der Nachname mit „iek“ und nicht mit „ick“ geschrieben wurde. Ursache dürfte die Unterschrift von Emil gewesen sein. Dort hat er das „c“ ein bißchen gehuscht. So schnell entstehen Namensänderungen!

Die Adresse Feldstraße 14 ist der Wohnort und auch der Ort, an dem Anna zur Welt kam.

Emil und Elisabeth sind beide katholischer Religion, auch werden hier keine neuen Varianten ihrer Namen erwähnt. (Außer dem oben Erwähnten.)

Das Datum der Geburt von meiner Großmutter kannte ich. Allerdings auch ausschließlich aus Dokumenten aus der Nachkriegszeit. Eine neue Zusatzinformation ist die Uhrzeit – „vormittags zehneinhalb“ – dies lese ich als 10.30 Uhr.

Und tatsächlich hat Anna keinen zweiten Vornamen – ihre Eltern nannten sie nur „Anna“.

Auch auf diesem Dokument ein standesamtlicher Nachtrag aus dem Jahr 1939. Entweder war in dieser Zeit ein sehr gewissenhafter Standesbeamte zuständig für die Einträge oder – was mir nicht unwahrscheinlich erscheint – hat sich etwas in der Handhabung im Führen der Dokumente geändert.

Etwa zeitgleich wurden alle Dokumente von Juden oder jüdisch-stämmigen Personen abgeändert. Allen Männern wurde der zusätzliche Vorname „Israel“ zwangseingetragen, allen Frauen der zusätzliche Vorname „Sarah“.

Ebenfalls zu dieser Zeit mussten fast alle Deutsche ihre Abstammung nachweisen – tauchte dort ein jüdischer Name auf, standen Probleme an.

Auf Annas Geburtsurkunde wurde allerdings „nur“ ihre Heirat aus dem Jahre 1939 nachgetragen.

2 Gedanken zu „Anna Spickermann wird geboren

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