Funde in den Indices aus den Schneidemühler Personenstandsakten

Donnerstag war der große Tag – endlich nach Jahren des Wartens habe ich genau die Mikrofilme gesehen, die ich schon so lange erwartet habe.

Zunächst wurde ich sehr freundlich empfangen und nachdem ich meinen Namen und meine Kontaktdaten auf eine Liste aufgeschrieben hatte, wurde ich zu den beiden Mikrofilm-Lesegeräten geführt, wo bereits die drei von mir bestellten Filme lagen.

Die Lesegeräte sind wohl die bisher ältesten mit denen ich gearbeitet habe. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Umgang mit dem Gerät am einfachsten war, da das Gerät einfach und simpel aufgebaut war. Und der „Komfort“ von Lesegeräten ist ja immer eine Frage des persönlichen Geschmacks – ich finde es angenehm, finde es aber angenehmer mit den Original-Akten zu arbeiten, oder online Scans zu durchsuchen.

Der erste Film, den ich durchschauen konnte war der Heirats-Index. Und die Hochzeit meiner Urgroßeltern fand ich quasi sofort! 1899 in Schneidemühl. Emil Spickermann (also hieß er tatsächlich so!) mit Elisabeth Dahlke. Einige Zeilen darüber ein weiterer Eintrag im Jahre 1899 mit einem Spickermann – ich schätze es ist ebenfalls Emil?

Der nächste Film war der Geburten-Index, in dem der kleine Herbert zu finden sein musste. Zunächst hatte ich einen großen Schreck – ich wußte, er musste in etwa gegen Ende des Jahres 1944 geboren worden sein. Ich drehte den Film bis 1944 … und war erschrocken, dass es nur ein paar Seiten gab und dort kein Klatt zu finden war! Ich drehte den Film weiter, die wenigen Einträge aus 1945 betrachtend, und schwupps, danach kamen dann wieder viele viele Einträge aus der Zeit vor 1945. Und tatsächlich als einer der letzten Einträge von 1944 – Herbert Klatt.

Der dritte Film war dann der Geburten-Index, indem meine Großmutter und ihre Geschwister auftauchen sollten. Als erstes fand ich „Tante Lieschen“, dann meine Großmutter. Lieschen wurde 1902 geboren, meine Großmutter Anna 1912. Wo waren all die Geschwister? Ich drehte und schaute … und fand Eintrag nach Eintrag. Es gibt erstaunlich viele Schneidemühler Spickermänner.

Was wirklich schlecht an diesem dritten Mikrofilm war, war dass die Qualität der Abbildungen, eine Katastrophe waren. Das dürfte am schlechten Zustand der Bücher sein und zum anderen an einer problematischen Tinte? Der spätere Teil des Geburten-Indexes war im Grunde unlesbar, da die Tinte sich aufgelöst hatte.

Diese Erfahrung mit schlechten Überlieferungen von Schriften in Büchern, hat bei mir persönlich zur Folge behabt, dass ich damals in der Schule und dann Berufsschule, mit schwarzer Tinte und Bleistift zu schreiben begann. Blaue Tinte – so meine Erfahrung – verblasst nach wenigen Jahren fast ohne Spur. Schwarze Tinte kann auch verblassen – allerdings bleibt häufig eine gut sichtbare Spur – das dürfte an den schwarzen Pigmenten liegen. (Die auch regelmäßig die Füllerfeder verklumpen, aber naja.) Bleistift, so zumindest meine Feststellung, hält sich für gewöhnlich auch besser als blaue Tinte. … ich frage mich, wie Kugelschreiber-Schrift die Zeiten überdauern wird.

Die Zeit im Center verflog wie im Flug. Ich habe direkt einen weiteren Termin vereinbart.

Dies habe ich aus zwei Gründen gemacht. Der erste: In Krefeld ist es erlaubt die Bildschirme der Mikrofilm-Lesegeräte abzufotografieren. (Dies werde ich beim nächsten Termin nachholen.) Der zweite: Aus meiner Erfahrung ist es einfach besser sich Mikrofilme ein zweites Mal anzuschauen!

Mit Mikrofilmen habe ich seit Jahren nicht mehr gearbeitet. (Es ist ja wunderbar einfach, man gewöhnt sich sofort wieder daran.) Aber es ist bei jedem (!) Mikrofilm für mich wieder wie ein erstes Mal – die drehe und schaue und FINDE! Hurra!! Da ist Emil Spickermann, er heiratet Elisabeth Dahlke! Da steht das Jahr 1899, dort die Register-Nummer ……. was mir einfach leicht passiert ist, dass ich bei der Freude über den Fund dessen, nach dem ich gesucht habe, plötzlich keinen offenen Blick mehr auf das habe, was sonst noch zu finden sein könnte!

Jetzt habe ich eine große Menge Notizen. Habe auch schon mit meinem Patenonkel telefoniert … und direkt schon konkrete Ideen, wonach ich jetzt nochmal (!) im Mikrofilm suchen will.

Das ist schon ein wichtiger Gedanke, denn der Mikrofilm kommt aus den USA. Bisher habe ich „nur“ mit Mikrofilmen in Archiven gearbeitet, die diese Filme aus ihren eigenen Magazinen holen mussten. Es war ärgerlich, wenn ich einen Mikrofilm „zu früh“ wieder zurück schickte, aber es war kein Beinbruch. Es ist mir immer wieder passiert, dass ich einen Mikrofilm nach Jahren noch mal holen musste, weil ich plötzlich wußte, dass ich beim ersten Mal nicht ordentlich und vollständig gearbeitet hatte. Der Mormonen-Mikrofilm fordert von mir ein sehr viel größeres Bewußtsein – habe ich jetzt wirklich ordentlich gearbeitet? Habe ich mit einem guten offenen Blick alles durchgeschaut? Selbst wenn ich jetzt 3.5 Stunden die Filme durchgeschaut habe – habe ich richtig geschaut?

Es ist für mich in gewissem Sinne wirklich so, dass ich mit der Genealogie wieder von vorne anfange. Nur dass ich bereits jahrelange Erfahrung habe. (Auch mit mir selbst in der Genealogie-Forschung.) Das empfinde ich mittlerweile als ganz großes Geschenk.

An dieser Stelle könnte ich einen Ausblick schreiben, oder meine Namenlisten. Allerdings denke ich, macht es mehr Sinn, wenn ich versucht habe den Mikrofilm abzufotografieren.

Vielleicht finde ich ja noch etwas mehr?😉

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