Personenstandsakten Schneidemühl – Mikrofilme bestellen über familysearch.org

So lange ich bereits Familienforschung betreibe, so lange beschäftigt mich der Zugang zu Dokumenten aus Schneidemühl/Pommern.

Damals, vor gut zwanzig Jahren (meine Güte!), begann ich Papiere zusammen zu suchen und diese auszuwerten. Schon damals sagten mir alle Verwandte, mit denen ich sprach (viele leben heute nicht mehr) berichteten, wie schwierig es ist, an Kopien von Dokumente zu kommen, die aus den ehemaligen deutschen Gebieten sind. Damals als ich anfing, war die Mauer bereits gefallen, aber der Zugang zu den Dokumenten war trotzdem extrem schwierig bis unmöglich.

Generell kann man in Bezug auf die ehemaligen deutschen Gebiete im Osten sagen, dass Personenstandsakten – soweit noch vorhanden! – im Berliner Standesamt I gelagert werden. Viele meiner Verwandten, mit denen ich sprach, hatten sich immer wieder an dieses Amt gerichtet in Bezug auf ihre eigenen Dokumente und die ihrer Eltern.

Das Standesamt I in Berlin ist für viele Menschen Ansprechpartner. Es fungiert als Zentralstandesamt und Auslandsstandesamt. Für Genealogen ist es enorm wichtig, da es auch das sog. Ersatzstandesamt in Funktion ist. Sprich, es ist nicht nur ein Archiv, sondern ist ein als eines seiner Funktionen DAS aktive Standesamt für die gesamten ehemaligen deutschen Ostgebieten. Aktiv genutzt wird es tatsächlich immer noch von den Vertriebenen und deren Familien. Vor wenigen Tagen war ich bei meinem lieben Patenonkel Herbert und seiner lieben Frau Mia zu Besuch. Er ist in Schneidemühl geboren und musste noch vor kurzer Zeit selbst (gemeinsam mit seinem Sohn) einen Brief an genau dieses Ersatzstandesamt schreiben.

Dieses eine Amt, welches nicht nur als Ersatzstandesamt für was-weiß-ich-wie-viele Menschen fungiert, sondern auch noch andere wichtige Aufgaben erfüllen muss, ist natürlich mit Arbeit gut versorgt.

Mein Patenonkel erhielt als Antwort auf seine Anfrage einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde, seine Anfrage könnte momentan leider nicht beantwortet werden. Aufgrund von Sanierungsarbeiten und dünner Personaldecke würde seine Anfrage frühstens in 22 Monaten (!!) bearbeitet werden können. Da es sich um eine sehr dringende Erbsache handelte, haben mein Patenonkel und sein Sohn eine detailierte Antwort mit Belegen für die Dringlichkeit verfasst und das dringend benötigte Dokument innerhalb einer Woche erhalten, es liegt also wirklich nicht an der Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter – es ist ein strukturelles Problem.

Ich zum Beispiel möchte ja „nur“ Einblick in die Personenstandesakten meiner Vorfahren. Eine Extra-Wurst oder eine beschleunigte Bearbeitungszeit gibt es für mich nicht. Auch kann ich nicht einfach nach Berlin fahren, mich dort anmelden und selbst durch die Akten suchen, ist ebenfalls nicht möglich, da dass Standesamt I diese Möglichkeit nicht bietet.

Um Einblick in die Personenstandsakten meiner Vorfahren zu erlangen, muss ich also auf anderen Wegen gehen. Ein Weg würde mich nach Polen führen. Dies habe ich bereits vor Jahren recherchiert. Meine Anfragen müsste ich nicht zwingend in Polnisch verfassen, ich könnte auch auf Deutsch schreiben – es würde verstanden werden. Allerdings würde mir auf Polnisch geantwortet werden. Und Kopien der Dokumente würde ich nicht erhalten, sondern polnische beglaubigte Abschriften. In diesen Abschriften – solche habe ich bereits gesehen – sind in polnischer Sprache eingebettet die Personenstandsdaten der jeweiligen Person. Die Abschrift ist verstehbar, allerdings eventuell nicht in allen Einzelheiten.

Im Falle von Schneidemühl habe ich als Familienforscherin großes Glück, denn die Mormonen haben die im Berliner Standesamt I vorhandenen Personenstandsakten abgefilmt. Inwieweit andere Aktenbestände aus dem Standesamt I von den Mormonen abgefilmt wurden, kann ich nicht sagen. Eine Recherche bei familysearch.org wird sich aber sicher lohnen.

Die Konditionen für die Ausleihe der Mikrofilme bei den Mormonen sind seit Jahren stabil. Ich habe es genau verfolgt!😉 Vor einigen Jahren war es nur möglich die Mikrofilme zu bestellen, wenn man eine Buchung für eine Kreditkarte ausführt. Da ich keine Kreditkarte habe und auch nicht vorhabe mir eine anzuschaffen, fiel diese Möglichkeit für mich weg. Jahre später kam dann die Möglichkeit hinzu eine Buchung über PayPal auszuführen.

Die Preise für die Ausleihe und den Versand weltweit haben sich ebenfalls nicht wirklich verändert. Pro Film werden 8,50 Euro für den Versand und Verleih für 90 Tage fällig. (Es gibt die Möglichkeit der Verlängerung und des etwas teureren „endlosen“ Verleihes.) Die Mikrofilme sind dann in den lokalen Familienforschungsstellen nach Terminvereinbarung einsehbar.

Kostengünstig ist diese Variante auf jeden Fall! Die Kosten sind nach Mikrofilm und Entleihzeit gestaffelt. Weiß ich, von einem bestimmten Dokument, welches sich auf einem der Mikrofilm befindet, dann entstehen mir im besten Fall nur 8,50 Euro insgesamt.

Würde ich eine Anfrage für dieses eine Dokument an das Berliner Standesamt I stellen, dann würden mir automatisch mehr Kosten entstehen! Die Kosten für Porto und Papier führe ich hier noch nicht mal an … Gebührenordnung für einen Suchantrag und eine Dokumentenausstellung konnte ich nicht finden. Normalerweise werden aber „Suchanträge“ für gewöhnlich mit um die 30 Euro pro angefangener 30 Minuten berechnet. Diese Suchanträge werden normalerweise fällig, wenn ich nicht genaue und vollständige Angaben habe oder ich eine Urkundennummer angeben kann. Dazu kommt die Neuausstellung des Dokumentes. Unter 10 Euro kostet dies nie. Dies sind die Kosten für ein bestimmtes Dokument.

Auf den Mikrofilmen befinden sich Indeces, auf anderen reihenweise Geburts-, Heirats- oder Todesurkunden. Allein dafür kann man schon den Mormonen herzlich danken!

Die Filmnummern, der Mikrofilme, die ich unbedingt einsehen möchte, habe ich mir schon vor Jahren notiert. Aber hier möchte ich gerne kurz aufführen, wie einfach es ist, Filme bei den Mormonen zu finden und zu bestellen. Dies möchte ich für jeden Leser hier machen, der vielleicht diesen Blogbeitrag über eine Suchmaschine gefunden hat.

Denn es lohnt sich selbst für Deutsche sich bei familysearch.org anzumelden. Natürlich ist der Großteil der gesammelten digitalen Daten und der Mikrofilme mit Bezug auf die USA. Aber es gibt erstaunlich viel europäisches, ja sogar deutsches Quellenmaterial, welches man dort gar nicht vermuten würde!

Bei familysearch.org bin ich schon ewig angemeldet, seit einigen Jahren indexiere ich dort auch. Mein Elternhaus in Krefeld ist nur wenige Gehminuten von der Krefelder Familienforschungsstelle entfernt.

Noch nie habe ich von familysearch eine Spam-Email erhalten. Noch nie hat ein Mormone versucht mich zu bekehren. Getroffen habe ich ein paar, allerdings nicht an meiner Haustür. Am lustigsten war eine Begegnung vor vielen Jahren in Krefeld – an einer Ampel stand ich mit zwei jungen männlichen Missionaren. Gut zu erkennen durch ihre Aufmachung – immer zu zweit unterwegs, immer im gebügelten weißen Hemd, immer mit dunklem Rucksack auf dem Rücken. Häufig selbst in sehr kühlem Wetter – sehr amerikanisch!😀 – mit kurzärmeligen Hemden! Immer sind diese jungen Missionare sehr freundlich und als ich mit den zweien an einer roten Ampel stand, fing ich ein kurzes nettes Gespräch an – es ging glaub ich um eine Wegbeschreibung. Da ich zweisprachig aufgewachsen bin, habe ich mit natürlich sofort mit den beiden auf Englisch unterhalten. Einer der beiden, so stellte es sich heraus, war gerade frisch gelandet in Deutschland. Er antwortete in Englisch und fragte direkt den anderen, ob er denn Englisch sprechen dürfe?! Der andere meinte lachend ‚ja, natürlich!‘. Zwei sehr nette junge Männer. Schlechte Erfahrungen habe ich mit Mormonen also nie gemacht, sogar nette Menschen getroffen.

Die Schwellenangst, die manche deutsche Familienforscher haben, kann ich daher nicht ganz nachvollziehen. (Vielleicht habe ich diese Schwellenangst nie gehabt, weil ich selbst einen amerikanischen Großvater habe?) Die Daten – so zumindest mein jahrelanger Eindruck – sind sicher. Bekehrungstrupps waren auch noch nicht hinter mir her – wäre auch zweckslos, ich bin zu römisch-katholisch. Und die „Sache“ mit dem taufen von Verstorbenen, schüchtert mich auch nicht ein. Also nur Mut! Was gibt es zu verlieren?

Erster Schritt: Auf familysearch.org anmelden. Mittlerweile ist das Online-Angebot der Mormonen in viele Sprachen übersetzt. Deutsch gehört dazu. Das Navigieren ist also vom sprachlichen betrachtet einfach.

Zweiter Schritt: Wir wollen wissen, welche Mikrofilme über Schneidemühl vorhanden sind. Wir gehen auf den Tab „Suchen“. Dort wählen wir „Katalog“ an. Darunter finden sich die Mikrofilme. Ins Suchfenster gibt man den Stadtnamen ein – und es wird direkt eine Liste der möglichen Orte angezeigt unter der man auswählen kann. Schneidemühl wird problemlos erkannt und die Ergebnisse der Suche werden angezeigt.

schneidemuehl_mfilm_01Ich möchte natürlich ziemlich viel aus diesen Beständen wissen. Also suchen wir hier konkret nach dem Geburtstag meines Onkels Herbert Klatt, der irgendwann im Laufe des Jahres 1944 geboren sein muss. Auch möchte ich möglichst viele Geburtsdaten meiner Familie aus Schneidemühle wissen. Ein Geburtsindex wäre toll. Dann wäre da noch meine Unklarheit über die Hochzeit meiner Urgroßmutter. (Sie heiratete einen Witwer, eventuell war sie auch bereits verheiratet gewesen.)

Unter „Zivilstandsregister 1874-1945“ finden sich lauter Mikrofilme, die ich am liebsten sofort alle bestellen würde. Aber ich habe mich für erstmal drei entschieden.

schneidemuehl_mfilm_02Herbert Klatts Geburt müsste sich in Mikrofilm 302015 „Geburts-Index 1936-1945“ finden.

Mikrofilm 302013 „Geburts-Index 1890-1913“ dürfte viele meiner Schneidemühler Verwandten auflisten.

Uroma Spickermanns Hochzeit dürfte sich irgendwo auf Mikrofilm 302016 „Heirats-Index 1878-1913“ finden.

Ich hatte mir noch überlegt, ob ich direkt den Mikrofilm mit den Geburtsurkunden aus dem Jahr 1944 bestelle. Aber mir ist bereits jetzt klar, dass ich natürlich eine weitere Bestellung von Mikrofilmen aufgeben werden muss.

Dritter Schritt: Die Mikrofilmnummern sind gefunden. Bereits hier kann man einzeln auf die Mirkofilme klicken und diese in den Einkaufswagen legen. Alternativ macht man, was ich bereits vor Jahren gemacht habe – mit einem Bleistift auf einem Blatt Papier die Mikrofilmnummern notieren. Danach geht man auf familysearch.org/films um dort die Nummern einzugeben. Die Bestellung ist wunderbar einfach. Alles in den Einkaufswagen, die Forschungsstelle aussuchen, die für einen selbst am günstigsten liegt, danach auf den Einkaufswagen klicken, bestätigen und die Bestellung läuft. Von familysearch erhält man eine Email mit den Details der Bestellung und der Ankündigung, dass man kontaktiert wird, wenn die Bestellung im ausgewählten Familysearch-Center angekommen ist.

Bestellt habe ich die Filme am 20. Dezember 2013. Am Freitag kamen die Mikrofilme in Krefeld an. Samstag vormittag wurde ich angerufen und ein Termin vereinbart. Hätte ich Zeit gehabt, hätte ich direkt am Dienstag vormittag die Mikrofilme anschauen können! (Ich hätte mir die Filme auch nach Köln schicken lassen können, allerdings dachte ich mir, dass es wohl schwieriger ist in Köln einen Termin zu finden, da Köln einfach eine größere Stadt ist. Köln = etwa 1 Mio. Einwohner, Krefeld = etwa 230.000 Einwohner.)

Der Status meines Benutzerkontos auf familysearch.org/films hat sich ebenfalls geändert. Dort wird jetzt angezeigt, dass die Filme bis Anfang April 2014 in Krefeld sind. (Ich kann die Filmentleihe aber verlängern oder die Filme früher zurückschicken.)

Jetzt kann ich mich also darauf freuen die Mikrofilme durchzuschauen! Wie viel Jahre ich darauf gewartet habe – bis die Zahlungsart sich änderte, bis ich Zeit für Familienforschung hatte, bis ich jetzt während meines Studiums Geld dafür zur Seite legen konnte. Ich bin schon etwas erstaunt, dass ich dies alles jetzt wirklich sehen kann. Auch bin ich auf das Familienforschungs-Center gespannt. Vor vielen vielen Jahren war ich schon mal dort, ist aber wirklich lange her. Mit Mikrofilmlesern habe ich dort noch gar nicht gearbeitet. (Ich habe schon mehrfach mit Mikrofilmlesegeräten gearbeitet, allerdings nicht dort.)

Die Vorbereitungen für meinen Ausflug zu den Mikrofilmen laufen: Notizen gemacht, ich weiß, welchen Schreibblock, welches Federmäppchen ich mitnehmen werde. Vielleicht nehme ich meinen Laptop mit. Dort habe ich neben all meinem Uni-Kram natürlich auch meine Genealogie Dateien. Meine Digi-Cam nehme ich wohl auch mit, denn ich weiß nicht, ob ich den Bildschirm des Mikrofilmlesegerätes abfotografieren darf. Wenn ja, wäre das natürlich gut. Eventuell kann es aber sein, dass ich das nicht darf und kostenpflichtige Abzüge auf Wunsch erhalte – aber das werde ich dann sehen.

Gespannt bin ich auch, ob es dort im Center noch andere interessante Sachen und Veranstaltungen gibt. Wie gesagt, ich war seit ewigen Zeiten nicht mehr dort …

Ich werde sicherlich hier im Blog etwas schreiben, sobald ich dort war. Also noch diese Woche! Hurra, ich freue mich, egal was ich finde, es wird spannend sein!🙂

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