„Um wie viel Uhr wurde Mama eigentlich geboren?“

… fragte ich mich. Und ich stellte fest: Ich weiß es nicht! Also dachte ich mir, ich schaue es auf der Geburtsurkunde nach … um schockiert festzustellen, dass ich keine Geburtsurkunde von Mama vorliegen habe!

Ich betreibe Genealogie seitdem ich etwa 14/15 Jahre alt bin. Jetzt, zwanzig Jahre später, stelle ich fest, was ich alles gemacht habe und was nicht.

Bisher habe ich mich im Grunde fast gar nicht mit meiner mütterlichen Seite beschäftigt. Auf meiner väterlichen Seite bin ich erstaunlich weit in die Vergangenheit gelangt. Immer wieder stellte ich mir Fragen zu bestimmten Vorfahren, aber mein klares Ziel war es in die Tiefe zu gelangen. Das ist nicht schlecht, ich stehe zu meinen Forschungen.

Allerdings mache ich es jetzt anders.

Mein konkretes Ziel ist es meine müttlerliche Seite zu erforschen. Dafür habe ich mir alles noch einmal in die Hand genommen, was ich gesammelt habe. Und es neu ausgewertet.

Dann kam mir die Frage nach der Geburtsstunde von meiner Mutter … ich kenne sie nicht!

Mama ist 100%ig katholisch getauft – die Familie meiner Mutter ist sehr katholisch. Aber in welcher Pfarre wurde sie getauft?!

Wie kann es sein, dass mir das jahrelang total entgangen ist – ich bin belustigt und schockiert zugleich.

Aber all das ist ja nichts, was man nicht nachholen könnte.

Mamas Geburtsurkunde fordere ich gerade an. Ihre Taufpfarre versuche ich gerade ausfindig zu machen. (Interessante Frage, die mir jetzt gerade erst durch den Kopf springt – wer waren die Taufpaten? Verrückt, dass mir diese Fragen vorher nicht einfielen!)

Da ich den guten Teil vom November damit verbrachte eine aufziehende Bronchitis zu unterdrücken … und dann fast den kompletten Dezember mit einer fiebrigen Bronchitis im Bett zu liegen, sind bei mir alle Termine und Planungen verrutscht.

Auch habe ich etwas Geld gespart bzw. nicht ausgegen. (Krank im Bett liegen, so stellte es sich heraus, ist billiger als gesund zu sein.) Dieses Geld habe ich also in die Genealogie investiert. Es ist verhältnismäßig wenig, für mich als Studenten allerdings relativ viel. Ein nettes positives Beiwerk davon, dass ich die zwei Monate fast komplett ausgeknockt war.😉

Als erstes habe ich mir zu Weihnachten ein Geschenk gemacht – ich habe bei den Mormonen drei Mikrofilme bestellt. Die drei Filme auf die ich schon seit Jahren ein Auge geworfen habe. Genaueres dazu im nächsten Blogbeitrag.

Als zweites kam dann der große Wunsch – es wird jetzt etwas philosophisch …

Im April 2009 starb meine Mutter an Brustkrebs. Da es in unserer Familie vorher keine Brustkrebs-Erkrankungen, auch keine anderen Krebserkrankungen vorher gab, kam das als ein großer Schock für alle! Mama wurde leider nur 59 Jahre alt.

Schon als Jugendliche beschäftigte ich mich mit Familienforschung. Ich studiere Archäologie. Und natürlich, mit Mamas Tod, beschäftigen mich noch weiteren Aspekte der „Familienforschung“.

Was ich vorher total uninteressant fand, war die ganze DNA-Forschung.

Als bei Mama Brustkrebs festgestellt wurde, war ich – als Frau – nicht nur zu Tode erschrocken wegen Mama, sondern natürlich auch, was das für mich bedeutet. (In meinem Fall hat sich mein Brustkrebs-Risiko nicht erhöht – das habe ich dann aber erst dem zweiten Arzt geglaubt …)

Aber zum ersten Mal beschäftigte ich mich mit dem Gedanken an einen DNA-Test. (In Bezug auf eine Brustkrebs-Wahrscheinlichkeit.)

Eine sehr liebe Freundin von mir, die Ur- und Frühgeschichte studiert, hat vor Jahren einen DNA-Test machen lassen – im Rahmen des Genographic Project. Sie weiß seitdem welcher Haplogruppe sie zugehört – sehr sehr spannend!

Ich las mich in die unterschiedlichen DNA-Tests ein. Und ich muss leider beklagen, dass es im deutschsprachigen Raum und Internet im Grunde keine vernünftige Darstellung zu den Möglichkeiten der Familienforschung mittels DNA-Test gibt. Im englischsprachigen Raum ist man da sehr viel weiter!

Es gibt mehrere Möglichkeiten sich testen zu lassen. Da ist die mtDNA, die Mitochondrien DNA. Diese DNA mutiert mit der Zeit nur sehr langsam und so kann man weit in die Vergangenheit blicken. Mitochondrien können nur von Frauen weitergegeben werden. Dann gibt es die Y-DNA. Das ist die DNA, die nur von Männern weitergegeben werden kann. Will man seine „komplette“ DNA auswerten lassen (in Bezug auf Genealogie!), dann muss man nicht nur möglichst umfassend die mtDNA und die Y-DNA auswerten lassen, sondern auch noch die autosomal-DNA (atDNA).

Ich als Frau kann nicht alle DNA-Tests bei mir durchführen lassen. Die Y-DNA lässt sich bei mir nicht untersuchen. Denn der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist ja XX (Frau) und XY (Mann). Wir erinnern uns an den Biologie Unterricht?😉

Tests, die bei mir möglich sind, sind Tests bezüglich der mtDNA und der atDNA.

Wäre ich ein Mann, dann wären bei mir Tests zu mtDNA, Y-DNA und atDNA möglich. (Ja, in diesem Bereich ist das Leben von der Biologie her ungerecht.)

Ein atDNA-Test, der sehr viel mehr Abschnitte der Chromosome untersucht als ein mtDNA-Test, ist natürlich entsprechend teuerer. Mit meinem sehr kleinen Geldbeutel kommt für mich erstmal nur ein mtDNA-Test in Frage. Und ich habe großes Glück, dass die Preise für DNA-Tests in Deutschland in den vergangengen Monaten sehr viel günstiger geworden sind!

Ja, ich habe mir einen mtDNA-Test über myheritage.de (in Zusammenarbeit mit Familytree DNA in Houston, Texas) bestellt. Inklusive Versand knapp 83,- Euro. Am 1. Januar habe ich eine Bestätigung erhalten, dass mein Geld eingetroffen ist, und am „nächsten“ Werktag, würde der Test an mich verpostet. Wie lange das jetzt von Texas bis nach Nordrhein-Westfalen braucht … keine Ahnung, speziell bei den Wetterkapriolen in den USA momentan.

Was verspreche ich mir davon?

Ich habe schon geschrieben, dass es jetzt philosophisch wird – die mtDNA wird nur durch Frauen weitergegeben. Konkret durch die Eizellen der Frau. (Y-DNA durch das Spermium des Mannes. Die gemeinsamen Kinder „erhalten“ die DNA beider Eltern, können aber nur DNA ihres eigenen Geschlechtes weitergeben. <– Dies ist verkürzt formuliert.)

Ich weiß bedauerlich wenig für die Familie meiner Mutter. Und doch habe ich die intensivsten Familienkontakte in die noch lebenden und mir bekannten Familienmitgliedern aus der Familienseite meiner Mutter.

Auch wenn ich noch nicht die Namen all der Frauen kenne, durch die ich mittels mtDNA verbunden bin. So fühle ich mich doch mit all diesen Frauen sehr verbunden. Speziell, da mir immer wieder gesagt wird, dass ich wie meine Großmutter mütterlicherseits aussehen würde, meine Stimme wie ihre klingen würde … und ich wurde ja sogar nach ihr benannt wurde …

mtDNA mutiert nur sehr langsam. Meine mtDNA wird wahrscheinlich genau die gleiche mtDNA sein, die sie auch meine Mutter hatte.

Und noch philosophischer: Ich habe meine Mutter nicht nur im Blut! Mama habe ich in jeder meiner Körperzellen! Mamas mtDNA, die auch meine mtDNA ist, lebt in mir.

Einen Kinderwunsch habe ich ganz klar. Wie wohl jeder, möchte ich am liebsten ein Mädchen und einen Jungen. Durch die Beschäftigung mit mtDNA und Y-DNA wird mir noch mehr bewußt – die weibliche Seite der Familie lebt in der Tochter weiter – die männliche Seite lebt im Sohn weiter.

Die Trauer über den Tod meiner Mutter bei mir ist immer noch groß. Und erstaunlicherweise habe ich mit dem Wissen über die mtDNA, mit dem Wissen darüber, dass Mama in jeder meiner Körperzellen weiterlebt, Trost gefunden.

Und ein mtDNA-Test ist somit zu einem großen Wunsch herangereift.

Den mtDNA-Test, den ich bezahlt und angefordert habe, ist „nur“ ein ganz einfacher mtDNA-Test. Was ich genau herausfinde, weiß ich noch nicht. Ich werde meine mt-Haplogruppe erfahren. Vielleicht noch einiges mehr …

Wenn ich mal finanziell besser dastehe (und erst dann!) möchte ich unbedingt die komplette Sequenz der mtDNA untersuchen lassen. Zusätzlich dann die atDNA. Damit könnte ich dann ganz konkrete Aussagen über bestimmte genealogische Linien machen. Aber das ist Zukunftmusik.

Bis dahin fiebere ich auf das Test-Kit von Familytree DNA zu. Und dann werde ich hoffentlich nicht zu viele Wochen warten, bis die Ergebnisse da sind. (Diese werden übrigens nicht per Post geschickt, sondern auf der Familytree DNA Website eingespielt – nur für mich sichtbar.)

Kurioserweise spüre ich jetzt etwas, was ich bisher bei der Familienforschung nicht spürte – Trost. Mama vermisse ich sehr. Dieser DNA-Test ist ein Stück Trauerarbeit, die ich dringend brauchte. Schon jetzt geht es mir ein ganzes Stück besser und ich habe mehr Kraft und Energie für andere Lebensbereiche. Das finde ich toll! Und ich bin gespannt auf die Ergebnisse …

Und ich bin gespannt auf die Mikrofilme der Mormonen (die wesentlich kostengünstiger waren – aber dazu mehr später). Und auf Mamas Geburtsurkunde.

Das Jahr 2014 beginnt gut für mich. Ich hoffe, Dir, lieber Leser, geht es genauso!🙂

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