Die Spickermanns aus Schneidemühl

Aus all den Notizen, die ich mir gestern beim Besuch bei Resi gemacht habe und allen Notizen, die ich schon vorher gemacht habe, denke ich, dass ich nun versuchen kann die Spickermanns aus Schneidemühl zumindest rudimentär zusammenzustellen zu können. Es gibt aber einige Probleme. Aber ich fange mal damit an, was ich weiß:

Elisabeth Dahlke, geboren 1874 in Schneidemühl, heiratete Emil Spickermann sr. und hatte folgende Kinder:

Emil Spickermann jr. Geboren 1900 in Schneidemühl. Ältestes Kind von Elisabeth und Emil sr. Bäcker, hatte eine eigene Bäckerei in Schneidemühl, aktiv mit dem Werbespruch „Willst Du Dich mit Schmeling messen, musst Du Spickermanns Brot und Kuchen essen!“. Emil jr heiratete Anna Sydow, beide hatten drei Kinder – zwei Töchter und ein Sohn. Der einzige Sohn von Elisabeth und Emil sr., der im 2. WK gefallen ist. Zu Emil gibt es mehrere Einträge in Schneidemühler Adressbücher. Mehr dazu unten beim Eintrag zu Emil sr.

Elisabeth Spickermann. Geboren 1902 in Schneidemühl. Älteste Tochter von Elisabeth und Emil sr. Heiratete Franz Marquardt (ebenfalls aus Schneidemühl). Hatten drei Söhne und lebten später in Viersen. Immer top gestylt und sehr lieb, stets eine echte Dame.  Franz Marquardt taucht in zwei Schneidemühler Adressbüchern auf, jeweils mit dem Beruf „Schlosser“. 1934 Anschrift Plöttker Kolonie 20, 1938 Berliner Str. 105. (Beides aus pommerndatenbank.de)

Franz Spickermann. So sah er aus:

Franz Spickermann

Franz Spickermann

Geboren 1904 in Schneidemühl. Fand Arbeit in Düsseldorf. Als er 1941 nach Schneidemühl zu Besuch kam, erkrankte er an einer eitrigen Rippenfellentzündung an der er in Schneidemühl erlag. Dort wurde er auch bestattet. Er war das erste Kind von Elisabeth und Emil jr, welches verstarb. Elisabeth hatte bis zu ihrem Tod ein großes etwa DINA4 großes Bild von Franz über ihrem Bett hängen. (Eben jenes, welches ich eingescannt habe und oben abgebildet ist.)

Anna Spickermann, geboren 1912 in Schneidemühl. Das jüngste Kind und meine Großmutter mütterlicherseits. Anna lebte ihr ganzes Leben mit ihrer Mutter Elisabeth zusammen. 1939 Hochzeit mit Albin Klatt in Schneidemühl. Etwa Mitte 1944 Geburt des ersten Kindes Herbert. (Er starb auf der Flucht aus Pommern.) 1949 Geburt der Tochter Regina in Handorf. Ab ca. 1950 lebte sie bis an ihr Lebensende gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Familie in Krefeld. Starb Anfang 1978 an Parkinson in Krefeld. Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof. (Familiengrab, besteht noch. Später wurden ihr Ehemann Albin und ihre Tochter Regina im gleichen Grab beigesetzt.) In der pommerndatenbank.de taucht Anna zweimal auf: 1934 in der Feldstr. 14, keine Berufsangabe (sie war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt). Sie lebte gemeinsam mit ihrer Mutter Elisabeth und ihren Brüdern Bruno und Leo. 1938 taucht sie als „Arbeiterin“ in der Königsblicker Str. 28 auf. In diesem Haus wird sie gemeinsam mit ihrer Mutter bis zur Flucht leben. 1938 ist dort kein weiterer Spickermann gemeldet. Ihr zukünftiger Mann Albin, den sie 1939 im Herbst heiraten wird, ist 1938 auf dem Gönner-Weg 2 in Schneidemühl als „Arbeiter“ gelistet.

So weit so relativ einfach. Was jetzt kommt … ist etwas komplizierter. Zunächst, weitere Spickermann-Kinder:

Bruno Spickermann. Geboren in Schneidemühl, wann weiß ich nicht. Am 4. Juni 1965 lebte er noch, da er einen Brief an die Krefelder (Trauer-)Familie schrieb. Er heiratete eine Schwester von Albin Klatt, Helene Klatt aus Riege/Deutsch Krone. Lt. pommerndatenbank.de ist er 1934 gemeinsam mit Schwester und Mutter und Bruder Leo in der Feldstr. 14 gelistet. Es ist kein Beruf für ihn aufgelistet. 1938 ist Bruno auf der Eichberger Str. 28 als „Arbeiter“ gelistet.

Leo Spickermann. Geboren in Schneidemühl. Auch er lebte im Juni 1965 noch. Ebenfalls aus der pommerndatenbank.de – Leo wurde 1934 in der Feldstr. 14 gemeinsam mit Mutter, Schwester Anna und Bruder Bruno gelistet. Als Beruf steht bei ihm „Tapezierer“. 1938 ist er auf der Saarlandstr. 4 ebenfalls als „Tapezierer“ aufgelistet.

Die Eltern, puuuh, jetzt wird es kompliziert.

Elisabeth Dahlke. Über sie habe ich schon mal gebloggt. Lt. ihrer Sterbeurkunde wurde sie 1874 in Schneidemühl geboren und ihr bereits verstorbener Ehemann hieß Emil Spickermann. Da diese Urkunde 1965 in Krefeld ausgestellt wurde, steht da „natürlich“ der Vermerk, dass die Angabe über Geburt und Ehemann nicht beglaubigt sind. Aber eigentlich steht da sogar: „Elisabeth Spickermann, geborene Dahlke […] (geboren 1874) in Schneidemüh, Mark Brandenburg. […] Witwe von Emil Spickermann, Familienstand nicht nachgewiesen.“

Es war Schneidemühl (sic!) im Stadtkreis Schneidemühl, in der Provinz Pommern. Das ist sicher. Der Vorname von Elisabeths Ehemann taucht „offiziell“ nur hier auf. Wann sie Emil Spickermann heiratete, weiß ich nicht … es kommt noch ein Problem dazu – Emil starb relativ früh …. und mit Emil war sie in zweiter Ehe verheiratet. Elisabeth, vermutlicher Geburtsname Dahlke (aber einen richtigen Beleg dafür habe ich tatsächlich nicht!), wurde bereits in ganz jungen Jahren zum ersten Mal Witwe.

Wenn ich die pommerndatenbank.de nach Elisabeth Spickermann bzw. nach Elisabeth Dahlke durchsuche, dann wird es aberwitzig. Wenn ich mir nur die Einträge von Schneidemühl anschaue, dann komme ich wieder auf die Adressbücher vo 1934 und 1938. Als „Wirtschafterin“ ist sie 1934 in der Feldstr. 14 aufgeführt. Vermutlich war sie zu diesem Zeitpunkt Witwe. Wahrscheinlich bereits zum zweiten Mal. 1938 ist Elisabeth als „Witwe“ in der Königsblicker Str. 28 gelistet.

Es tauchte in den Gesprächen über die Familie Spickermann immer wieder ein Theodor auf, ein Mann mit illustrer Lebensgeschichte. Da muss ich noch mal in der Verwandschaft nachfragen, vielleicht kam er aus der ersten Ehe?

Emil Spickermann sr. Lebensdaten sind mir nicht bekannt. Ob ich ihn auf einem Foto mal gesehen habe, könnte sein, so zum Beispiel auf dem Hochzeitsfoto im vorherigen Blogpost. Lt. Resi starb Emil sr. als Emil jr. 15 Jahre alt war, sprich 1915. Gestorben ist er während einer Hämoriden-Operation. Ein recht banaler Grund. Ob Emil sr. im 1. WK eingezogen war, weiß ich nicht. Elisabeth war 1915 keine junge Witwe mehr, sie war bereits 41 Jahre alt. (Für damalige Verhältnisse eine alte Frau.) Ob der weitere Ehemann von Elisabeth vor oder nach Emil kam, ist letztensendes nicht wirklich festzustellen – das wird eine Aktensucherei nur klären können.

Jaa und wenn ich die pommerndatenbank.de nach Emil Spickermann durchsuche und nur die Einträge in Schneidemühl berücksichtige, dann steht dort: 1934 und 1938 ein Bäcker – das wird Emil jr. sein! 1934 in der Berliner Str. 29, 1938 in der Plöttker Kolonie 23. Von Resi weiß ich, dass die Familie von Emil Spickermann jr. ihre letzte Adresse auf der Bromberger Str. 24 hatten.

Und tatsächlich ist ein weiterer Emil Spickermann 1934 und 1938 in den Adressbüchern von Schneidemühl. 1934 ein „Krim.-Assistent“ , 1938 ein „Krim.-Sekretär“. Beides mal die Adresse Bismarckstr. 46. Es leben noch weitere Spickermänner in Schneidemühl zu denen dieser Emil Spickermann gehören könnte. Das ist also erstmal kein Unheilszeichen … nur ein Beleg dafür, wie wenig ich über meinen Urgroßvater weiß … leider.

Aber es gibt Hoffnung, auch wenn ich leider erstmal zu abgebrannt bin um das anzugehen, aber das läuft ja nicht weg – die Geburten der Spickermann-Kinder sind von den Mormonen verfilmt. Der Index sowie auch die Geburtsurkunden. Dort dürfte der komplette Name der Eltern stehen. Mit etwas Glück vielleicht auch Emils Geburtstag?

Dennoch bin ich gerade ganz überweltig, wie viel ich über die Spickermänner zusammengetragen habe. Es gibt noch mehr Details, aber nicht alles gehört ins Internet. Spannend wäre als nächster Schritt jedem Spickermann Bilder zuzuordnen, zu scannen und neben den Namen zu setzen. Überrascht hat mich, wie viele Spickermänner den 2. WK überlebt haben (und da beziehe ich auch die Flucht aus Pommern mitten im bittersten Winter mit ein). Es ist erstaunlich, was Menschen überleben. Aber sowieso – die Geschichte der Schneidemühler Spickermänner ist eine Geschichte des Überlebens, wieder Aufstehens und wieder Aufbauens. Nach dem Krieg mussten alle mit Null anfangen und alle „sind was geworden“. Und das ist es, was mich an Genealogie so fasziniert – hinter all den Daten, die man sammelt, erscheint plötzlich ein Mensch mit einem Leben, manchmal schicksalhaft schwer, manchmal voller Freude. Jeder einzelne ist wichtig und spannend … und wir sollten uns an jeden einzelnen erinnern können.🙂

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