Ortskunde am Beispiel Riege/Deutsch Krone, Teil 1

In den letzten Tagen habe ich versucht alle Informationen, die mir zu einem genealogisch interessanten Ort vorliegen, für mich möglichst sinnvoll bei mir abzulegen.

Besonders „gut“ ging dies bei Riege/Deutsch Krone (Pommern), dem Geburtsort meines Opas.

Meine Ortsinformationen sammle ich in einem eigenen Ordner. Dort erhält jeder Ort einen eigenen Unterordner. Darin stets eine Word-Datei, ergänzend Bilddateien mit Kartenmaterial, Google Earth-Bildern u.a. In der Worddatei der deutsche Name des Ortes, gegebenenfalls der heutige Name des Ortes. Dann ein paar Grunddaten, gefolgt von weiteren interessanten Details. Als Abschluss dann eine Auflistung, welche Personen zu welchem nachweisbaren Zeitpunkt dort lebten.

Informationen über die Verwaltung von Riege fand ich vor allem hier
http://gemeinde.riege.kreis-deutsch-krone.de/
und hier
http://www.verwaltungsgeschichte.de/deutschkrone.html

Riege war ein sehr kleiner Ort, heute nennt man ihn „Lezenica“ und er ist immer noch so klein, dass man besser bei Suchen dabei schreibt, dass er sich im Kreis „Walcz“ (heutiger Name von Deutsch Krone) befindet.

Die publizierten Daten auf den beiden Websiten kann ich leider nicht überprüfen, was um so bedauerlicher ist, da dort unterschiedliche Angaben gemacht werden. Während die eine Website (kreis-deutsch-krone.de) eine Bevölkerungszahl von knapp unter 500 (in 90 Haushalten) im Jahr 1925 angibt, so gibt die andere Website (verwaltungsgeschichte.de) mehrere Bevölkerungsstände aus der 1. Hälfte des 20. Jh. an. Dort sind etwa 400 bis später ca. 350 Einwohner angegeben. Genaue Zahlen würden mich schon interessieren, gerade bei so einem kleinen Ort, aber das wird sich fürs Erste nicht näher klären lassen.

Der Ort war überwiegend katholisch. Und wie klein er ist, das schaut man sich besser einfach mal auf einem Bild an:

Quelle: Google Earth, Lezenica, Kreis Walcz, Polen, das ehemalige Riege/Deutsch Krone, Pommern

Quelle: Google Earth, Lezenica, Kreis Walcz, Polen, das ehemalige Riege/Deutsch Krone, Pommern

Ein recht überschaubares Stückchen Welt. Zum Verwaltungsbereich und „Wohnbereich“ von Riege gehörte noch Arnsmühl.
Das katholische Kirchspiel war dem Kirchspiel vom größeren Nachbarort Rose untergeordnet. Dementsprechend wurde das katholische Kirchbuch in der Pfarrei Rose geführt.

An dieser Stelle möchte ich noch nicht konkrete Parallelen zu meinen Vorfahren ziehen, aber ich weiß ja von meinen Verwandten, dass mein Urgroßvater August Klatt über 40 Jahre der Bürgermeister von Riege war. Welche Informationen finden sich dazu?

Riege war eine Landgemeinde und damit in der untersten Stufe der Gemeindeordnung. Vorstand der Gemeinde war ein jeweils für sechs Jahre gewählter Gemeindevorsteher, dieses Amt wurde in den 1930er Jahren als Bürgermeister bezeichnet. Es gab auch einen Gemeinderat.

Übergeordnete Amtszuständigkeiten: Amts- und Arbeitsgericht in Deutsch Krone, Industrie- Handwerks- und Handelskammer in Schneidemühl, Gewerbeaufsicht in Deutsch Krone. Die Einwohner von Riege hatten keine eigene Poststelle, dafür mussten sie ins Nachbardorf Rose.

Es gab eine Kirche, über die ich im Internet eigentlich keine Angaben gefunden habe. In Google Earth sind zwei Bilder eingestellt, ob die Angaben (auch bzgl. der Datierung) richtig sind, weiß ich nicht einzuordnen.

Quelle: Google Earth. Die Kirche von Riege/Deutsch Krone heute.

Quelle: Google Earth. Die Kirche von Riege/Deutsch Krone heute.

Quelle: Google Earth, Innenansicht der Kirche von Lezenica.

Quelle: Google Earth, Innenansicht der Kirche von Lezenica.

Leider konnte ich nicht herausfinden, wie die Kirche in deutscher Zeit hieß. Auch habe ich keine Angaben über den Friedhof von Lezenica finden können, auch über eine Google Suche mit Hilfe des Google Translators (in Polnisch). Zu befürchten ist, dass der Friedhof zerstört wurde, wie es fast ausnahmslos in Pommern geschehen ist.

Vor einiger Zeit habe ich eine alte Postkarte aus Riege/Deutsch Krone auf einer Website eines Auktionshauses gefunden. Hier der Link
http://www.mirko-ansichtskarten.de/show_product.php?products_id=7212&SESS=5538c324a75f69ee227850820aae885c
Zu sehen die Kirche, das Schulhaus und der Gasthof, von dem ich sogar schon in Geschichten von Verwandten gehört hatte. Informationen, die ich aus dieser Postkarte ziehen konnte ist „Jaster’s Gasthof mit öffentlicher Fernsprechstelle“. So klärt sich auch, wo in diesem kleinen Ort der erste öffentliche Fernsprecher angesiedelt war. (Was damals so wichtig war, dass es auf der Postkarte vermerkt wurde.)
Interessant wäre natürlich zu wissen, wer die Personen auf der Postkarte sind. August war damals bereits Gemeindevorsteher und so wäre es denkbar, dass er einer der Männer ist. (Muss aber nicht.)
Von Verwandten weiß ich, dass in diesem Gasthof, wie damals üblich, auch ein Kramladen war, in dem man das wichtigste kaufen konnte.

Und dann wäre da noch das Schulhaus von Riege. Nicht nur auf der Postkarte ist es abgebildet, netterweise findet sich auch ein Foto auf Google Earth. Über die heutige Nutzung des Gebäudes konnte ich nichts herausfinden.

Lezenica_Schule

Quelle: Google Earth, Das Gebäude der Schule von Riege.

Riege war also ein ganz typisches kleines pommersches Bauerndorf. So viel ich weiß, wurde das Dorf während des 2. Weltkrieges nicht bombadiert. (Höchstens mit Stalin-Orgeln beschossen.) Die Bausubstanz, die heute noch in Lezenica zu sehen ist, könnte also tatsächlich noch die alte sein. Was ist zu erwarten? Ein- bis zweistöckige einfache Häuser. Daneben eventuell Werkstätten bzw. Stallungen. Im Internet habe ich nach Bildern vom heutigen Lezenica gesucht. Auch hier sind die auf Google Earth am prägnantesten. (Es gibt aber erstaunlich viele auf diversen Foto-Diensten.)

Quelle: Google Earth, Lezenica, heutiges Straßenbild

Quelle: Google Earth, Lezenica, heutiges Straßenbild

Auf der modernen Luftbildaufnahme kann man sogar rechts die rote Backsteinkirche ausmachen.

Quelle: Google Earth, modernen Luftbild von Lezenica.

Quelle: Google Earth, modernen Luftbild von Lezenica.

Und das ist schon das wenige, was ich im Internet zusammentragen konnte. Ich hoffe, ich finde noch mehr, denn in Bücher habe ich bisher noch nicht geschaut – einfach weil mir bisher keine zugänglich waren. (Und Fernleihe kann ich momentan nicht einfach so finanzieren.) Selbst wenn man keine finanziellen Ressourcen für die Genealogie zur Verfügung hat, kann man doch schon eine Menge herausfinden. Obwohl sicherlich noch viel mehr Informationen herumschwirren, die es zu finden gibt!

Im zweiten Teil der Ortskunde am Beispiel Riege/Deutsch Krone möchte ich dann konkret die mir bekannten Personen „verorten“ und sehen, was sich daraus für Schlüsse ziehen lassen.🙂

3 Gedanken zu „Ortskunde am Beispiel Riege/Deutsch Krone, Teil 1

  1. Pingback: Ortskunde am Beispiel von Riege/Deutsch Krone, Teil 2 | verenahartmann

    1. verenahartmann Autor

      Hallo Margret,
      deutsch-krone.com kannte ich bereits, aber war ich lang nicht mehr schauen. Und den zweiten Link mit dem Buch – welches ich im Anschluss an diese Antwort direkt verschlingen werde😉 – kannte ich nicht. Vielen lieben Dank für die Hinweise!🙂
      Und auch vielen Dank für Lob und Gruß – Dir brauche ich wohl nicht Erfolg wünschen, da ich Deinen Namen immer wieder sehr fleissig aufblitzen sehe.🙂

      Antwort

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