One Lovely Blog Award

One Lovely Blog Award

One Lovely Blog Award

Karen hat mich für den One Lovely Blog Award nominiert. Darüber freue ich mich natürlich sehr! Vielen Dank Karen!

Was ist der One Lovely Blog Award?

Nach mehrfacher Online-Recherche konnte ich im Grunde über die Ursprünge des One Lovely Blog Award nur wenig herausfinden. (Suchen über die großen Internetsuchmaschinen bringt eine Vielzahl von Blogeinträgen zu Tage, in denen genau dies geschildert wird – über die Ursprünge ist nichts herauszufinden.)

Fest steht nur: Man wird nominiert, bedankt sich dafür, schreibt sieben Sachen über sich selbst, nominiert 15 (oder so viel man mag) andere Blogger und teilt ihnen das mit.

Auch wenn ich nicht genau die Ursprünge oder die Urheber ergründen konnte, so kann ich doch in den vielen Blogeinträgen eins erkennen: Man wird von jemanden nominiert, der den jeweils nominierten Blog für interessant genug hält nominiert zu werden mit der kleinen Verpflichtung etwas über sich selbst Preis zu geben und dann den Staffel-Stab weiterzugeben.

Ich verstehe es so, dass ich so Blogs nominieren kann, die mir Freude bereiten und die eventuelle Leser meines Blogs vielleicht noch nicht kennen und mal mit einem Klick kennenlernen können. Diese Idee finde ich gut, deshalb hier:

Sieben Dinge über mich:

  • Ich bin gelernte Speditionskauffrau und mit 30 Jahren an die Uni gegangen um Ägyptologie und Archäologie zu studieren. Mittlerweile studiere ich nur noch Archäologie. (Materielle Hinterlassenschaften erkunden liegt mir sehr viel mehr als Hieroglyphen und mittelägyptische Grammatik auswendig lernen.)
  • In meiner Familie kommen erfreulich häufig “Vornamen-Buchstaben-Paare” vor: Meine Eltern heißen Regina und Roman, meine Großeltern mütterlicherseits Anna und Albin. Annas Eltern hießen Emil und Elisabeth. Emils Eltern hießen August und Auguste. Auf der Seite meines Vaters kommt es auch vor,  ist aber natürlich etwas komplizierter. Meine Oma hieß Elli. Der Soldat, der der Vater meines Vaters war hieß Eddie. Ellis Eltern sind Lina und Lorenz … ich könnte so lustig weitermachen … Da ich selbst Verena heiße, habe ich es mit “V” nicht so einfach. ;) Ich könnte mir aber auch einfach jemanden suchen, der zwei Vornamen hat, die mit dem gleichen Vornamen anfangen – aber das wäre ja irgendwie gemogelt, gell? ;)
  • Ich habe stets eine Flasche 4711 in meinem Rucksack. Nicht nur aus Lokalpatriotismus (ich bin geborene Krefelderin, studiere aber in Köln, habe dort auch lange und gerne gelebt), sondern als Pendlerin braucht man immer wieder mal schnell einen guten Geruch in der Nase …
  • Mein Leben hat sich komplett verändert seit meinem Entschluss aus meinem Beruf (Speditionskauffrau) “zurück” an die Uni zu gehen – nichts ist mehr so, wie es damals war. Sehr schwerwiegende Sachen sind passiert auf die ich keinen Einfluss hatte; vor allem die dramatische Krebserkrankung meiner Mutter und ihr Tod waren extrem schlimm für mich. Aber jetzt, Jahre später und noch lange nicht alle Probleme gelöst und immer noch traurig über einige Erlebnisse, bin ich glücklicher und entspannter als jemals zuvor. Mich haut nix mehr aus den Socken!
  • Ich habe viel zu viele Bücher!
  • Finanziell kann ich es mir momentan vieles nicht erlauben, was mich aber am meisten zwackt ist, dass ich kein Haustier haben kann! Ich war leidenschaftliche Hunde- und Meerschweinchen-Mama und vermisse es sehr ein Tier um mich zu haben.
  • Häkeln und Handarbeiten sind meine Leidenschaft geworden und haben mir in den schweren Jahren sehr geholfen. Ich kann das jedem nur weiterempfehlen – auf die Vorurteile zu Handarbeiten pfeifen und etwas selbst machen. Es gibt kein erfüllenderes Gefühl als etwas Selbstgemachtes in Händen zu halten oder besser noch, anzuziehen!

Ich nominiere:

Nun werde ich einfach ein paar Blogs listen, die ich sehr gerne lese und die (so viel ich weiß) noch nicht für den One Lovely Blog Award nominiert wurden.

A Girl Called Jack – wahrscheinlich schon x-mal für den Lovely Blog Award nominiert, ich liste sie trotzdem. Die alleinerziehende Mutter Jack war in einem Dilemma – sie konnte trotz ihrer Vollzeit-Stelle ihren Sohn nicht in einer Tagesstätte unterbringen. Sie kündigte, in der Annahme, sie würde schnell eine neue Stelle finden. Was folgte war ein finanzieller Totalabsturz, denn sie fand keine neue Arbeit. Aus ihrem Unglück und ihrer Verzweiflung entstand ihr Blog, in dem sie mit den Lebensmitteln, die sie von der Food Bank (vergleichbar den deutschen Tafeln) erhielt, für ihren kleinen Sohn und sich kochte. Sehr inspirierende Lebensgeschichte. Aus ihren pfiffigen und leckeren (!) Rezepten entstand mittlerweile ein erfolgreiches Kochbuch. Momentan postet Jack übrigens weniger häufig – denn sie hat eine neue Vollzeit-Stelle und schreibt an einem weiteren Kochbuch …

Afroculinaria – Michael W. Twitty ist ein “Koch-Historiker” (gibt es einen deutschen Begriff dafür?). Er erforscht afrikanische und afroamerikanische Küchen- und Lebenstraditionen. Ebenso berichtet er über sein jüdisches Leben. Immer spannend, nie langweilig.

Archaeologik – Archäologie-Blog von Rainer Schreg, der sich mit aktuellen Funden, Forschungen, Ereignissen und Meldungen kritisch beschäftigt.

Archäologische Nachrichten – Guido Nockemann unterhält hier einen Blog mit den neuesten Nachrichten aus der Archäologie. Daneben hat er einen weiteren Blog, den ich weitaus spannender finde, und der sogar eine ISSN-Nr. hat – Guido, wolltest Du nicht mal einen Blogbeitrag schreiben, wie man den Blog in Publikationen zitieren kann? ;) (Diss haste doch abgegeben …) Bis dahin kann ich so leider nur auf Archäologie 2.0 mit Hyperlink verweisen und hoffen, dass Guido dort wieder postet …

Blogtor Who – berichtet über alles, was Whovians (Fans der BBC TV Serie Doctor Who) interessieren könnte.

Cafe Johnsonia – US-amerikanischer Food-Blog mit vegetarischen Rezepten, die sich an den Jahreszeiten orientieren.

Dobbys Signature – Dobby stellt in ihrem Blog die Küche Nigerias vor. Ebenfalls ab und an Berichte über das Leben in diesem westafrikanischen Land.

Dreams are what le cinema is for … – Filmbesprechungen älterer Filme. Hier wurde ich auf viele spannende Filme aufmerksam, von denen ich bisher nichts gehört hatte.

Genealogie Timo Kracke – Timo publiziert ebenfalls den Podcast “der Genealoge”. Momentan etwas still (aber darüber beschwere ich mich eh bei niemanden), postet Timo über neue deutsche Genealogie-Blogs oder deutsche Genealogie-Nachrichten.

In the Artifact Lab. Conserving Egyptian Mummies – Blog der Restauratoren des Penn Museum der University of Pennsylvania in Philadelphia. Es werden nicht nur Mumien restauriert.

Jon Crispin’s Notebook – Jon Crispin ist ein Photograph, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Koffer zu fotografieren, die im Willard Asylum gefunden wurden. Diese Koffer, größtenteils leer, sind von den ehemaligen Bewohnern des Asylums zurückgelassen worden. Tragische, intime oder einfach unterhaltsame Augenblicke aus dem Leben der Heimbewohner werden lebendig. (Wohl gemerkt, damals konnte man mit heute leicht behandelbaren vermeintlichen “Krankheiten” – darunter auch Homosexualität – für den Rest seines Lebens weggesperrt werden.) Mehr zu diesem faszinierenden Projekt gibt es hier zu sehen.

nknews.org – Nachrichten und Berichte aus Nordkorea. Sowohl kritisch hinterfragte Kommentare zu Nachrichten als auch Berichte von Flüchtlingen aus Nordkorea. Hinter der Website steht ein ganzes Team von unabhängigen Nordkorea-Spezialisten und Journalisten. Hier gibt es tatsächlich Einblicke in das alltägliche Leben in Nordkorea, so wie es sonst kaum vermittelt wird.

One Free Korea – Ergänzend zum oben genannten Blog – von einem US-amerikanischen Anwalt betrieben, der früher Soldat war. Sehr viel kritischer und mit starker Meinung gegen das nordkoreanische Regime. Stärke des Blogs: Immer wieder Berichte über und Analyse von Satellitenbilder von den offiziell nicht-existierenden prison camps.

Nochmals vielen Dank für die Nominierung für den One Lovely Blog Award, Karen! :)

Saturday Night Genealogy Fun (SNGF) – What date was your grandfather born?

I’m participating in Randy Seaver’s Genea-Musings “Saturday Night Genealogy Fun” (SNGF).

I was debating with myself if I should do this in German and English … and look at the time – I’ll just blog in English, I might participate again in German and not let my over-thinking get in the way next time. ;)

1. What day of the week was your Grandfather born (either one)? Tell us how you found out.

Well, first of: I have three grandfathers to pick from. (More about this – here.) Two I know the certain identify of. Only one of the three grandfathers I’ve met. Therefore I’ll just go into detail with Opa Albin, the only “Opa” (grandpa) I got to know.

Opa Albin was born on August 23rd 1912 in Riege, Kreis Deutsch Krone, Pomerania.

I got this (and other information) from the website http://geboren.am. (Actually I usually look up the day of the week as soon as I find out a date, so this is in my files, but I’m not even sure anymore where I got it from.)

August 23rd 1912 was a Friday.

Opa Albin is my mother’s father. My father has two fathers: His biological father, who I’m still trying to find and his … well, father. His name is Johann Jakob (called Jakob). The biological father was called Eddie.

Jakob was born May 20th 1904 in Worms, Hesse. Incidentally this was a Friday too.

2. What has happened in recorded history on your Grandfather’s birth date (day and month)? Tell us how you found out, and list five events.

On Opa Albin’s birth date (the exact year 1912) in the US, Bobby Dunbar disappeared. (Wikipedia-Entry.) This curious case probably only made small headlines in the bigger national newspapers in Germany. I don’t think my family in Pomerania would have heard about it.

Also taken from Wikipedia – Entry for August 23rd:

In the year 237 BC pharao Ptolemaios III. starts building the temple of Edfu.

In the year 153 BC Roman consul Quintus Fulvius Nobilior loses a whole legion (that 3,600 to 6,000 soldiers!) fighting the Celt-Iberians in Numantia; what is today in Spain.

In the year 1305 William Wallace is publically tortured to death in London.

In the year 1927 Sacco and Vanzetti are executed.

Opa Jakob:

May 20th 1631 – the sack of Magdeburg. During one of the most horrible war crimes ever, around 20,000 people are slaughtered. The newly created German verb “magdeburgisieren” will now for centuries be used to describe total ruthless destruction.

1862 – Lincoln signs the Homestead Act.

3. What famous people have been born on your Grandfather’s birth date? Tell us how you found out, and list five of them.

On Opa Albin’s birth date (in the year 1912!) actor and dancer Gene Kelly was born.

Also sharing Opa Albin’s birth date, but not the same year:

1754 – King Louis XVI of France. He will later be executed during the French Revolution. (His wife was Marie Antoinette.)

1854 – pianist and composer Moritz (Maurice) Moszkowski.

1931 – Barbara “I dream of Jeannie” Eden.

1946 – Keith Moon, drummer of The Who.

Opa Jakob (May 20th 1904):

1764 – Johann Gottfried Schadow – sculptor and creator of the Quadriga on top of the Brandenburg gate in Berlin.

1799 – Honoré de Balzac – French writer – “la comédie humaine”.

1908 – Jimmy Stewart – Actor.

Maria Binnenböse wird geboren

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Aus dem Mikrofilm der Mormonen, Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1874-1876.

“Nr. 170

Schneidemühl, den 13. Mai 1876

Vor dem Standesbeamten erschien heute der Persönlichkeit nach ___________ August Kinowski ___ ___ __kannt

[Für jeden Hinweis, was hier steht, bin ich sehr dankbar - der einzige Grund, warum ich diese Geburtsurkunde nicht früher vorgestellt habe ist, dass ich sie nicht ganz zweifelsfrei entziffern kann.]

der Arbeitsmann Heinrich Carl Binnenböse

wohnhaft zu Schneidemühl, _______ Straße Nr. 3, evangelischer Religion

und zeigte an, daß von der Julia Binnenböse

geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion

wohnhaft __________________ (bei seiner _________ ???)

Schneidemühl, [gleiche Adresse wie Heinrich Carl Binnenböse]

am dritten May [?????] des Jahres 1876″

 

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

“morgens um sieben Uhr

ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen Maria erhalten habe.

Vorgelesen, genehmigt und _______________ [????]

XXX”

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Nachtrag auf dem Dokument:

“Die Entbindende [??] heißt mit Vornamen Johanna nicht Julia

_________________ zufolge Anordnung des Königlichen Landgerichts zu Schneidemühl vom 22. Mai 1896, Schneidemühl der 1. August 1896, der Standesbeamte in Vertretung [Unterschrift]“

Auswertung:

Die Geburtsurkunde zusammen mit Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde und der Heiratsurkunde der Eltern Johanna Dahlke und Carl Heinrich Binnenböse löst erst wirklich das Rätsel, welches sich auftut, wenn man zunächst nur Elisabeths Geburtsurkunde sieht.

Johanna und Heinrich haben nach Elisabeths Geburts geheiratet. Was sich übrigens als Geschenk für die nachfolgenden Generationen herausstellt. Hätten sie vor Elisabeths Geburt geheiratet, wäre keine Personenstandsakte zum Vorgang entstanden und erhalten geblieben.

Johanna wurde anscheinend Julia genannt, hieß aber offensichtlich “amtlich” nicht so. Carl Heinrich wurde offensichtlich Heinrich genannt.

Heinrich konnte sich offenbar auch nicht ausweisen. Kann es sein, dass er keine Papiere zu seiner Abstammung hatte? Das würde mich wundern, denn von Teresa weiß ich, dass offenbar ein Teil der Binnenböses aus Hasenfier nach Amerika auswanderten – um dies zu tun, mussten sie sich bereits vor der Abreise ausweisen. Sollte sich nur ein Teil der Familie mit diesen wichtigen Dokumenten eingedeckt haben?

Auch bin ich immer noch hin- und hergerissen was ich jetzt genau über Heinrichs Schreibkünste denken soll: Konnte er gar nicht lesen und schreiben? Konnte er nur seinen eigenen Namen schreiben? Konnte er es, wollte es aber nicht?

Hier auf Marias Geburtsurkunde unterschreibt er mit drei “XXX”.

Die Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, Marias älterer Schwester, ist ebenfalls mit einem “XXX” unterzeichnet, allerdings anscheinend von Alexander Bukowski. (Wie dieser zu Kind und Mutter steht, weiß ich immer noch nicht.)

Auf der Heiratsurkunde von Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse dann das hier:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

“vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

Carl Heinrich Binnenböse

Johana Dalke [sic!]

Emil Koch

Karl Eduard Graffunder”

Hmmmm …..

Fest steht: Marias Geburtsurkunde wird kurz nach ihrem 20. Geburtstag vom Landgericht Schneidemühl geändert.

Nicht dramatisch, aber zumindest parallel mit der Änderung auf Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde: Mutter heißt nicht Julia, sondern Johanna Binnenböse, geborene Dahlke.

Es wäre toll, wenn die Gerichtsakten aus Schneidemühl noch existieren würde … da muss ich dringend mal recherchieren, ob da noch etwas vorhanden ist!

Vielleicht wollten beiden Töchter ihre Geburtsurkunden für eine folgende Heirat? Auf Verdacht hin ins Blaue wird ja ein Gericht in solchen Angelegenheiten nicht tätig …

Die Person, die anscheinend Heinrich Binnenböse ausweisen/bezeugen konnte, ist mir bisher noch nicht begegnet. Im Adressbuch der Stadt Schneidemühl (über genwiki abgefragt) taucht eine Witwe Wilhemine Kinowski auf der Gartenstr. 15 auf.

die Binnenböses aus Schneidemühl

Ich versuche mal eine kleine Chronologie, der mir bisher bekannten Binnenböse-Daten aus Schneidemühl:

Freitag, 9. Oktober 1874, abends 10 Uhr

Geburt Elisabeth Dahlke

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke – Klick

Donnerstag, 15. Oktober 1874

Ausstellung der Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, 6 Tage nach der Geburt. Das Kind ist noch ohne Vorname, die Mutter wird “Julia Endisch” genannt.

Melder ist der Wohnungsinhaber, in der Elisabeth Dahlke geboren wurde, Alexander Bukowski. In der Geburtsurkunde ist sein Verhältnis zu Mutter und Kind nicht benannt. Alexander Bukowski “unterschreibt” die Urkunde mit “XXX” = er kann seinen eigenen Namen nicht schreiben.

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke – Klick

Samstag, 24. Oktober 1874

Nachtrag auf der Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke. Das Kind wird “Elisabeth” genannt. Leider nur schwer zu entziffern: Alexander Bukowski macht die Meldung über die Namengebung für das Kind.

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke – Klick

Mittwoch, 3. November 1875, zehn ¾ Uhr in Schneidemühl

Heirat von Carl Heinrich Binnenböse mit Johanna Dahlke.

Carl Heinrichs Eltern: Johann Binnenböse (Tagelöhner) und Wilhelmine Heymann. Beide sind bereits in Hasenfier verstorben. Carl Heinrich wurde ca. 1845 in Hasenfier geboren.

Carl Heinrich unterschreibt (!) die Heiratsurkunde. Ebenso unterschreibt Johanna Dahlke die Heiratsurkunde – sie schreibt ihren Nachnamen “Dalke” – diese Schreibung kommt in den Personenstandsakten von Schneidemühl so sonst nie vor. Eventuell können die beiden Eheleute nur gerade einmal ihren eigenen Namen schreiben? Carl Heinrich unterschreibt die Geburtsurkunde von Maria Binnenböse mit “XXX”.

Johanna war drei oder vier Monate schwanger mit Maria Binnenböse. Elisabeth ist etwa 1 Jahr alt.

Quelle: Heiratsurkunde Dahlke-Binnenböse – Klick

Donnerstag, 4. Mai 1876, morgens um 7 Uhr

Geburt Maria Binnenböse, Vater: “Heinrich Carl Binnenböse”, Mutter: “Julia Binnenböse, geborene Dahlke”.

Quelle: Geburtsurkunde von Maria Binnenböse.

Quelle habe ich noch nicht vorgestellt, werde das aber nachholen! 4. Mai kann ich nicht genau verifizieren. (Dazu später mehr.)

Samstag, 13. Mai 1876

Geburtsurkunde von Maria Binnenböse wird ausgestellt, 9 Tage nach der Geburt.

1879

Tod Anna Binneboese, Arbeiterwitwe

Auszug Index Tote 1879 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1879 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1879

1881

Tod Anna Johanna Binnenböse, Arbeiterwitwe, gestorben in Schneidemühl, Ortsteil Grünthal

Auszug Index Tote 1881 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1881 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1881

1891

Tod ___ (?) Binneböse, Kind

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1891

Tod Maria Binneböse, Kind

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1891 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1891

1893

Tod Rosalia Binnenböse, Kind

Auszug Index Tote 1893 Schneidemühl

Auszug Index Tote 1893 Schneidemühl

Quelle: Index Tote Schneidemühl 1893

1894

Geburt Antonia Binnenböse

Auszug Index Geburten 1894 Schneidemühl

Auszug Index Geburten 1894 Schneidemühl

Quelle: Geburten Index 1894

Freitag, 22. Mai 1896

Richterspruch des Königlichen Amtsgerichts zu Schneidemühl: Änderung Geburtsurkunde Maria Binnenböse: Mutter Johanna nicht Julia Binnenböse.

Maria Binnenböse ist 20 Jahre alt.

Quelle: Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Samstag, 1. August 1896

Die Geburtsurkunde von Maria Binnenböse wird gemäß des Gerichtsbeschlusses des Amtsgerichtes zu Schneidemühl vom 22. Mai 1896 geändert.

Quelle: Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Adressbuch Schneidemühl 1896

abgefragt über die Datenbank der Computergenealogen:

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstraße 6

Rosalie Enders, Witwe, Feldstraße 19 (die Mutter von Johanna Dahlke Binnenböse)

Zu diesem Zeitpunkt ist Elisabeth etwa 22 Jahre alt und ist nicht gelistet. (Welchen Namen hat Elisabeth zu dieser Zeit offiziell? Elisabeth Endisch?) Ebenso taucht Maria Binnenböse nicht unter Binnenböse auf.

Donnerstag, 3. März 1898

Richterspruch des Königlichen Amtsgerichts zu Schneidemühl: Änderung Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke: Mutter Johanna Dahlke nicht Julia Endisch.

Elisabeth ist 23 Jahre alt.

Quelle: Geburtsurkunde Elisabeth Dahlke

Mittwoch, 25. Oktober 1899

Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann in Schneidemühl. Klick

Elisabeths Eltern: Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse, beide bereits in Schneidemühl verstorben.

1902

Geburt Maria Binnenböse, __________________ (??), Schneidemühl

Auszug Index Geburten 1902 Schneidemühl

Auszug Index Geburten 1902 Schneidemühl

Quelle: Geburten Index

Fazit:

Ich bin mir bewußt, dass ich nicht alle Binnenböse/Binneböse Einträge aus Schneidemühl bisher erfasst habe, weil ich einfach noch nicht alle Mikrofilme gesehen habe. Bei einigen Namen habe ich aber starke Vermutungen. So zum Beispiel bei Antonia Binnenböse – es gibt in der Familie eine “Tante Toni”, die eine Schwester von Elisabeth Dahlke war. Auch möchte ich mir unbedingt das Dokument von “Rosalia Binnenböse” ansehen. Johanna Dahlkes Mutter hieß Rosalie Dahlke mit Geburtsnamen und heiratete später einen Eduard Enders.

Johanna Dahlke heiratet Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

Johanna Dahlke heiratet Carl Heinrich Binnenböse. Mikrofilm der Mormonen der Personenstandsakten Schneidemühl, die frühsten in den Personenstandsakten dokumentierten Hochzeiten.

“Nr. 58

Schneidemühl am 3. November 1875 vormittags zehn 3/4 Uhr.

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute als Verlobte:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

1. der Arbeitsmann Carl Heinrich Binnenböse,

der Person nach bekannt, evangelischer Religion, dreißig Jahre alt, geboren zu Hasenfier, wohnhaft zu Schneidemühl

Sohn des Tagelöhners Johann Binnenböse und seiner Ehefrau Wilhelmine geborene Heymann, beide in Hasenfier verstorben.

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

2. die unverehelichte Johanna Dahlke,

der Person nach bekannt, katholischer Religion, dreiundzwanzig Jahre alt, geboren zu Schneidemühl, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der unverehelichten Rosalie Dahlke, später verehelicht (?) Arbeiter Eduard Enders in Schneidemühl.

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

sowie als Zeugen:

3. der Magistrator (??) Emil Koch, der Person nach bekannt, 21 Jahre alt, wohnhaft zu Schneidemühl.

4. der Arbeitsmann Carl Eduard Graffunder

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

der Person nach ____ den ____ Emil Koch ____ Nr. 3 anerkannt (??), 35 Jahre alt, wohnhaft zu Schneidemühl.”

Die Unterschriften:

Heiratsurkunde Johanna Dahlke - Carl Heinrich Binnenböse

Heiratsurkunde Johanna Dahlke – Carl Heinrich Binnenböse

Auswertung:

“vormittags zehn dreiviertel Uhr” = 9:45 oder 10:45 Uhr? In unterschiedlichen Regionen wurde das abweichend gehandhabt … leider weiß ich nicht, wie es damals in Pommern war …

Carl Heinrich Binnenböse – sein Rufname scheint Heinrich gewesen zu sein. 7 Jahre älter als Johanna. Geboren in Hasenfier (offenbar haben keine Personenstandsakten und Kirchenbücher den 2. Weltkrieg überdauert), wo bereits seine beiden Eltern verstorben sind. Bedauerlich, dass keine genauen Geburtsdaten dokumentiert wurden. Aber ich bin dennoch froh über diese Urkunde!

Seine Eltern – sein Vater Johann war Tagelöhner. Falls er seine letzten Jahre in Hasenfier verbrachte, dürfte das ein hartes Leben gewesen sein, Hasenfier war ein kleines Dorf. Von seiner Mutter kennen wir den Namen – Wilhelmine Heymann.

Johanna Dahlke.

Jetzt werden einige Rätsel gelöst: Ihre Mutter hieß Rosalie Dahlke.

Wieder eine unverheiratete Mutter, die später den Kindsvater heiratete.

Aus dieser nun entstehenden Kombi aus unverheirateten Müttern, die später den Kindsvater heirateten:

Rosalie Dahlke – Johanna Dahlke – Elisabeth Dahlke

lässt sich vermuten, dass sowohl Johanna als auch Elisabeth die ersten Kinder der jeweiligen Mutter waren. (Obwohl das nicht so sein muß!) Meine Uroma Elisabeth war vermutlich die erste seit ihrer eigenen Oma, die vor der Geburt ihres ersten Kindes heiratete.

Und lustigerweise habe ich immer noch keinen direkten männlichen Vorfahren mit dem Namen Dahlke dokumentieren können.

Hier kommt der nächste Knaller: Der Vater hieß Eduard Enders!

Wir erinnern uns an das Namenswirrwarr aus Elisabeths Geburtsurkunde, welches vom Amtsgericht entzottelt werden musste??

Dort wird das zunächst unbenannte Kind von einer Julie/Julia Endisch geboren. Später wird dieser Eintrag geändert: Das Kind heißt nun offiziell Elisabeth Dahlke, die Mutter Johanna Dahlke.

Alexander Bukowski, welcher die Geburt meldete, konnte seinen eigenen Namen nicht schreiben. Und kannte nur wenige Details der Familie. Denn er benannte die Mutter als Julia Endisch.

Elisabeths Mutter hieß zu diesem Zeitpunkt – gemäß Amtsgericht – Johanna Dahlke. Sie scheint aber schon mit Eduard ENDERS zusammen gewesen zu sein. Enders – Endisch, das kann eine Verwechslung oder eine lokale falsche Aussprache sein. (Braucht man noch nicht mal viel drüber zu sinnieren.)

Den Namen Enders kenne ich aus Schneidemühl überhaupt noch nicht! Den Namen selbst kenne ich bisher aus sehr alten Kirchbüchern aus ganz anderen Regionen, dort als Kurz- oder Koseform von “Andreas”.

Johanna war 23 Jahre alt bei der Heirat. Leider kein genaues Geburtsdatum, aber dieses dürfte sich in den katholischen Kirchbüchern von Schneidemühl finden lassen.

Die Zeugen erscheinen mir als zufällig. Emil Koch taucht später in Schneidemühler Adressbüchern auf, er scheint Beamter gewesen zu sein. Vielleicht bestand noch eine Bekanntschaft zu dem zweiten Trauzeugen (der sich anscheinend nicht selbst ausweisen konnte) – der Arbeiter Karl (!) Graffunder taucht als einziger Eintrag mit diesem Nachnamen im Adressbuch von Schneidemühl 1896 auf.

Fazit:

Das Namenwirrwarr von Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde ist geklärt!

Schade ist, dass ich bei Hasenfier jetzt erstmal in einer Sackgasse lande. Momentan scheint es so, dass sowohl die Personenstandsakten als auch die Kirchenbücher verloren sind.

Die Binnenböses kann ich also erstmal nur weiter in Schneidemühl erforschen.

Aber die Dahlkes leben in Schneidemühl. Dazu sind sie auch noch katholisch (obwohl Schneidemühl zum großen Teil evangelisch war) und die katholischen Kirchenbücher existieren. (Ich kann es gar nicht häufig genug sagen! :) Die Freude ist so groß. Auch wenn ich erstmal nicht nach Polen komme.)

Neu hinzu kommt der Familienname Enders. Bin gespannt was ich hier finden werde …

Dahlke – Dahlke – Dahlke

Elisabeth Dahlke

Elisabeth Dahlke

Kuriositäten gibt es!

Jahrelang habe ich vor allem die Vorfahren meines Vaters erforscht. Es ging einfacher, da ich einfacher an die Quellen heran kam. Und jeder Familienforscher kennt das Problem: Die Frauen werden leider häufig nur unzureichend dokumentiert.

Ich wüßte gar nicht, von wie vielen weiblichen Vorfahren ich nur den Vornamen (wahlweise Anna, Elisabeth oder Maria) und das Alter (nicht das Geburtsjahr) kenne. Nachname und Geburtsort, da freue ich mich ja schon! Vollständiges Geburtsdatum, Name der Eltern, Geburtsort, das sind ja wahre Träume, die da wahr werden können.

Und so dachte ich auch, auf meiner pommerschen Vorfahrenlinie würde es richtig schwer werden die Nachnamen der Frauen zu erforschen. Die Recherche ist schwierig, aber gaaaaaanz anders als ich es erwartet hatte! :D

Oben abgebildet ist meine Uroma Elisabeth Dahlke. Ein sehr herzlicher, lebensfreudiger Mensch. Sang gerne, hat an sich selbst stets als letzte gedacht. Sehr katholisch.

Geboren ist sie kurz nachdem in Preußen die Personenstandsakten verpflichtend eingeführt wurden. Ihre Geburtsurkunde konnte ich aber erst zuordnen, als ich die Heiratsurkunde/das Familienbuch ihrer jüngsten Tochter las – dort war die Geburtsurkunden-Nr. verzeichnet.

Und da dachte ich nun, Dahlke, das ist ja dann der Name von Elisabeths Vater.

Nein. Elisabeths Vater hieß Heinrich Binnenböse. Ihre Mutter hieß Johanna Dahlke. Das war offensichtlich ihr Geburtsname. Dahlke.

Elisabeths Geburtsurkunde ist gar wunderlich. Ganz anders als jede andere Geburtsurkunde, die ich bisher in Händen hielt. Klick – hier geht’s zu meinem Blogpost darüber. Die Geburt meldete ein Alexander Bukowski (dieser konnte seinen Namen nicht schreiben), die Mutter wird Julie/Julia Endisch genannt. Endisch? Was ist denn das für ein Name?? Vom Amtsgericht Schneidemühl wird der Geburtsname offiziell auf Elisabeth Dahlke geändert, der Name der Mutter zu Johanna Dahlke. Was ist denn da passiert??

Eine Generation zurück. Wer sind die Eltern von Johanna Dahlke?

Und erklären sich jetzt vielleicht ein paar Fragezeichen aus Uromas Geburtsurkunde? …… ;)

Anna Spickermann heiratet Albinus Bernhard Klatt

Anna Spickermann heiratet Albinus Bernhard Klatt

Hochzeitsfoto Anna Spickermann und Albinus Bernhard Klatt

Hochzeitsfoto Anna Spickermann und Albinus Bernhard Klatt

Zunächst eine kleine “wie blöd bin ich” Frage an mich selbst – ich antworte selbst: Manchmal ziemlich stark. Da ich ja eh meine jahrzehnte lange genealogische Forschung umsortiere und besser organisiere, komme ich immer wieder an Punkte, wo ich mich über mich selbst wundere. (zB bei Suchanfragen im Internet Foren-Einträge von mir selbst zu finden, wo ich Dinge frage, zu denen ich eigentlich schon Dokumente vorliegen habe, mir diese einfach mal genauer anschauen sollte.) Bereits vor einigen Monaten hatte ich diesen Moment der Erkenntnis – oder anders: meine Handfläche klatschte an meine Stirn – als ich mir den Mikrofilm der Mormonen anschaute, auf dem der Familienbuch-Eintrag meiner Großeltern mütterlicherseits sich befand.

Foto des Einbandes des Familienbuches aus dem Jahre 1939 aus Schneidemühl

Foto des Einbandes des Familienbuches aus dem Jahre 1939 aus Schneidemühl

Ja, kann denn da was Neues drinstehen, was mir helfen könnte? Eigentlich nicht, oder? Trauzeugen wären spannend, aber Datum und Namen kenn ich doch … den Mikrofilm kann ich ja mal sichten, wenn ich Zeit hab. Denkste Puppe! Hätte ich den Film früher angefordert und gesichtet, hätte ich die Geburtsurkunde meiner Uroma (dazu später sehr viel mehr!) superschnell finden und einordnen können. Aber das ist natürlich nicht alles. Schauen wir uns das Dokument mal gemeinsam an …

Das Dokument:

Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

“Schneidemühl, den 18. Oktober 1939

1. Der Soldat, Kraftwagenführer Albinus Bernhard Klatt, katholisch, geboren am 23. August 1912 in Riege (Standesamt Rose, Kreis Deutsch Krone, Nr. 39/1912), wohnhaft in Schneidemühl, Gönner Weg 2

und die

2. ____(??)gehilfin Anna Spickermann, katholisch, geboren am 25. Januar 1912 in Schneidemühl (Standesamt Schneidemühl Nr. 66/1912), wohnhaft in Schneidemühl, Königsblicker Straße 28 erschienen heute ….

Als Zeugen waren anwesend:

1. Die Arbeiterin Antonia Klatt, durch Arbeitsbuch ausgewiesen, 30 Jahre alt, wohnhaft in Schneidemühl, ____(??)austraße 1

2. Der Kraftwagenführer Johannes Heldt, durch _________(???) ausgewiesen, 26 Jahre alt, wohnhaft in Schneidemühl, _____(??)straße 10.

[Formulartext]

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Die Unterschriften von meinem Opa Albin, meiner Oma Anna, meiner “Tante” Toni und von dem mir bisher unbekannten Johannes Heldt.

Zweiter Teil Heiratsurkunde von Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Zweiter Teil Heiratsurkunde von Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

“2. Teil, I. Eltern der Ehegatten

1. Vater des Mannes: [frei]

2. Mutter des Mannes: [frei]

3. Vater der Frau: Spickermann, Emil,

Arbeiter, (letzter) Wohnort Schneidemühl, kath., Geburtsort Stöwen, Geburtstag 7.11.1870, (Standesamt und Nr.) Pfarramt Schneidemühl

4. Mutter der Frau: Dahlke, Elisabeth

(Beruf durchgestrichen/ausgelassen), Wohnort Schneidemühl, kath., Geburtsort Schneidemühl, 9.10.1874 (Standesamt und Nr.) Schneidemühl Nr. 14

Eheschließung: Schneidemühl, 26.10.1899, Schneidemühl Nr. 109

II. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

II. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

II. Teil Angaben über die Ehegatten

1. Mann

rassische Einordnung: deutschblütig

2. Frau

rassische Einordnung: deutschblütig

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

III. Gemeinsame Kinder

1. Herbert

Geburtsort Schneidemühl, 24. August 1944, (Standesamt und Nr.) Schneidemühl Nr. 1454/1944 [Unterschriftkürzel des nachtragenden Beamten] 25.8.44″

Auswertung:

Zunächst einmal zur Quelle des Familienbuches: Das sog. Familienbuch dieser Zeit ist Teil der Personenstandesgesetze. Es ist im Grunde nicht viel anders als die seit 1874 geführten Heiratsregister. Aber es gibt Feinheiten, die erwähnt werden sollten. Allen voran die Intention der Regierenden dieser Änderung im Personenstandsgesetz: Im ab jetzt zu führenden Familienbuch sollte es für jeden ersichtlich sein, welche Ahnen die Familie hatte. Eingeführt wurde diese Änderung von der Nazi-Regierung am 3. November 1937. Zu dieser Zeit werden Juden und andere “Unerwünschte” bereits massiv diskriminiert und aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt. Zunächst wird hier von den Nazis gesetzlich festgelegt, dass ab nun die “Ahnen” und Nachkommen im Heiratsregister (jetzt: Familienbuch) gelistet werden sollen. Am 19. Mai 1938 folgte eine weitere Gesetzesänderung: Nun sollte auch die ehemalige (!) Angehörigkeit an der jüdischen Religion hier dokumentiert werden.

Während sich die Angaben auf dem Dokument selbst sich kaum änderten, wird aus den Gesetzen selbst klar, dass es hier nicht um eine Familien-freundliche Dokumentation der Personen ging, sondern vor allem um leicht nachvollziehen zu können, mit wem man verwandt war.

Wie man an diesem Dokument sieht, wurde im Fall meines Opas nicht weiter darauf bestanden, dass er seine Vorfahren nachwies. Inwieweit dies verpflichtend war, weiß ich leider so ohne weitere Recherchen nicht. Ich vermute aber, bevor mein Opa Soldat wurde, musste er einen “persil-weißen” Ahnenpass vorweisen. (Ahnenpässe gab es seit 1933.)

Hier begegnen wir also einem Dokument, welches ganz stark von der aktuellen Politik geprägt war. Die Informationen wurden hier nicht nur einfach gesammelt und dokumentiert, es wird auch die Intention sichtbar, warum diese Daten gesammelt und dokumentiert wurden: Damit man stets in der Lage war, die Familienverhältnisse und die jüdischen (oder sonstigen) Einflüsse nachweisen und verfolgen konnte.

Die Angaben unter römische Zwei – “rassische Einordnung – deutschblütig” – brauche ich gar nicht weiter zu kommentieren.

Die verabscheuenswürdige Politik der Nazis greift hier ganz direkt in den Lebensalltag der Menschen hinein. Die willkürlichen Feindbilder werden selbst in Heiratsdokumenten zementiert.

Das Familienbuch selbst bestand aber weiter noch bis ins Jahr 2008 (?). Beim Standesamt wurde weiterhin das Familienbuch geführt, in dem die direkten Vorfahren, die Heiraten, Sterbefälle und Kinder eingetragen wurden. Vermutlich hat auch diese Praxis dazu geführt, dass Ahnenforschung (ich benutze bewußt dieses Wort hier) in Deutschland einen “ungewünschten Geschmack” hat.

Nun aber zu den konkreten Angaben aus diesem Dokument!

Mein Opa Albin war LKW-Fahrer bei der Färberei Erbguth in Schneidemühl. Davor, als er noch bei seiner Familie in Riege/Deutsch Krone lebte, arbeitete er vor allem als landwirtschaftlicher Helfer und Arbeiter. Zu dieser Zeit war er auch bereits Soldat. War aber tatsächlich mehr oder minder von seinen soldatischen Pflichten entbunden und war in Schneidemühl stationiert. Geheiratet haben die Zwei, als Albin, Anna und den anderen klar wurde, dass er tatsächlich als Soldat eingesetzt werden könnte. (Heirat der beiden am 18. Oktober 1939, der Überfall auf Polen war am 1. September 1939 gelaufen.)

Mein Patenonkel erzählt immer wieder von dieser Hochzeit: Alkohol gab es nur mit Bezugsmarken. Die Familienfeier an sich war klein und familiär. Mehrere soldatische Vorgesetzte von Opa hatten sich selbst eingeladen und haben innerhalb kürzester Zeit so viel gesoffen, dass sie total betrunken waren.

Die Adresse, die für Opa gelistet ist – Gönner Weg 2 – passt zu einem Adressbuch-Eintrag aus Schneidemühl aus dem Jahre 1938, wo Opa mit der gleichen Adresse auftaucht.

Oma Annas Adresse ist die “altbekannte” – Königsblicker Str. 28. Hier lebte sie bereits seit Jahren mit ihrer Mutter, ihren Geschwistern (bis diese auszogen) und dort würde sie bis zur Flucht aus Schneidemühl wohnen bleiben.

Zeugen der Hochzeit waren Opas Schwester Toni. “Tante” Toni hatte die beiden verkuppelt. Und mit seiner nur wenige Jahre älteren Schwester, verstand sich Opa immer am besten. Es erscheint nur logisch, dass sie als Zeugin auftaucht. Etwas überrascht bin ich, dass sie scheinbar mit 30 Jahren alleine in Schneidemühl auftaucht. Ist sie nicht nur “Arbeiterin” sondern auch unverheiratet, wie es ihr Nachname ( = Geburtsname Klatt) andeutet? Ihre Adresse kann ich leider immer noch nicht genau entziffern.

Der andere Zeuge ist ebenfalls LKW-Fahrer. Ich vermute er dürfte auch für die Färberei Erbguth gearbeitet haben.

Bei den Unterschriften ist mir direkt aufgefallen, wie Albin, Anna und Antonia ihr “großes A” schreiben. Mag es daran liegen, dass Albin und Antonia aus der gleichen Familie stammen oder in die gleiche Volksschule gingen …

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Unterschriften Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Der Zweite Teil … manchmal “weiß” man ja einfach was. So “wußte” ich einfach, dass in der Heiratsurkunde keine Angaben über meine Urgroßeltern aus Riege stehen würden. Ich wußte es einfach. Eine Enttäuschung es dann auf dem Mikrofilmlesegerät zu sehen, war es dann schon.

Da ich irgendwie schon ahnte oder wußte, dass ich mit diesem Dokument nicht weiter in die Tiefe auf der Klatt Seite komme, habe ich auch diese Dokument lange gar nicht anschauen wollen.

Tja und dann kommen die Angaben von Annas Eltern. Grmpf. Mühsam hab ich die Geburtsurkunde meiner Uroma Elisabeth Dahlke gesucht. Und diese nicht gefunden. Letzendlich habe ich ihre Geburtsurkunde durch dieses Dokument erst gefunden.

Die Angaben zu meinem Uropa dagegen sind einfach nur super erfreulich! Diese fand ich später auch auf der Heiratsurkunde von Uroma und Uropa, allerdings habe ich hier den Vermerk auf etwas ganz Kleines und ganz Wichtiges, was mich springen lässt! :D

Denn Emils Geburt, so steht es hier ganz deutlich zu lesen, ist standesamtlich beurkundet durch das Kirchenbuch der Stadt Schneidemühl! BINGO! Denn das besagte Kirchenbuch gibt es und ist in Polen gut behütet vorhanden. Da ich sowieso in weiter Zukunft nach Polen reisen möchte um genau diese Kirchenbücher zu durchsuchen, bin ich natürlich begeistert!

Und hier kommt nun spätestens der Augenblick, wo ich nur noch laut “NEIN!” rufe … unter römisch Drei sind die Kinder gelistet:

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

III. Teil Heiratsurkunde Albinus Bernhard Klatt und Anna Spickermann

Haaaaaa ………. ich habe Herberts Geburtsurkunde mühselig selbst gefunden, indem ich alle Geburtsurkunden aus 1945 und 1944 gesichtet habe … naaaajaaaaa. Verena, das hätte einfacher gehen können!

Fazit:

Welche neuen Forschungsansätze habe ich nun?

Urgroßeltern “aus Riege”. Tja, wieder nix. Die kriege und kriege ich nicht zu fassen. Manchmal spiele ich sogar mit dem Gedanken, dass bewußt, die Familienverhältnisse im Dunkeln gehalten wurden. Aber bisher habe ich nur den Hinweis, dass die Großmutter mütterlicherseits von Opa einen polnischen Namen hatte. Wäre das ein Grund die Familienverhältnisse zu verheimlichen? Ich glaube eher nicht. Ganz typisch für meinen Opa war einfach, dass er sehr ruhig war und von sich aus nie etwas erzählte. Dazu passen als die Dokumente, auf denen kaum Angaben sind. Mir scheint da keine Intention dahinter zu stehen, sondern einfach nur seine menschliche Art.

Die Personenstandsakten des Standesamt Rose – bisher scheint es so, als seien sie am Ende des 2. Weltkrieges verloren gegangen. Allerdings gibt es ja immer noch die kleine Hoffnung, dass diese Akten in polnischen Archiven schlafen. (Es gibt ja tatsächlich deutsche Aktenbestände, die immer noch nicht gesichtet und indexiert wurden. Die großen und tollen Aktionen der polnischen Archive in neuster Zeit geben Grund zur Hoffnung, dass alle Betroffene zumindest in absehbarer Zeit hier mehr erfahren könnten.)

Einige direkte Forschungsansätze habe ich sofort umgesetzt: Die Geburtsurkunde von meiner Uroma konnte ich nur durch die Geburtsurkunden-Nummern identifizieren. Hierzu gibt es noch viel zu berichten.