Buster Keaton, mein 8. Cousin 3. Grades

Eigentlich habe ich ja nicht mit der Genealogie angefangen um herauszufinden, mit welcher berühmten Persönlichkeit ich verwandt bin.

Aber dann kam ich an den Link zur Website

http://roots-fb.cs.byu.edu/home

und da musste ich es einfach mal ausprobieren! Mit welcher berühmten Persönlichkeit bin ich wohl verwandt?

Auf der Website kann man seinen familysearch.org Stammbaum einlesen und dann wird nach selbst gewählten Kategorien, wie z.B. europäischer Adel, berühmte Amerikaner, … einfach mal selber schauen … Resultate aufgelistet.

Bei mir kam zwar kein europäischer Adel (mit den auf familysearch eingestellten Daten) heraus, aber ich bin mit Buster Keaton, dem berühmten Stummfilm-Komiker verwandt. Das ist natürlich superprächtig, denn neben meiner Leidenschaft für Genealogie, habe ich eine ausgeprägte Leidenschaft für Stummfilme!

Und jetzt bin ich tatsächlich mit Buster Keaton verwandt, wer hätte es gedacht – ich nicht. :)

Aufgelistet wird nicht nur die Person – Buster Keaton – und das Verwandtschaftverhältnis – 8. Cousin 3. Grades – sondern auch das Verwandtschaftsverhältnis selbst.

Gemeinsame Vorfahren mit Buster Keaton

Gemeinsame Vorfahren mit Buster Keaton

Verwandt bin ich über meinen Vater, meinen Opa Johann Jakob Hartmann, über meine Urgroßmutter Lina Lehmann (verheiratet mit Lorenz Eckert – der Fabrikarbeiter, der bei einer Explosion ums Leben kam), über ihre Mutter/meine Altmutter Elisabetha Schäfer (verheiratet mit Gottlieb Lehmann – Schneidermeister in Flörsheim mit illustrer Abstammung) und dann ganz vielen aus der Schäfer Stammlinie hoch bis zur Abbildung hier.

Das ist ja ein schöner Spaß! Da haben Buster Keaton und ich ja gemeinsame deutsche Vorfahren.

Ein weiterer Verwandter ist der US-amerikanische Kunstkritiker und Autor Charles Henry Hart. Der ist mir persönlich unbekannt. Allerdings ist das auch eine lustige Verwandtschaft. Im wahrsten Sinne format-brechend, da versuche ich noch nicht mal die Ahnenreihe ansatzweise hier einzupflegen. Ich sage mal so: Über meinen Vater und den Hartmann-Strang sind wir über viele Ecken verwandt. Charles Henry Hart ist mein 10. Cousin 4. Grades.

Ebenfalls als Resultate ausgeworfen wurden mehrere “bekannte” (allerdings mir persönlich nicht bekannt) Mitglieder der Mormonen.

Das ist ja eine herrliche Spielerei! :D

Und wenn ich noch weitere Verwandtschaftsverhältnisse in familysearch einstelle (da sind noch einige offen, die ich nachtragen könnte, ganz zu schweigen von meinen aktuellen Forschungsständen), dann kann ich das ja noch mal durch diese Website laufen lassen. Würde mich ja wundern, wenn ich nicht mit Karl dem Großen verwandt sei! ;)

Viel Spaß beim selber ausprobieren!!

Meine fünf Haupt-Vorfahrenstränge

Es sind eigentlich vier Haupt-Vorfahrenstränge, nicht? :)

Aber wie jeder Genealogie weiß, keine Familie ist normal. So habe ich z.B. fünf Haupt-Stränge.

Ich versuche mir hier einmal wach zu rufen, welche Stränge ich hier überhaupt verfolge.

HARTMANN – der erste Hauptstrang

Die Hartmänner aus dem Odenwald. Eine Lehrer-Dynastie. Vermutlich auch Gastwirte. (Dazu gleich mehr.) Eine illustre Schar, quasi jedes Mitglied der Hartmänner wird wunderlicher, je mehr ich recherchiere. (Und hier schließe ich auch all die eingeheirateten Familien mit ein.) Zum Teil kann ich die Linie sehr sehr weit zurückverfolgen und die Hartmänner sind “geographisch sehr stabil”. Aktiv an diesem Strang habe ich schon seit Jahren nicht mehr gearbeitet. Aber neue Recherchen würden sich richtig lohnen.

Die Hartmänner sind in meinem Karteikasten blau.

ECKERT – der zweite Hauptstrang

Die Eckerts kommen aus Flörsheim. Ein paar Einheiratungen aus der Fremde, darunter mein italienischer Vorfahre, weshalb es in der Familie immer hieß “Wir stammen aus Italien”. Aber im Großen und Ganzen stammen alle aus Flörsheim. Teilweise sehr weit zurückzuverfolgen. Glücklicherweise kann man nicht nur problemlos die Kirchenbücher über die Mormonen einsehen, es gibt auch einen aktiven Heimatverein mit Publikationen. Für den Herbst 2014 ist übrigens ein zweiter Teil einer Publikation über Flörsheim (Rekonstruktion 1656 – Teil 2 – die Menschen) angekündigt.

Während ich keine der Hartmänner persönlich kennengelernt habe, bin ich mit Flörsheim eher vertraut, auch wenn ich dort nicht lebe. Meine Oma war dort geboren und lebte dort. Und als Kind hat sie mir und meinem Bruder die Flörsheimer Mundart beigebracht. (Ist leider fast nichts von übrig geblieben.)

Meine Uroma aus Flörsheim, Lina Lehmann – verheiratete Eckert, verheiratete Hartmann – war Gastwirtin. Jetzt habe ich Hinweise darüber gefunden, dass Lina nicht die einzige Gastwirtin in der Familie war. Auch die Hartmänner waren anscheinend nach ihren jeweiligen Tätigkeiten als Lehrer (oder zeitgleich – Lehrer waren sehr schlecht bezahlt!) auch als Gastwirte tätig.

Die Eckerts sind in meinem Karteikasten grün.

KLATT – der dritte Hauptstrang

Und jetzt ein riesiger geographischer Sprung aus dem schönen Odenwald in Hessen nach Pommern! Die Klatts und der vierte Hauptstrang sind momentan meine Hauptinteressen! Denn ich weiß jämmerlich wenig über die Familien.

Mein Opa und seine Familie lebten im Dorf Riege im Kreis Deutsch Krone. Das liegt in Hinterpommern und ganz in der Nähe des Raumes, in dem der vierte Hauptstrang lebte.

Was ich herausfand, was mich überraschte: Die Klatts lebten wohl abwechselnd im Dorf und in Schneidemühl. Ob das in Zusammenhang mit der sehr schlechten Gesundheit meiner Uroma lag, kann ich noch nicht unterscheiden. In die Tiefe komme ich momentan auch nicht. Es ist fraglich, ob es noch die Kirchenbücher gibt. In deutschen Archiven oder bei den Mormonen jedenfalls nicht. Eine Reise nach Polen wäre hier erhellend. Dafür fehlt mir momentan vor allem das Geld, ein wenig die Zeit und auch die Polnisch-Kenntnisse.

Die Klatts sind in meinem Karteikasten rot. Wenig verwunderlich, habe ich bisher rote Karteikarten am wenigsten im Karteikasten einstehen.

SPICKERMANN – der vierte Hauptstrang

Die Spickermanns aus Schneidemühl. Der Teil der Familie, dem ich mich schon immer am “verwandtesten” fühlte. Kein Wunder, ich sehe genau wie eine Spickermann aus! :D Die Gesichtszüge, die blauen Augen – Verena ist eine echte Spickermann! (Und das, wo ich mich doch so sehr niederrheinisch, amerikanisch, pommersch und italienisch zu gleichen Teilen fühle!)

Aber es liegt auch sicherlich daran, dass wir in meiner Kindheit jeden Sonntag mit Spickermännern unsere Zeit verbrachten. Meine Großtante, die große Schwester meine Oma, war die Oma, die ich nie hatte. (Meine Oma väterlicherseits lebte in Hessen, meine Oma mütterlicherseits starb wenige Tage vor meinem ersten Geburtstag.)

Die Recherche zu den Spickermännern läuft für mich momentan hauptsächlich über die Mikrofilme der Mormonen. Aber bereits jetzt stoße ich an Grenzen. Denn die Mormonen haben “nur” die Personenstandsregister, die im Oktober 1874 einsetzen.

Die gute Nachricht ist, die Kirchenbücher aus Schneidemühl gibt es noch. Und man kann auch an die Bücher heran. Dafür allerdings muss man nach Polen fahren, zum Diözesan-Archiv. Da ich kein Auto habe, und es mir scheint, dass man da nicht unbedingt ohne Auto so leicht zum Gebäude kann, ist allein das schon ein Problem. Die Kosten, der Zeitfaktor und meine fehlenden Polnisch-Kenntnisse sind ein weiteres Problem. Alles nicht unlösbar, aber so sehr wie ich auf heißen Kohlen sitze, nagt es schon stark an mir.

Alternativ könnte ich Dokument für Dokument per Post anfordern. Aber dafür fehlt mir absolut das Geld!

Die Spickermänner waren Arbeiter und anscheinend Bauern, die aus den umliegenden Dörfern nach Schneidemühl kamen. Aber hier gibt es noch viel herauszufinden.

Die Spickermanns sind in meinem Karteikasten gelb.

EDDIE WHITE – der fünfte Hauptstrang

Oje, hatte ich hier schon von Eddie berichtet? Ich sollte es! Und werde es dementsprechend nachholen.

Durch die DNA-Genealogie dokumentiere ich meine Recherchen zu Eddie White komplett anders. Eddie White ist bisher nicht in meinem Karteikasten vertreten. Und wenn ich ihn endgültig identifiziere, dann kann ich immer noch überlegen, ob die Karteikarten dann wirklich white/weiß werden. ;)

Dennoch ist der farbige Karteikasten eine große Hilfe bei der Arbeit meiner DNA-Genealogie. Habe ich eine Frage, ob ein Familienname, oder ein konkreter Vorfahr bei mir vorkommt, schaue ich in den Karteikasten. Ist die Karteikarte blau, kommt dieser Vorfahre schon mal direkt nicht in Frage. (Blau = genetische Verwandtschaft ausgeschlossen.) Das ist besonders interessant, wenn ich ein DNA-Match habe, und dort die Liste mit den Nachnamen durchgehe.

Und das ist ganz kurz zusammengefasst, ein Überblick über meine ganz große Familiengeschichte.

Karteikarten und Fächeransichten

Da bin ich aber ziemlich überrascht, dass schon wieder ein Monat ins Land gezogen ist, seitdem ich den letzten Blogbeiträge verfasst habe. Andererseits hatte ich in den letzten Monaten und im vergangenen Semester so viel um die Ohren, dass einfach für nichts mehr Zeit blieb.

Für die kommenden Monate sieht es besser aus, da kann ich mich also langsam daran setzen, hier wieder einen normalen Rhythmus reinzukriegen.

Um wieder reinzukommen, beschreibe ich einfach mal, wie ich meine Genealogie umsortiert habe. Das bei anderen zu lesen hat mich immer sehr interessiert. Und Stück für Stück nehme ich Ideen auf und setze sie für mich ein oder wandle sie ab um sie meinen Bedürfnissen anzupassen.

Ich hatte ja bereits angefangen alle meine digitalen Dokumente zu sortieren und ordentlich und systematisch in Ordner abzulegen. Denn bisher habe ich vor allem digital meine Daten verwaltet.

Das werde ich auch in Zukunft tun, aber ich habe festgestellt, dass es extrem nützlich und erhellend (!) sein kann, die Informationen auch (!) physisch griffbereit zu haben.

Diese Einsicht kam mir über einen Umweg. Ich hatte ja einen DNA-Test zusammengespart und machen lassen. Ich suche meinen Großvater. Der war US-amerikanischer Soldat nach dem 2. Weltkrieg und war in Deutschland eingesetzt, wo er meine Großmutter kennenlernte. Noch vor der Geburt meines Vaters wurde seine Einheit verlegt und da meine Großmutter keine Kontaktadresse in den Staaten hatte, brach auch der Kontakt ab. Meine Großmutter heiratete kurz vor der Geburt meines Vaters ihren Stiefvater. (Ihre Mutter, meine Urgroßmutter war wenige Jahre zuvor gestorben.)

Über die Jahre habe ich sehr viel recherchiert, mein Vater auch. Ich habe einige Kandidaten herausgearbeitet. Einer davon ist ein heißer Kandidat. Also muss ein DNA-Test her. (Ich denke, zu all diesem, sollte ich auch mal Blog-Posts schreiben.) So kam es also zu dem DNA-Test.

Und der DNA-Genealogie. Superspannend. Jeder, der sich schon einmal gewundert hat, ob das nicht vielleicht für ihn was wäre, würde ich ermuntern wollen einmal konkret die Optionen zu prüfen.

Durch die DNA-Genealogie musste ich aber auch noch mal meine bereits erarbeiteten Familien durchgehen. Denn jetzt habe ich allerhand Cousins gefunden. Bei einigen habe ich sogar eine ziemlich gute Idee, durch welchen Vorfahren die Verwandtschaft besteht. Bei anderen wieder nicht. Um sicher zu sein und konkret Genealogie mit Cousins abzugleichen, muss ich natürlich meine Dokumentation durchgehen.

Eine der Dinge, die ich im Zuge dessen gemacht habe, die mir plötzlich total neue Einblicke schenkten war, meine Familien in Fächeransicht auszudrucken.

Fächeransichten. Ja, die fand ich so ganz nett. Man sieht halt direkt, wo noch Vorfahren “fehlen”. Und je nach Programm, kann das auch einfach nett aussehen.

Jetzt allerdings als ich darüber grübeln musste, in wie vielter Generation jemand mit mir verwandt sein könnte, habe ich weitere klare Vorteile gesehen.

Zum ersten ganz klar, dass ich am Rand des Fächers daneben schreiben konnte “Großvater, Urgroßvater, Altvater, …”. Ich habe meinen DNA-Test bei FamilyTreeDNA machen lassen. Dort erhält man kalkulierte Verwandtschaftsverhältnisse angezeigt. Wenn mir ein Cousins 2. bis 3. Grades ausgewiesen wird, so wollte ich einfach und schnell sehen, wer meiner Vorfahren als gemeinsamer Vorfahr in Frage käme.

Und tadaaa, mit der Fächeransicht ist das superschnell und einfach. Einmal ausdrucken und schon ist der vermutliche gemeinsame Vorfahr benannt.

Zum zweiten lassen sich geographische Informationen in einem Fächer ebenfalls darstellen. Das war mir neu. Kann sein, dass die ganze Welt das offensichtlich findet, mir ist da echt ein Lämpchen angegangen. Ich habe einfach mit Bleistift die Lebenshauptorte neben die Namen geschrieben und … huch! Die fächern sich genauso auf! Ein Fächerblatt Schneidemühl, ein Fächerblatt, Stöwen, ein Fächerblatt Odenwald-Dörfer, ein Fächerblatt Flörsheim … wow!

Zum dritten wieder die DNA-Genealogie. Denn ich als Frau habe ja eine bestimmte Vererbung des x-Chromosoms. Das hätte ich jetzt auch mittels der Kekule-Nummer in einer Liste verwalten können. Aber mit einem Ausdruck der Fächeransicht geht das so viel einfacher! Denn jede Frau erbt das x-Chromosom von Vater und Mutter. Jeder Mann jedoch nur von seiner Mutter. (Denn der Vater hat ja ein y-Chromosom.) In der Fächeransicht hab ich mir dann nach Vorbild von diversen Blogbeiträgen, z.B. bei DNA-Explained, die Vorfahren farbig markiert, die mir das x-Chromosom verebt haben (können).

Zum vierten konnte ich dann durch das Betrachten meiner neuen Markierungen und Notizen auf den Fächern ganz neue Zusammenhänge sehen, oder häufig, ganz neue Fragen stellen. Klingt jetzt abstrakt, ist aber halt für jede Person etwas anderes.

Mein Fazit: Fächeransichten haben nicht nur einen optischen Reiz, sondern können konkrete Hilfestellung bzw. Unterstützung in der Recherche sein.

Eine weitere Neuerung, bei der ich mir nur noch an den Kopf fassen kann, warum ich es nicht früher gemacht habe, ist ein Karteikasten führen.

Bisher hatte ich bereits einen – einen digitalen. Das ist so ganz gut gelaufen. Aber jetzt, wo ich mir einen Karteikasten gekauft habe und Pappkarteikarten ausfüllen und sortiere, kann ich kaum glauben, dass ich nicht früher damit angefangen habe.

Für die vier Hauptlinien (meine Großeltern) habe ich unterschiedlich farbige Karteikarten besorgt. Blau, Grün, Rot und Gelb.

Bei mir kommt ja die Besonderheit dazu, dass ich zum einen genetische Verwandte habe, und einen Strang (über meinen väterlichen Großvater – diesen Strang führe ich in Blau), der Familie ist, aber keine genetische Verwandtschaft besteht. Allein das ist schon ein Himmelsgeschenk, wenn ich in meinen Karteikasten schaue, sehe ich direkt, wenn ich eine Frage zum DNA-Test habe, dass die blauen Karteikarten gerade keine Rolle spielen.

Das klingt vielleicht “läppisch”, aber mein Nachname ist “Hartmann”. Ein mittelalterlicher Vorname und dementsprechend häufig, vor allem in Hessen, als Nachname verbreitet; wo nicht nur ein Vorfahrenstrang herstammt. Durch die unterschiedlich farbigen Karten, sehe ich direkt welcher Hartmann über welchen Strang verwandt ist! Warum habe ich das bisher nicht so gemacht?! Ja, auch digital kann man Ordner “einfärben”, aber im physischen Karteikasten ist es so viel einfacher und offensichtlicher!

Die letzten Tage, wenn ich nicht in der Uni oder arbeiten war, habe ich quasi nichts anderes gemacht als Karteikarten zu beschriften. Das ist echt eine Menge Arbeit! Hätte ich vor zwanzig Jahren damit angefangen, wäre das organisch gewachsen und ich würde mir jetzt keinen abbrechen. Dennoch ist es eine gute Arbeit, bei der ich bereits jetzt, wo nur Name, Lebensdaten, Verbindung (aus der Kinder entstammen) und die Kekule-Nummer auf der Karteikarte stehen, schon wieder Neues entdecke – Thema: Ahnenschwund!

Das hat ja jeder irgendwo. Von einigen Fällen wußte ich bereits. Allerdings habe ich gestern beim Karteikarten schreiben ein Elternpaar gefunden, welches jetzt jeweils zwei Kekule-Nummern auf der Karteikarte stehen haben! Das wird auch in Zukunft beim Beschriften passieren, aber bei diesem Elternpaar war mir bisher nicht gewußt gewesen, dass sie “Teil des Ahnenschwunds” waren.

Als Unterscheidung für diese beiden Kekule-Nummern habe ich übrigens die jeweiligen Namen der Kinder des Paares unter die Kekule-Nummer notiert. Ob ich die weiteren “verschwundenen” Ahnen ebenfalls doppelt beschriften soll, weiß ich noch nicht. Bis jetzt beschrifte ich nur die Generation doppelt, bei denen der “Split” auftritt.

Tja, gestern abend sind mir die blaue  Karteikarten ausgegangen. Und dabei beschrifte ich bisher nur die direkten Ahnen. Das wird noch eine Menge Arbeit. Aber es lohnt sich.

Das ist, was bei mir die letzten Wochen passiert ist. Über all die spannenden Details werde ich hier vorstellen.

Herbert Klatt (1944 – 1945)

Wie bereits mehrfach in diesem Blog berichtet, war bereits in meiner Kindheit ein großer Motivator zur Familienforschung das Schicksal meines Onkels zu erkunden. Denn sein Schicksal legte sich wie ein Schatten über das Leben so vieler. Ich bin der festen Überzeugung, das Leben meiner Mutter wäre anders verlaufen. Das Leben meiner Großeltern mütterlicherseits sowieso – es muss einen gewaltigen Schaden nehmen, wenn das eigene Kind stirbt. Aber selbst ich werde emotional wenn ich an den kleinen Herbert denke. Dabei starb er Jahrzehnte vor meiner Geburt.

Seinen dramatischen letzten Weg muss ich noch besser rekonstruieren. Aber jetzt habe ich zumindest etwas ganz Wichtiges vor mir liegen: Herberts Geburtsurkunde.

Ich weiß, dass selbst Mama, die sich nicht besonders für meine Familienforschung interessierte, gerne gewußt hätte, wie alt Herbert tatsächlich war, sprich wann er geboren wurde.

Aus dem Mikrofilm 302080 der Mormonen “Schneidemühl, Zivilstandsregister, Geburten Januar – Mai 1944″:

Geburtsurkunde Herbert Klatt

Geburtsurkunde Herbert Klatt

Als ich das Dokument auf dem Mikrofilmlesegerät so plötzlich vor mir sah, da war ich richtig vor den Kopf geschlagen. Und ich war überrascht wie viele Emotionen in mir hoch kamen, wirklich die ganze Palette … dann begann ich den Inhalt wieder und wieder zu lesen …

“Geburtsurkunde Nr. 1454

Schneidemühl den 25. August 1944

Die Anna Klatt geborene Spickermann katholisch, wohnhaft in Schneidemühl bei ihrem Ehemanne

Ehefrau des Kraftwagenführers Albinus Bernhard Klatt katholisch

wohnhaft in Schneidemühl, Königsblicker Str. 28

hat am 24. August 1944 um 3 Uhr 10 Minuten zu Schneidemühl in ihrer Wohnung

einen Knaben geboren. Das Kind hat den Vornamen Herbert erhalten.

Eingetragen auf mündliche Anzeige der Frau Anna Maria Spickermann, Schneidemühl, Bromberger Str. 42.”

Das ist sie also, die Geburtsurkunde vom kleinen Herbert.

Was mich so umgehauen hat und immer noch umhaut, ist dass so viele Geburtsurkunden im Jahr 1944 gab! Zwei dicke Mikrofilme voll! (Ich hatte ja zunächst den zweiten Film von 1944 bestellt und komplett durchsucht.)

Das sind nicht nur unheimlich viele Dokumente – das sind alles kleine Menschenleben, die gerade geboren wurden. Das sind jedes Mal Mütter, deren Ehemänner wahrscheinlich irgendwo im Krieg eingesetzt sind. Das sind jedes Mal Familien, die sich über ein Kind freuen, ihm alles Gute wünschen und dennoch sich viele Sorgen machen.

Wie viele dieser vielen Kinder werden überlebt haben?

Wenige Monate später, Ende Januar 1945, werden die Bewohner entweder von den angreifenden Russen getötet werden oder sie müssen mitten im Winter flüchten! All diese Kinder werden kaum ein Jahr alt gewesen sein – wie viele werden die Flucht überlebt haben?

Das sind sehr bedrückende Gedanken. Wenn ich dann noch darüber sinniere, wie sehr das Schicksal dieses Kindes das Leben meiner Familie prägte …

Auswertung:

Am 24. August 1944 wurde die 32jährige Anna Klatt (geborene Spickermann) Mutter. Sie hatte sich einen Jungen so sehr gewünscht, und ihr Wunsch war wahr geworden. Der kleine Herbert wurde einen Tag nach dem 32. Geburtstag seines Vaters Albin geboren. So weit ich weiß, war Opa Albin zu dieser Zeit beim Militär. Und die Geburt angefangen hat – sprich die Wehen setzten wohl schon ein – am Tag davor, an Opas Geburtstag.

Und hier habe ich es “schwarz auf weiß” – Opa und ich waren in der gleichen Branche tätig. (Oma auch, beide arbeiteten als “Boten” bei der Firma Erbguth in Schneidemühl.) Opa war LKW-Fahrer, ich bin gelernte Speditionskauffrau und habe bis zu meinem Studium in meinem Beruf gearbeitet.

Ort der Geburt war die Wohnung der Spickermänner – die kleine Wohnung, in der Elisabeth Spickermann (geborene Dahlke) bereits seit vielen Jahren mit ihren Kindern gewohnt hatte. Mit der Zeit waren alle ihre Kinder, bis auf ihre jüngste Tochter Anna, ausgezogen. Und obwohl dies im wahrsten Sinne eine Frauenhaushalt war – Elisabeth früh verwitwert, jetzt in der Kriegszeit lebten die Frauen dort ganz ohne Mann – wird auf der Geburtsurkunde “bezeugt”, dass Anna ihren Sohn in der Wohnung ihres Mannes zur Welt gebracht hätte.

Die Geburt angezeigt hat Anna Maria Spickermann, geborene Sydow. Sie ist die Mutter von Resi, die immer noch sehr lebendig ist. Anna Maria war die Ehefrau von Emil Spickermann, dem Bäcker. (“Willst Du Dich mit Schmeling messen, musst Du Spickermann Brot und Kuchen essen.”)

Der kleine Herbert wurde wahrscheinlich nach Herbert, dem mittleren Sohn von Elisabeth M., Elisabeth Spickermanns-geborene Dahlke ältester Tochter, benannt. (Nachnamen lass ich hier aus, Herbert lebt und ich weiß nicht, ob es ihm recht wäre, wenn sein Name hier offen zu lesen wäre.)

Ausblick:

Wie alt war nun der kleine Herbert als er starb?

Wenn ich davon ausgehe, dass Herbert Anfang Februar 1945 starb (und das scheint sehr wahrscheinlich), dann war er gerade einmal fünf Monate alt.

Ein fünf Monate altes Baby, welches vielleicht gerade einmal damit anfangen kann alleine zu sitzen. Und das ist das Baby, mit dessen Schatten meine Mutter ihr ganzes Leben konkurrierte. Erschreckend.

Es sind diese kleinen Details, die “Krieg” ins “echte Leben” holen. Wie viele Leben zerstört und belastet werden … es ist unbegreiflich.

Noch ungeklärt:

Wann und wo starb Herbert?

In der Familie gab es eigentlich immer unisono die Antwort – “In Eggersdorf. Dort ist er auch auf einem kleinen Friedhof begraben. Tante Tony und Onkel Nikky haben sich um sein Grab gekümmert. Der Friedhof war in der Ostzone, da konnte die Familie, die im Westen lebte kaum hinkommen.”

Eggersdorf ist heute mit dem Dörfchen Petershagen zusammengefasst und befindet sich östlich von Berlin im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.

Dort gibt es tatsächlich zwei Friedhöfe, wobei nur einer damals schon in Funktion war. Dieser befand sich sogar in Laufweite im ehemaligem Haus von Tante Tony und Onkel Nikky.

Aber meine Recherche dort liefen ins Leere. Keine Unterlagen über eine Beerdigung von Herbert Klatt 1945 vorhanden.

Dann hatte ich eines Tages die wilde Idee doch einfach mal auf findagrave.com nach “Herbert Klatt” zu suchen. Und siehe da, ich fand einen Eintrag. Kann das sein?!

Eine weitere Suchmaschinensuche … und ich fand dies hier: Online Gefallenendenkmäler.

Auf dem ev. Emmaus-Friedhof in Berlin-Neukölln wird ein “Herbert Klatt” mit dem Todesdatum “1945” gelistet. Keine weiteren Angaben.

Kann es sein?!

Auf diesem Friedhof liegen eine ganze Reihe offensichtlicher Zivilisten – Frauen und Kinder. Hier sind also nicht nur Soldaten beigesetzt.

Ob man da einfach mal anrufen kann? Am liebsten würde ich sofort mit dem nächsten Zug oder Bus nach Berlin fahren und mir dieses Grab anschauen … ob ich auch noch das Todesdatum herausfinden kann? Vielleicht sogar in welcher Klinik er behandelt wurde?

Was ich bereits jetzt anders schreiben kann, wäre der Titel dieses Blogeintrages:

Herbert Klatt (24. August 1944 – 1945)

Es ist immer schön und ein bißchen bewegend, wenn man von einem Familienmitglied ein Lebensdatum ergänzen kann. Aber dieses hier, das bewegt mich ganz tief und ich hoffe, dass irgendwo meine Mutter etwas Ruhe findet.

 

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke

Da will ich doch mal direkt mit einer großen Überraschung anfangen, die eine Merkwürdigkeit nach der anderen mit sich bringt – ich habe tatsächlich die Geburtsurkunde von meiner Uroma Elisabeth Dahlke gefunden.

Geboren wurde sie am 9. Oktober 1874. Anfang/Mitte Oktober 1874 begann die Verwaltung der Stadt Schneidemühl damit, Zivilstandsakten zu führen. Den entsprechenden Mikrofilm der Mormonen bestellte ich mir natürlich … und war enttäuscht. Denn ich fand einfach nicht Elisabeths Geburtsurkunde. Ich war perplex, weil ich einfach davon sicher ausgegangen war, ich würde die Geburtsurkunde sofort finden, direkt am Anfang des Films.

Als ich dann die Heiratsurkunde von meiner Oma Anna Spickermann (Tochter von Elisabeth) mit meinem Opa sah, musste ich einfach noch mal in den Mikrofilm schauen. Denn dort in der Heiratsurkunde waren die jeweiligen Geburtsurkunden Nummern mit den ausstellenden Städten genannt.

Und schwupps!! Die Welt steht ein bißchen Kopf!

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke - allerdings war dies offenbar nicht ihr "Geburtsname"

Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke – allerdings war dies offenbar nicht ihr “Geburtsname”

Hier erstmal das komplette Dokument – jedes Mal wenn ich es betrachte, erinnert es mich an meinen Fehler. Es ist Elisabeth Dahlkes Geburtsurkunde, obwohl ihr Name dort nicht in den entsprechenden Feldern eingetragen ist. (Hart)man(n) muss halt auch stets die Notizen und Änderungen lesen. Denn, wie in diesem Falle, können offizielle Dokumente später geändert oder berichtigt (!) werden.

Aber ich fange mal von vorne an: Diese Aufnahme ist aus dem Mikrofilm “Schneidemühl, Zivilstandsregister, Geburten 1874-1876″.

elisabeth_dahlke_geb_02“Geburtsurkunde Nr. 14

Schneidemühl am 15. Oktober 1874

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Person nach bekannt der Arbeiter Alexander Bukowski wohnhaft zu Schneidemühl, Bromberger Strasse Nr. 23, katholischer Religion”

elisabeth_dahlke_geb_03

“und zeigte an, daß von der unverehelichten Julie Endisch, ______ Wirtin [???], katholischer Religion, wohnhaft zu Schneidemühl in seiner Wohnung am neunten Oktober 1874 abends um zehn Uhr ein Kind weiblichen Geschlechts geboren worden sei, welches einen [?] Vornamen un_____ [?!] erhalten habe.”

Leider kann ich nicht alles lesen. Dabei hab ich sogar schon Hilfe bekommen von der sehr netten Birgit, die ich in der Forschungsstelle kennengelernt habe.

Um diese Geburtsurkunde abzurunden, schauen wir mal auf die Unterschrift des “Melders”:

elisabeth_dahlke_geb_04Na, wenn das nicht das Dokument von 1874 abrundet – der “Melder” der Geburt, Alexander Bukowski, “unterzeichnet” das Dokument mit drei Kreuzen. Sprich: Er konnte nicht schreiben und vermutlich auch nicht lesen.

Normalerweise würde ich jetzt davon ausgehen, dass der zuerst genannt Mann, der auch die Geburt in seiner Wohnung meldet, der Vater ist. Aber naja, das muss halt nicht sein.

Bis hier kann man erstmal feststellen: Es ist kein Mädchen geboren worden, die Mutter hieß Julie Endisch und dem Kind wurde scheinbar kein Vorname gegeben. (Was steht dort genau, ich kann es leider nicht lesen ….)

Aber die Geschichte des Dokumentes geht weiter. Es folgt ein Aktenvermerk vom 24. Oktober 1874. Leider kann ich hier nicht alles entziffern:

“____ Schneidemühl den 24. Oktober 1874 vor dem Standesbeamten erschien der Person nach bekannte Arbeiter Alexander Bukowski und zeigte an, dass von der Julie Endisch am 9. Oktober geborene Kind den Vornamen Elisabeth erhalten habe.”

Wieder von Alexander Bukowski mit drei Kreuzen unterzeichnet.

Wie gesagt, ich kann nicht alles lesen und hier half mir bereits Birgit.

Das Mädchen hat jetzt den Namen Elisabeth Endisch. Gemeldet wurde die Geburt und die Vergabe des Vornamens vom Arbeiter Alexander Bukowski. In dessen Wohnung brachte Julie Endisch das Kind zur Welt.

Und hier der letzte Aktenvermerk:

elisabeth_dahlke_geb_06“Die Mutter des Kindes ist die unverehelichte Johanna Dahlke”

Wieder kann ich Einiges nicht genau entziffern, aber die Änderung erfolgt auf Anordnung des “Königlichen Kreisgerichts zu Schneidemühl am 3. März 1898

Schneidemühl am 08 März 98″

Ein letzter Nachtrag “H. geheiratet No. 109/1899 hier”.

Auswertung:

Was für ein Dokument! So eine Geburtsurkunde ist mir bisher noch nicht begegnet! Und ich mache das ja nun schon seit über 20 Jahren. (Meine Güte bin ich alt mittlerweile ….)

Ich werde das Dokument nun “zeitlich von hinten” aufblättern, so wird es einfacher.

1899 heiratet Elisabeth. Bevor sie das machen kann, muss sie den Behörden ihre Geburtsurkunde vorlegen. Das wird wahrscheinlich bereits 1898 geschehen sein, vielleicht aber auch schon 1897. Denn Anfang März 1898 ordnet das Kreisgericht von Schneidemühl an, dass diese hier vorliegende Geburtsurkunde geändert werden muss. (Wie lange solch ein Antrag und Prozess wohl damals gedauert hat?)

Sagen wir, Elisabeth wollte 1897 heiraten. Zu diesem Zeitpunkt wäre sie dann 22/23 Jahre alt gewesen. Emil Spickermann, ihr zukünftiger Ehemann, war übrigens 26/27 Jahre und bereits verwitwert. Und Elisabeth stellt fest, dass sie laut ihrer Geburtsurkunde Elisabeth Endisch heißt, Vater nicht genannt. Der einzige Mann, der erwähnt wird, ist die Person, in dessen Wohnung sie zur Welt kommt.

Sie geht zum Kreisgericht und die Geburtsurkunde wird geändert. Sie kann heiraten. Die Änderung des Dokumentes erfolgt Anfang März 1898, die Hochzeit findet am 25. Oktober 1899 in Schneidemühl statt.

Klingt das logisch?

Warum ist da “so viel Zeit” zwischen der Dokumentenänderung und der Hochzeit? Über ein Jahr! Fast ein Jahr und sieben Monate. Das ist wirklich lang!

Eine andere Idee. Wir werfen einen Blick auf die Hochzeitsurkunde von 1899.

Dort werden Elisabeth Dahlkes Eltern erwähnt: Johanna Dahlke und Heinrich Binnenböse. Ebenfalls erwähnt ist, dass die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet waren, dies aber später nachholten. Am 25. Oktober 1899 wird ebenfalls erwähnt, dass beide – Johanna und Heinrich – bereits verstorben sind.

Kann es sein, dass Elisabeth damit begann ihre Geburtsurkunde zu ändern, als ihre Eltern starben und es auffiel, dass die Angaben in der Geburtsurkunde nicht korrekt waren? Oder könnte es auch sein, dass die Behörden von selbst begannen einen “Verwaltungsprozess” (wie auch immer geartet) zu starten, um die Angaben auf dem Dokument zu korrigieren?

Andere Dokumente, die hier helfen können Klarheit zu bringen:

index_binnenböse_dahlkeSchlechtes (Arbeits-)Foto aus dem “Personenstandsakten Schneidemühl Index Geburten, Heirat, Tote 1874-1876″.

1875 Binnenböse Carl Heinrich Arbeitsmann und Dahlke Johanna.

1876 wird dort die Geburt einer Maria Binnenböse gelistet. Die Geburtsurkunde habe ich natürlich direkt gesichtet. (Aus dem gleichen Mikrofilm, in dem auch Elisabeths Geburtsurkunde abgebildet ist.)

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Geburtsurkunde Maria Binnenböse

Ich mache jetzt eine kurze Zusammenfassung:

Schneidemühl 13. Mai 1896

Heinrich Carl Binnenböse, evangelisch und seine Ehefrau Julie Binnenböse, geborene Dahlke, am 11. Mai 1896 morgens um 7 Uhr ein Mädchen mit dem Namen Maria geboren wurde. Heinrich “unterzeichnete” mit drei Kreuzen.

Am 22. Mai 1896 wurde ein Nachtrag vermerkt: Angeordnet vom Königlichen Kreisgericht wird geändert, dass die Mutter Johanna nicht Julia heißt.

Auswertung:

Offensichtlich kann das Königliche Kreisgericht sehr schnell Änderungen anordnen. Am 13. Mai wurde die Geburtsurkunde erstellt, das Kreisgericht ließ bereits am 22. Mai die Urkunde abändern.

Interessant ist, dass der Vorname der Mutter geändert wurde. War Julia oder Julie vielleicht ihr Rufname?

Ich rätsel ja immer noch, ob es aus der Verbindung weitere Kinder gibt. Aber die beiden weiblichen Namen – Elisabeth und Maria – machen aus christlich-katholischer Namensgebungstradition stark Sinn. (Es steht hier noch eine Erzählung aus, die ich nachholen werde. Meine Mutter hieß Regina, es gab auch eine Maria. Ich werde darauf zurückkommen.) Vielleicht gab es aber auch noch Jungs?

Offene Fragen:

… die sich vielleicht gar nicht mehr klären lassen …

Sind zu diesen Geburtsurkundenänderungen Gerichtsakten entstanden? Wenn ja, sind diese eventuell noch erhalten im Archiv (in Pila)?

Warum Julie/Julia? Julie französisch ausgesprochen? Ist das vielleicht der Rufname? Gab es in der Familie (die Mutter?) eine weitere Johanna?

Wo kommt der Nachname “Endisch” her?!?

Wer ist Alexander Bukowski und in welchem Verhältnis stand er zu Johanna Dahlke? Lebte Johanna damals bei ihm? Oder war sie nur für die Geburt dort? Das Kind kam um 10 Uhr abends auf die Welt. Hausgeburten waren damals üblich. Häufig werden Hebammen als “Melder” der Geburten gemeldet. Eine Hebamme scheint sich aber nicht mit dieser Geburt beschäftigt zu haben?

Wo war Heinrich Carl Binnenböse zur Zeit der Geburt von Elisabeth? Lebten die zwei zusammen? War Heinrich vielleicht einfach nicht in der Stadt aus welchem Grund auch immer?

Kann es sein, dass Elisabeths Geburtsurkunde gesichtet wurde, als ihre Eltern oder ein Elternteil verstarb? (Erbschaftsreglung?) Oder steht die Dokumentenänderung mit ihrer Hochzeit zu Emil Spickermann in einem direkten Zusammenhang?

Was wurde aus Maria Binnenböse?

Ist das nicht spannend? Für mich kommt das alles sehr unerwartet. Aber immerhin bin ich nicht mehr so perplex wie ich am Anfang war, als ich zuerst merkte, dass die tatsächlich die Geburtsurkunde von Elisabeth ist.

Und jetzt bin ich müde. Bis zum nächsten Blogpost! :)

 

Neuigkeiten! :) Aber wo fang ich bloß an … ?

Lange habe ich nichts hier gepostet – so sehr ich diesen Blog mag, es gibt halt “das echte Leben” wo ich dann erstmal alles erledigt haben muss, bevor ich hier meinen Spaß haben darf.

Und dass, wo ich so nett erwähnt wurde auf der Facebook-Seite vom Pommerschen Greif – so eine schöne Überraschung! (Nur leider grad dann, als ich keine Zeit zum Posten hatte …) Ebenfalls hat mich Timo Kracke auf seine tollen Liste der deutschen Genealogie-Blogger aufgenommen. Toll! Danke an den Pommerschen Greif und Timo Kracke! :)

Aber es gibt viele neue Entdeckungen und damit verbunden neue Fragen zu berichten. Wo fange ich nur an? Ich platze ja förmlich aus den Nähten, aber besser alles schön einteilen und einzeln präsentieren.

Den Geburtstag von Herbert Klatt – meinem Onkel, der als Baby/Kleinkind auf der Flucht aus Pommern im Zweiten Weltkrieg starb – habe ich herausgefunden.

Auch habe ich wohl eine wichtige Information gefunden, die auf seinen Todesort bzw. Begräbnisort hinweisen – nicht in dem Ort, wo ich bisher (vergeblich!) suchte. (Dieser Spur konnte ich aus Zeitmangel nicht nachgehen, obwohl es mir echt stark unter den Fingernägeln brennt!)

Ich habe die Geburtsurkunde von Elisabeth Dahlke, meiner Urgroßmutter gefunden …. und in der Folge eine wunderliche Frage nach der anderen entdeckt.

Ergebnis von meinem mtDNA Haplo-Test ist da. Mittlerweile habe ich auch einen FamilytreeDNA Family Finder Test gemacht und habe seit Samstag früh die Ergebnisse – die superspannend sind!

Auch habe ich einige andere Sachen recherchiert, die verdienen aber eigentlich alle einen einzelnen ausführlichen Beitrag.

So, und womit fange ich an? :)

Ich schaue mir meine Bild-Dateien an, werde mich entscheiden, und dann wohl heute noch posten …. ;)

Anna Spickermann wird geboren

AS_Geburt_01Das nächste Dokument, welches ich vorstellen möchte, ist die Geburtsurkunde von Anna Spickermann, meiner Oma mütterlicherseits.

P1350003klBatch-Nr. 302047.

“Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1912″

AS_Geburt_02“Geburtsurkunde Nr. 66 [aus dem Jahr 1912]

Schneidemühl am 25. Januar 1912.

AS_Geburt_03“Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, der Arbeiter Emil Spickermann wohnhaft in Schneidemühl Feldstrasse 14.

Katholischer Religion, und zeigte an, daß von der Elisabeth Spickermann geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion, wohnhaft bei ihm,

AS_Geburt_04“zu Schneidemühl in seiner Wohnung am 25. Januar des Jahres 1912 vormittags um zehneinhalb Uhr ein Mädchen geboren worden sei und daß das Kind den Vornamen Anna erhalten habe.

AS_Geburt_05“Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben Emil Spickermann

Der Standesbeamte [zwei Unterschriften übereinander]

N. [Nachtrag?] Geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 Schneidemühl”

Auswertung:

Bereits am 25. Januar 1912 wurde vom Standesbeamten die Nr. 66 für eine Geburtsurkunde vergeben. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass Schneidemühl stetig wuchs; immer mehr Familien aus den Nachbarortschaften kamen nach Schneidemühl, da sich hier mehr und mehr Industrie- und Handelsbetriebe ansiedelten.

Arbeiter Emil Spickermann –> interessant ist, dass anscheinend der Standesbeamte aus dem “c” nachträglich ein “e” machte. Das hier wäre allerdings der einzige mir bekannte Beleg, bei dem der Nachname mit “iek” und nicht mit “ick” geschrieben wurde. Ursache dürfte die Unterschrift von Emil gewesen sein. Dort hat er das “c” ein bißchen gehuscht. So schnell entstehen Namensänderungen!

Die Adresse Feldstraße 14 ist der Wohnort und auch der Ort, an dem Anna zur Welt kam.

Emil und Elisabeth sind beide katholischer Religion, auch werden hier keine neuen Varianten ihrer Namen erwähnt. (Außer dem oben Erwähnten.)

Das Datum der Geburt von meiner Großmutter kannte ich. Allerdings auch ausschließlich aus Dokumenten aus der Nachkriegszeit. Eine neue Zusatzinformation ist die Uhrzeit – “vormittags zehneinhalb” – dies lese ich als 10.30 Uhr.

Und tatsächlich hat Anna keinen zweiten Vornamen – ihre Eltern nannten sie nur “Anna”.

Auch auf diesem Dokument ein standesamtlicher Nachtrag aus dem Jahr 1939. Entweder war in dieser Zeit ein sehr gewissenhafter Standesbeamte zuständig für die Einträge oder – was mir nicht unwahrscheinlich erscheint – hat sich etwas in der Handhabung im Führen der Dokumente geändert.

Etwa zeitgleich wurden alle Dokumente von Juden oder jüdisch-stämmigen Personen abgeändert. Allen Männern wurde der zusätzliche Vorname “Israel” zwangseingetragen, allen Frauen der zusätzliche Vorname “Sarah”.

Ebenfalls zu dieser Zeit mussten fast alle Deutsche ihre Abstammung nachweisen – tauchte dort ein jüdischer Name auf, standen Probleme an.

Auf Annas Geburtsurkunde wurde allerdings “nur” ihre Heirat aus dem Jahre 1939 nachgetragen.