Anna Spickermann wird geboren

AS_Geburt_01Das nächste Dokument, welches ich vorstellen möchte, ist die Geburtsurkunde von Anna Spickermann, meiner Oma mütterlicherseits.

P1350003klBatch-Nr. 302047.

“Personenstandsakten Schneidemühl, Geburten 1912″

AS_Geburt_02“Geburtsurkunde Nr. 66 [aus dem Jahr 1912]

Schneidemühl am 25. Januar 1912.

AS_Geburt_03“Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, der Arbeiter Emil Spickermann wohnhaft in Schneidemühl Feldstrasse 14.

Katholischer Religion, und zeigte an, daß von der Elisabeth Spickermann geborene Dahlke, seiner Ehefrau, katholischer Religion, wohnhaft bei ihm,

AS_Geburt_04“zu Schneidemühl in seiner Wohnung am 25. Januar des Jahres 1912 vormittags um zehneinhalb Uhr ein Mädchen geboren worden sei und daß das Kind den Vornamen Anna erhalten habe.

AS_Geburt_05“Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben Emil Spickermann

Der Standesbeamte [zwei Unterschriften übereinander]

N. [Nachtrag?] Geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 Schneidemühl”

Auswertung:

Bereits am 25. Januar 1912 wurde vom Standesbeamten die Nr. 66 für eine Geburtsurkunde vergeben. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass Schneidemühl stetig wuchs; immer mehr Familien aus den Nachbarortschaften kamen nach Schneidemühl, da sich hier mehr und mehr Industrie- und Handelsbetriebe ansiedelten.

Arbeiter Emil Spickermann –> interessant ist, dass anscheinend der Standesbeamte aus dem “c” nachträglich ein “e” machte. Das hier wäre allerdings der einzige mir bekannte Beleg, bei dem der Nachname mit “iek” und nicht mit “ick” geschrieben wurde. Ursache dürfte die Unterschrift von Emil gewesen sein. Dort hat er das “c” ein bißchen gehuscht. So schnell entstehen Namensänderungen!

Die Adresse Feldstraße 14 ist der Wohnort und auch der Ort, an dem Anna zur Welt kam.

Emil und Elisabeth sind beide katholischer Religion, auch werden hier keine neuen Varianten ihrer Namen erwähnt. (Außer dem oben Erwähnten.)

Das Datum der Geburt von meiner Großmutter kannte ich. Allerdings auch ausschließlich aus Dokumenten aus der Nachkriegszeit. Eine neue Zusatzinformation ist die Uhrzeit – “vormittags zehneinhalb” – dies lese ich als 10.30 Uhr.

Und tatsächlich hat Anna keinen zweiten Vornamen – ihre Eltern nannten sie nur “Anna”.

Auch auf diesem Dokument ein standesamtlicher Nachtrag aus dem Jahr 1939. Entweder war in dieser Zeit ein sehr gewissenhafter Standesbeamte zuständig für die Einträge oder – was mir nicht unwahrscheinlich erscheint – hat sich etwas in der Handhabung im Führen der Dokumente geändert.

Etwa zeitgleich wurden alle Dokumente von Juden oder jüdisch-stämmigen Personen abgeändert. Allen Männern wurde der zusätzliche Vorname “Israel” zwangseingetragen, allen Frauen der zusätzliche Vorname “Sarah”.

Ebenfalls zu dieser Zeit mussten fast alle Deutsche ihre Abstammung nachweisen – tauchte dort ein jüdischer Name auf, standen Probleme an.

Auf Annas Geburtsurkunde wurde allerdings “nur” ihre Heirat aus dem Jahre 1939 nachgetragen.

Elisabeth Dahlke heiratet Emil Spickermann

Mit alten Dokumenten ist es ja so eine Sache – man weiß schon vorher so ungefähr was drin steht. Dann hat man entweder das Original oder eine Kopie der Urkunde vor sich, findet genau das vor, was man erwartet … und noch einiges mehr!!

Auch in diesem Fall ging es mir genau so. Einige Fragen konnten sofort beantwortet werden. Aber ich habe jetzt noch viel mehr Fragen als vorher. Ich fange mal von vorne an.

Ich suchte nach der Heiratsurkunde von Elisabeth Dahlke und Emil Spickermann. Diese fand ich nun auf einem Mikrofilm der Mormonen. Hier die beiden Original-Unterschriften der beiden Eheleute:

DS_Ehe_Unterschriften

Was wußte ich vorher? Elisabeth Dahlke heiratete um die Jahrhundertwende den Vater der Spickermann-Kinder. Der Name war wahrscheinlich Emil. Allerdings waren sich da nicht alle noch lebenden Spickermann-Nachkommen einig. Es gab auch einen Sohn, der Emil hieß, eine Verwechslung könne also vorliegen. Die Hochzeit fand in Schneidemühl statt. “Oma Spickermann” – unter diesem Namen ist Elisabeth Spickermann immer noch in der Familie bekannt – hieß vor der Ehe Dahlke.

Allerdings gab es da auch einige Unsicherheiten. Denn Emil (der Vater) war nachweisbar Witwer, aus seiner ersten Ehe hatte er mindestens zwei Kinder mit in die neue Ehe gebracht. (Wie viele Kinder genau, wer das war – total unklar!) Emil soll “in etwa” um 1916 gestorben sein. Auch Elisabeth Dahlke soll Witwe gewesen sein. Resi, meine Cousine 2. Grades, die sehr viel Zeit mir ihrer geliebten Oma verbracht hat (auch in später als Erwachsene), weiß zu berichten, dass Oma Spickermann davon erzählte, dass sie (Oma Spickermann) bereits sehr früh Witwe wurde. Ihr Mann wurde wegen Hämorrhiden operiert. Er wurde aus dem Krankenhaus entlassen und legte sich in der Wohnung hin. Oma Spickermann ging kurz etwas besorgen und als sie heim kam, war ihr Mann tot – innerlich verblutet.

Schauen wir uns die Heiratsurkunde an:

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Relativ blasse, aber noch gut lesbare Mikrofilm-Aufnahme der Heiratsurkunde.

Kenner werden erkennen, dass ich einen Bildschirm eines relativ alten Mikrofilm-Lesers abfotografiert habe. Um hier alles erkennen zu können, werde ich das Dokument Stück für Stück vorstellen, sonst lässt sich nicht alles gut lesen.

Zunächst die Quellenangabe – hier handelt es sich um durch die Mormonen abfotografierten Personenstandsakten, die sich in Berlin im Standesamt I befinden. Diese Fotoaufnahmen wurden bereits Anfang der 1960er Jahre gemacht. Gerade weil es momentan so schrecklich lange Bearbeitungszeit aus verwaltungstechnischen Gründen gibt, hoffe ich sehr, dass das Standesamt Berlin I die Aufnahmen frei gibt zur Indexierung, entweder durch die Mormonen oder durch einen anderen vertrauenswürdigen Verein, wie zum Beispiel die ComputerGenealogen. Aber da ist viel Wunschdenken von mir dabei.

P1350006_kl

Dieser Mikrofilm hat die Batch-Nr. 302087 – “Personenstandsakten Schneidemühl, Heiraten 1895-1899″.

DS_Ehe_01

Heiratsurkunde Nr. 109 [aus dem Jahre 1899]

Schneidemühl am 25. October 1899

DS_Ehe_02

“Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zweck der Eheschließung :

1. der Arbeiter Emil Spickermann, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 7. November des Jahres 1870 zu Stöwen Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Stöwen.

Sohn des Arbeiters August Spickermann und dessen Ehefrau Auguste geborene Lemke, beide wohnhaft zu Stöwen.

DS_Ehe_03“2. die ledige Elisabeth Dahlke, ohne besonderen Stand, der Persönlichkeit nach bekannt, katholischer Religion, geboren den 9. October 1874 zu Schneidemühl Kreis Kolmar in Posen, wohnhaft zu Schneidemühl.

Tochter der Johanna Dahlke später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.

DS_Ehe_04[Nun auf der zweiten gegenüberliegenden Seite - ehrlicherweise habe ich hier noch nicht alles entziffert. Berufe der Zeugen kann ich nicht genau ausmachen, Adressen ähnlich.]

Ein Zeuge ist Schmiede(??)meister Josef Meissner. Er wohnt in Schneidemühl. [Und hat ebenfalls im Jahre 1899 geheiratet. Seine Hochzeitsurkunde habe ich auch abfotografiert, aber auch hier habe ich Probleme seinen Beruf zu entziffern. Gebürtig ist Josef Meissner aus Neuhof.]

Der andere Zeuge ist Leonhard Parthun. Seinen Beruf kann ich gar nicht entziffern. Wer helfen kann und mag, bitte gerne. ;)

Leonhard Parthun lebte zur Zeit der Eheschließung von Emil und Elisabeth in Stöwen.

Bei den Zeugen ist noch einiges mehr herauszufinden. Aber ich habe momentan so viel spannende Details recherchiert, bzw. ich bin noch am recherchieren, dass ich mir erstmal alles bisher “Erkanntes” notiert habe und einen dicken Vermerk gemacht habe, ob hier eventuell noch etwas herauszufinden ist. (Es sind ja auch Adressen und Altersangaben bei den Zeugen. Waren es Freunde oder Familie kann das sehr interessant sein.)

Ganz unten nun alle Unterschriften. (Keine “X” für Unterschriften, was noch recht häufig bei den Heiratsurkunden vorkam. Ergo konnten alle zumindest ihren eigenen Namen schreiben.)

DS_Ehe_05Schöne Handschriften von Emil und Elisabeth wie ich finde. :)

Natürlich spannend zu sehen, wie die zwei ihre eigenen Namen schrieben. Emil schrieb Spickermann tatsächlich mit “CK”. “Oma Spickermann” schrieb ihren eigenen Namen mit “Elisabeth Spickermann geborene Dahlke”.

Nachträglich wurde auf der Heiratsurkunde der zwei ein Vermerk gemacht:

DS_Ehe_06“H. (??) Tochter Anna geb. 25.1.12 hier Nr. 66/1912 [Nr. der Geburtsurkunde], geheiratet zum 1. Male 18.10.39 Nr. 318/1939 [Nr. der Heiratsurkunde] hier.”

Auswertung:

Das Datum 25. Oktober 1899 – der 28jährige Emil heiratet die 25jährige Elisabeth in Schneidemühl. Der Wochentag war ein Mittwoch. Zur Jahrhundertwende wird Schneidemühl ca. 19.000 Einwohner haben; die Bevölkerungszahl der Stadt war in nur wenigen Jahrzehnten sprunghaft gestiegen. Dies war ein Resultat zum einen durch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke und einer folgenden Ausbauphase, die Schneidemühl zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt machte. Zum anderen sicherlich durch die fortschreitende Industrialisierung. Nur wenige Jahre zuvor kam es mehrfach zum Ausbruch von Cholera. Um diese Zeit wurden die Wasserleitungen verbessert und ausgebaut.

Emil Spickermann, der am 7. November 1870 in Stöwen geboren wurde, steht kurz vor seinem 29. Geburtstag. Sein Familienstand vor der Hochzeit wird nicht erwähnt. (Verwitwert? Geschieden? Ledig?) Sein Stand/Beruf wird mit “Arbeiter” angegeben, was leider auch wenig Aussagekraft hat. Emil ist katholisch. Sein Vater ist August Spickermann, seine Mutter Auguste Lemke. Beide leben (!) in Stöwen.

Seine Ehefrau Elisabeth Dahlke wird als ledig angegeben. Zusammen mit Elisabeths Eigenaussage in diesem Dokument (Unterschrift), ist Elisabeth Dahlke ihr tatsächlicher Geburtsname. Diesem Dokument zufolge war sie bisher nicht verheiratet – “ledige Elisabeth Dahlke”.

Ihr Geburtsdatum war mir bereits bekannt. Allerdings nur aus Dokumenten, welche nach 1945 entstanden und fast immer den Vermerk enthielten, dass die Daten letztenendlich nicht überprüft werden können, da man keinen Zugang zu den Akten hatte. Das hier ist also der Beleg für ihre Geburt in Schneidemühl. (So weit ich es bisher recherchieren konnte.)

“Ohne besonderen Stand” deutet für mich auf keine spezielle Ausbildung oder ein fachliches Können. Sie wird sich also mit niederen Arbeiten finanziert haben. Dies deckt sich mit den Berichten aus der Familie. Ob diese Formulierung noch etwas anderes zu bedeuten hat, weiß ich leider nicht einzuschätzen.

Elisabeth ist katholisch. Und jetzt wird es interessant!

Sie wird als die Tochter der Johanna Dahlke angegeben. NICHT als die Tochter eines Mannes mit dem Namen Dahlke. Elisabeth Dahlke, Tochter der Johanna Dahlke. Sprich: Sie kam unehelich auf die Welt. Das ist für mich persönlich kein Weltzusammenbruch, aber damals hieß das für Johanna Dahlke wahrscheinlich schon einiges. Was genau, würde ich gerne in Zukunft herausfinden.

Nach Johanna Dahlkes Namen folgt der Zusatz “später verheirateten [sic?] Arbeiter Heinrich Binneböse, verstorben und zuletzt wohnhaft in Schneidemühl.”

Ist nun Heinrich Binneböse als Vater angegeben, oder “nur” als der spätere Ehepartner von Johanna?

Klar scheint zumindest nur zu sein, dass am 25. Oktober 1899 beide – Johanna und Heinrich Binneböse – bereits verstorben sind. Zuletzt hatten die beiden in Schneidemühl gelebt.

Die beiden Trauzeugen wirken auf mich recht “normal”. Sowohl die Braut scheint einen Trauzeugen gebracht zu haben (Josef Meissner aus Schneidemühl). Als auch der Bräutigam (Leonhard Parthun aus Stöwen).

Ein bißchen überraschend fand ich den handschriftlichen Nachtrag der Hochzeit der jüngsten Tochter des Paares. Alle weiteren Ehen (der anderen Kinder, Anna heiratete nur einmal) wurden hier nicht nachgetragen.

Einordnung in den Kontext mit anderen Quellen:

Die größte Überraschung ist für mich die unverheiratete Johanna Dahlke. Vor dieser Heiratsurkunde kannte ich Elisabeth Dahlkes Mutter nicht. Ich kannte weder Vor- noch Nachnamen. Ich erwartete einen Herrn Dahlke mit einer Ehefrau und einem neuen Nachnamen. Doch jetzt habe ich eine Johanna Dahlke und einen neuen Nachnamen, von dem ich nicht sicher bin, ob er der leibliche Vater von Elisabeth Dahlke ist.

Erster Schritt: Schnelles Nachforschen, ob sich Heinrich Binneböse und Johanna in anderen Dokumenten finden lassen. Einfachste Überprüfung: Eine Suche in der Pommerndatenbank.

Dort finden sich tatsächlich einige sehr wenige Einträge zum Nachnamen Binneböse. Zum einen Wilhelm Binneböse in Ratzebuhr, Kreis Neustettin. Dieser taucht in mehreren Adressbüchern auf. Er ist Schneidermeister.

In Schneidemühl dann zwei Einträge für Binneböse aus dem Adressbuch der Stadt Schneidemühl aus dem Jahr 1896.

Heinrich Binneböse, Arbeiter, Lehns Ziegelei

Johanna Binneböse, Arbeiterfrau, Brunnenstr. 6.

Es sieht fast so aus, als hätten Johanna Dahlke und Heinrich Binneböse nach dem 9. Oktober 1874 und vor dem Stichtag für das Adressbuch 1896 geheiratet. Allerdings scheinen sie sich auch wieder getrennt zu haben?

Heinrich Binneböse starb zwischen dem Zeitpunkt der Erfassung für das Adressbuch 1896 und dem 25. Oktober 1899. Vielleicht war er zur Zeit der Erfassung bereits krank und befand ich eventuell in einer Krankenabteilung der Ziegelei? Aber das ist reine Vermutung!

Der Name Binneböse wurde mir gegenüber nie genannt. Als ich ihn jetzt meinem Patenonkel Herbert und Resi sagte, konnten sich die beiden direkt nicht an einen Heinrich erinnern (dieser starb ja bereits vor 1899 und sie konnten ihm nie begegnet sein), sondern an einen Carl Binneböse! Beide kannten diesen Carl, wußten einiges zu berichten. Beide waren bei Carl mehrfach zu Besuch gewesen, beide kannten Carls Töchter (von der eine anscheinend noch lebt). Beide wußten, dass sie irgendwie mit Carl verwandt waren, aber sie wußten nicht wie. Und weitere Binneböse außer Carl und seinen Töchtern kannten sie gar nicht.

Alles sehr spannend! Mehr konnte ich zu Johanna und Heinrich bisher nicht ausfindig machen. Aber ich bleibe dran!

Mein letzter Blogeintrag beschäftigte sich mit Emil Spickermann und seiner Verwundung im 1. Weltkrieg. Meine Vermutung in Bezug auf Emil ist ja, dass er an den Folgen einer Verwundung, die er im 1. Weltkrieg erhielt, verstorben sei. Seine Totenurkunde habe ich noch nicht finden können. In der Familie wird vermutet, er sei etwa 1916 gestorben. Emil erscheint am 7. Oktober 1915 in den Verlustlisten. (Siehe vorherigen Blogeintrag.) Als diese Meldung in der Verlustliste erschien, das Emil 44 Jahre alt. Am 7. November 1915 wäre er 45 Jahre alt geworden. Ich schätze, der schwer verwundete Emil, 44jährig, wurde zunächst in ein Lazarett gebracht. Und da eine schwere Verwundung wahrscheinlich (?) länger als einen Monat benötigt um auszuheilen, wird er nach dem Lazarettaufenthalt nach hause geschickt worden sein.

Aber nichts genaues weiß ich nicht.

Wie oft war Elisabeth Dahlke verheiratet? Diese Heiratsurkunde spricht von der “ledigen Elisabeth Dahlke”. Dahlke ist der Name ihrer Mutter. Also kann ich fest davon ausgehen, dass Dahlke Elisabeths Geburtsname war. “Ledig” in der Geburtsurkunde zeigt unverheiratet hat. Würde dort ansonsten “verwitwet” oder “Witwe” stehen?

Den Mikrofilm mit den weiteren Heiratsurkunden habe ich mir ja angeschaut. Dort ist mir nicht bewußt “verwitwet” oder “Witwe” oder Ähnliches begegnet. Aber systematisch habe ich danach nicht gesucht …

Es gibt eine Vielzahl von Kindern und Halbgeschwistern, die ich alle immer noch nicht sicher zu ordnen kann. Emil hatte Kinder, die er mit in die Ehe brachte. Nachweisen kann ich es noch nicht, aber dies wurde mir von allen Verwandten genauso berichtet.

Und dann gibt es die Geschichte, die Oma Spickermann Resi erzählt hat. Wie passt die hier rein? Vielleicht hat Elisabeth auch nach dem Ableben von Emil noch einmal geheiratet? Vielleicht wurde Emil nach seiner schweren Verwundung (an der Westfront?) nach hause entlassen und ist dort entweder in Schneidemühl noch mal operiert worden und dann innerlich verblutet? Oder erholte er sich ganz von der Kriegsverwundung und erkrankte dann an Hämorrhiden, die dann zur fatalen Operation führten?

Nächste Schritte und Fragen:

Emils erste Ehe – ganz klar will ich diese Heiratsurkunde finden. Nur wo ist die Heiratsurkunde zu finden? In den Heiratsurkunden von Schneidemühl? Usch hatte kein eigenes Standesamt …

August Spickermann und Auguste Lemke. Daten, Fakten, alles was ich finden kann. Erste Anhaltspunkte sind gefunden, davon später mehr.

Die größte Überraschung: Elisabeths Eltern! Elisabeths Geburtsurkunde konnte ich nicht finden. (Auch dazu später ein bißchen mehr.) Das Kirchenbuch, welches ihre Geburt wohl verzeichnet hat, liegt im Diozösanarchiv in Köslin. (Schriftliche Anfragen teuer, Antwort nur auf Polnisch – es ist wesentlich lohnender einmal nach Köslin zu fahren und dort vor Ort zu suchen. Dort dürfte nicht nur in Bezug auf Dahlkes und Spickermänner eine Goldmine sein.

Aber was ich direkt als nächsten Forschungsschritt anpeile, ist das Forschen in den Totenurkunden.

Dies hier war jetzt ein sehr langer Post. Und dabei denke ich, ich könnte noch viel mehr schreiben, viel mehr Details zufügen. Auch habe ich noch andere Dokumente gesehen, die ich in einen Zusammenhang stellen kann. Aber ein Schritt nach dem anderen. :)

 

Emil Spickermann im 1. Weltkrieg

So schnell kann es gehen! :)

Donnerstag habe ich wieder Mikrofilme sehen können und diesmal war die Heiratsurkunde von Emil Spickermann mit Elisabeth Dahlke dabei. Ganz viele tolle spannende Details sind darin zu finden. Das kommt aber im nächsten Blogeintrag.

Zunächst aber fast schon als Nachtrag zu meinem letzten Beitrag, eine erste Antwort auf die Frage “Was geschah mit Emil Spickermann zur Zeit des 1. Weltkrieges?”.

Durch die Urkunde kenne ich nun Emils Geburtsdatum und seinen Geburtsort – nicht Schneidemühl, sondern Stöwen, Kreis Kolmar. Das war ein kleiner Ort ganz in der Nähe von Schneidemühl. Stöwen war verwaltungstechnisch ähnlich organisiert wie Riege/Deutsch Krone. (Wo die Klatts lebten und August Klatt Bürgermeister war.)

Der nächstgrößere Ort, dem Stöwen zugeordnet war, war Usch. Und unter seinem Namen mit seinem Geburtsort (in diesem Falle “Usch”), habe ich Emil in den Verlustlisten des 1. Weltkrieges gefunden!

Direkter Permalink ist ja für die Einträge noch nicht möglich, also entweder selber schauen oder meine kleine Zusammenfassung hier lesen. ;)

Die Verlustmeldung, in der Emil erwähnt wird, ist vom 7. Oktober 1915. Emil Spickermann aus Usch Neudorf, Kolmar wird als schwer verletzt gemeldet!

Weitere Informationen sind leider nicht gegeben – er gehört der 12. Kompanie des 6. Pommerschen Infanterie-Regiment Nr. 49 an.

Soweit ich bisher recherchiert habe, war dieses 6. Pommersche Regiment 49 der 4. Division unterstellt. Und dem Gefechtskalender nach, wurde die 4. Division gerade Ende September 1915/Anfang Oktober 1915 von der Ostfront an die Westfront verlegt.

Ab dem 30. September 1915 war die Division der OHL (Obersten Heeresleitung) unterstellt. Was das genau heißt, weiß ich leider nicht. Ab dem 8. Oktober 1915 war die 4. Division an der Herbstschlacht in der Champagne beteiligt. (In dieser Schlacht, zum ersten Mal großer Einsatz von Trommelfeuer.)

Wann genau Emils schwere Verletzung eintrat, weiß ich nicht und ich weiß auch nicht genau, wie ich hier weiterforschen könnte. Die Verlustliste vom 7. Oktober 1915 meldet eine Verwundung, die mindestens einen Tag zurück lag.

In der Familie konnte ich nicht herausfinden, wann Emil starb. Auch nicht warum oder wo.

Immer wieder hörte ich aber Circa-Angaben – “er muss wohl 1915 oder 1916 gestorben sein”. Da habe ich dann immer schon gefragt, ob er im Krieg starb, das wußte aber niemand.

Mir scheint es mittlerweile sehr gut möglich, dass Emil zumindest an den Folgen seiner schweren Verletzung starb.

Zu diesem Zeitpunkt war Emil übrigens gerade einmal 45 Jahre alt. Somit wäre er, wenn er kurz darauf verstarb, tatsächlich als relativ junger Mann gestorben. Auf jeden Fall hätte er mehrere minderjährige, kleine Kinder hinterlassen und das deckt sich mit den Berichten aus der Familie …

Wie bereits angekündigt wird sich der nächste Beitrag mit der sehr spannenden Heiratsurkunde beschäftigen. Da muss ich aber noch ein bißchen an den Fotos schrauben und ein wenig recherchieren. Aber ich brenne darauf die Urkunde vorzustellen, daher wird das nicht lange auf sich warten lassen. :)

Der Jahrestag des Beginn des Ersten Weltkrieges steht dieses Jahr an

So langsam endet die Vorlesungszeit dieses Semesters – ein Semester, dass mich ziemlich in Anspruch genommen hat. Viel hab ich zusammen gesucht, aber einen ersten Post nach gefühlter Ewigkeit möchte ich darüber schreiben, welche Auswirkungen der Erste Weltkrieg auf meine Familie hatte. Wer meiner direkten Vorfahren zog in den Krieg? Welche Familienmitglieder waren vom Krieg betroffen?

Direkt betroffen waren alle wehrfähigen Männer. So weit ich es recherchieren konnte, wurden 1914 alle Männer die zwischen 17 und 45 Jahren alt waren gemustert; und soweit für tauglich befunden eingezogen. Genaue Daten zu Musterung und Stichdaten für Geburtstage konnte ich erstmal nicht finden, wäre aber spannend zu wissen. Nicht zuletzt auch, weil ich den Hinweis fand, dass gegen Ende des Krieges bereits 14jährige eingezogen wurden.

Als ersten Schritt zu meiner Recherche zu diesem Thema habe ich mir ausgerechnet, welche Jahrgänge 1914 betroffen gewesen wären.

Konkret: Wurde ein Mann zwischen 1869 und 1897 geboren, wurde er 1914 sehr wahrscheinlich gemustert.

Nun bin ich meine Daten durchgegangen. Super spannend! Ich denke, auf diese Fragestellung hin, möchte ich auch in Zukunft noch einmal meine Forschung durchgehen.

Direkte Vorfahren, die wohl in den Krieg ziehen mussten:

Heinrich Hartmann, geboren 1878 in Klein Gumpen. Lehrer (in Klein Gumpen, genau wie sein Vater). Verheiratet mit Katharina Weber, zwei Söhne. Johann Jakob (mein Großvater) und Heinrich. 1914 waren Johann Jakob 10 und Heinrich 7 Jahre alt. Katharina wird 1918 sterben und Heinrich wird 1919 erneut heiraten (Huberta).

Heinrich war nachweisbar im Krieg. Gefunden habe ich seinen Namen bei den Verlustlisten des 1. Weltkrieges. Direkter Link zu seinem indexierten Eintrag ist momentan noch nicht möglich, aber über seinen Namen und seinen Geburtsort ist er über die “Suche” zu finden. (Permalinks werden nach Abschluss der Erfassung eingerichtet.)

Der Eintrag ist vom 28. August 1916 und Heinrich ist als “l. verw.” (also leicht verwundet) gelistet. Wann die Verwundung auftrat wird nicht berichtet, auch nicht, um was für eine Verwundung es sich handelte. Der 28. August 1916 ist das Datum an dem die leichte Verwundung gemeldet wurde. (Da ich auch schon Verlustlisten indexiert habe, hab ich schon mehrfach gesehen, dass die Meldungen teilweise stark zeitversetzt gemeldet werden. Dies wird zumeist etwas detailierter bei Todesfällen abgedruckt.)

Heinrich wird als Truppenteil der “2. Kompanie” gelistet. Leider sonst keine weiteren Truppenbeschreibungen. Welcher Kompanie er angehört, verrät diese Seite 14404, auf der Heinrichs Name zu finden ist, nicht. Momentan ist es noch nicht möglich “zu blättern”. Also habe ich mich als Erfasserin angemeldet und habe manuell die Seite 14403 angewählt – Heinrich gehörte dem “Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 87″, 2. Kompagnie an. Leider fand ich keine Angabe darüber welche Funktion er hatte.

Auf Wikipedia findet sich ein Eintrag über das “1. Naussauisches Infanterie-Regiment Nr. 87“. Dies scheint allerdings nicht das “Reserve-Infaterie-Regiment Nr. 87″ zu sein. Über die Truppen des 1. Weltkriegs weiß ich noch so gut wie überhaupt nichts. Ob die beiden Truppenteile miteinander verbunden waren, weiß ich leider nicht. Wer dies hier liest und mir Tipps geben kann, bitte kommentieren, ich freue mich über jeden Hinweis. :)

Was das alles konkret heißt, ist natürlich das Spannendste. Heinrich war zum Zeitpunkt seiner Verletzung 37 Jahre alt. Welche Verletzung es war und wann diese wo eintrat, weiß ich leider nicht. Aber ab dem 28. August 1916 hing diese Verlustliste öffentlich in Klein Gumpen aus. Dort wird seine Frau Katharina, seine Söhne, seine Familie und seine Schulkinder gesehen haben, dass ihr Ehemann, Vater und Lehrer verletzt wurde.

Lorenz Eckert, geb. 1890 in Flörsheim. Verheiratet mit Lina Lehmann. Sein Sohn Otto ist 1914 sieben Jahre alt. Seine Tochter Elli wird erst 1918 geboren werden. Lorenz Namen konnte ich bisher nicht auf den Verlustlisten entdecken. (Es sind allerdings noch nicht alle Einträge indexiert und er muss ja auch nicht zwangsmaßen dort erscheinen.) 1914 wird Lorenz allerdings als 24jähriger sicherlich gemustert worden sein. Wo er wie im Einsatz war, weiß ich leider nicht.

Und hier bin ich schon bei meinen pommerschen Vorfahren.

August Klatt war zur Zeit des 1. Weltkrieges Bürgermeister von Riege/Deutsch Krone. Sein Alter ist mir unbekannt. Inwieweit Bürgermeister eventuell nicht eingezogen wurden, kann ich nicht sagen.

Emil Spickermann in Schneidemühl. Heute morgen habe ich von Familysearch eine Email mit der Nachricht erhalten, dass ein geordeter Film versandt wurde – dort vermute ich die Information über sein Geburtsdatum. Ich weiß leider gar nicht, wie alt er war. Vermutlich war er wehrfähig.

Und das sind meine direkten männlichen Vorfahren, die vom Alter her im 1. Weltkrieg gedient haben werden.

Diese Fragestellung werde ich noch auf weitere Familienmitglieder ausweiten. Jetzt wo ich mir meine Familienmitglieder auf diese Frage hin angeschaut habe, bin ich richtig gespannt, ob nicht eventuell sogar gewisse Todesfälle Folgen des Krieges waren, aber dazu später sicherlich mehr! :)

Funde in den Indices aus den Schneidemühler Personenstandsakten

Donnerstag war der große Tag – endlich nach Jahren des Wartens habe ich genau die Mikrofilme gesehen, die ich schon so lange erwartet habe.

Zunächst wurde ich sehr freundlich empfangen und nachdem ich meinen Namen und meine Kontaktdaten auf eine Liste aufgeschrieben hatte, wurde ich zu den beiden Mikrofilm-Lesegeräten geführt, wo bereits die drei von mir bestellten Filme lagen.

Die Lesegeräte sind wohl die bisher ältesten mit denen ich gearbeitet habe. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Umgang mit dem Gerät am einfachsten war, da das Gerät einfach und simpel aufgebaut war. Und der “Komfort” von Lesegeräten ist ja immer eine Frage des persönlichen Geschmacks – ich finde es angenehm, finde es aber angenehmer mit den Original-Akten zu arbeiten, oder online Scans zu durchsuchen.

Der erste Film, den ich durchschauen konnte war der Heirats-Index. Und die Hochzeit meiner Urgroßeltern fand ich quasi sofort! 1899 in Schneidemühl. Emil Spickermann (also hieß er tatsächlich so!) mit Elisabeth Dahlke. Einige Zeilen darüber ein weiterer Eintrag im Jahre 1899 mit einem Spickermann – ich schätze es ist ebenfalls Emil?

Der nächste Film war der Geburten-Index, in dem der kleine Herbert zu finden sein musste. Zunächst hatte ich einen großen Schreck – ich wußte, er musste in etwa gegen Ende des Jahres 1944 geboren worden sein. Ich drehte den Film bis 1944 … und war erschrocken, dass es nur ein paar Seiten gab und dort kein Klatt zu finden war! Ich drehte den Film weiter, die wenigen Einträge aus 1945 betrachtend, und schwupps, danach kamen dann wieder viele viele Einträge aus der Zeit vor 1945. Und tatsächlich als einer der letzten Einträge von 1944 – Herbert Klatt.

Der dritte Film war dann der Geburten-Index, indem meine Großmutter und ihre Geschwister auftauchen sollten. Als erstes fand ich “Tante Lieschen”, dann meine Großmutter. Lieschen wurde 1902 geboren, meine Großmutter Anna 1912. Wo waren all die Geschwister? Ich drehte und schaute … und fand Eintrag nach Eintrag. Es gibt erstaunlich viele Schneidemühler Spickermänner.

Was wirklich schlecht an diesem dritten Mikrofilm war, war dass die Qualität der Abbildungen, eine Katastrophe waren. Das dürfte am schlechten Zustand der Bücher sein und zum anderen an einer problematischen Tinte? Der spätere Teil des Geburten-Indexes war im Grunde unlesbar, da die Tinte sich aufgelöst hatte.

Diese Erfahrung mit schlechten Überlieferungen von Schriften in Büchern, hat bei mir persönlich zur Folge behabt, dass ich damals in der Schule und dann Berufsschule, mit schwarzer Tinte und Bleistift zu schreiben begann. Blaue Tinte – so meine Erfahrung – verblasst nach wenigen Jahren fast ohne Spur. Schwarze Tinte kann auch verblassen – allerdings bleibt häufig eine gut sichtbare Spur – das dürfte an den schwarzen Pigmenten liegen. (Die auch regelmäßig die Füllerfeder verklumpen, aber naja.) Bleistift, so zumindest meine Feststellung, hält sich für gewöhnlich auch besser als blaue Tinte. … ich frage mich, wie Kugelschreiber-Schrift die Zeiten überdauern wird.

Die Zeit im Center verflog wie im Flug. Ich habe direkt einen weiteren Termin vereinbart.

Dies habe ich aus zwei Gründen gemacht. Der erste: In Krefeld ist es erlaubt die Bildschirme der Mikrofilm-Lesegeräte abzufotografieren. (Dies werde ich beim nächsten Termin nachholen.) Der zweite: Aus meiner Erfahrung ist es einfach besser sich Mikrofilme ein zweites Mal anzuschauen!

Mit Mikrofilmen habe ich seit Jahren nicht mehr gearbeitet. (Es ist ja wunderbar einfach, man gewöhnt sich sofort wieder daran.) Aber es ist bei jedem (!) Mikrofilm für mich wieder wie ein erstes Mal – die drehe und schaue und FINDE! Hurra!! Da ist Emil Spickermann, er heiratet Elisabeth Dahlke! Da steht das Jahr 1899, dort die Register-Nummer ……. was mir einfach leicht passiert ist, dass ich bei der Freude über den Fund dessen, nach dem ich gesucht habe, plötzlich keinen offenen Blick mehr auf das habe, was sonst noch zu finden sein könnte!

Jetzt habe ich eine große Menge Notizen. Habe auch schon mit meinem Patenonkel telefoniert … und direkt schon konkrete Ideen, wonach ich jetzt nochmal (!) im Mikrofilm suchen will.

Das ist schon ein wichtiger Gedanke, denn der Mikrofilm kommt aus den USA. Bisher habe ich “nur” mit Mikrofilmen in Archiven gearbeitet, die diese Filme aus ihren eigenen Magazinen holen mussten. Es war ärgerlich, wenn ich einen Mikrofilm “zu früh” wieder zurück schickte, aber es war kein Beinbruch. Es ist mir immer wieder passiert, dass ich einen Mikrofilm nach Jahren noch mal holen musste, weil ich plötzlich wußte, dass ich beim ersten Mal nicht ordentlich und vollständig gearbeitet hatte. Der Mormonen-Mikrofilm fordert von mir ein sehr viel größeres Bewußtsein – habe ich jetzt wirklich ordentlich gearbeitet? Habe ich mit einem guten offenen Blick alles durchgeschaut? Selbst wenn ich jetzt 3.5 Stunden die Filme durchgeschaut habe – habe ich richtig geschaut?

Es ist für mich in gewissem Sinne wirklich so, dass ich mit der Genealogie wieder von vorne anfange. Nur dass ich bereits jahrelange Erfahrung habe. (Auch mit mir selbst in der Genealogie-Forschung.) Das empfinde ich mittlerweile als ganz großes Geschenk.

An dieser Stelle könnte ich einen Ausblick schreiben, oder meine Namenlisten. Allerdings denke ich, macht es mehr Sinn, wenn ich versucht habe den Mikrofilm abzufotografieren.

Vielleicht finde ich ja noch etwas mehr? ;)

Personenstandsakten Schneidemühl – Mikrofilme bestellen über familysearch.org

So lange ich bereits Familienforschung betreibe, so lange beschäftigt mich der Zugang zu Dokumenten aus Schneidemühl/Pommern.

Damals, vor gut zwanzig Jahren (meine Güte!), begann ich Papiere zusammen zu suchen und diese auszuwerten. Schon damals sagten mir alle Verwandte, mit denen ich sprach (viele leben heute nicht mehr) berichteten, wie schwierig es ist, an Kopien von Dokumente zu kommen, die aus den ehemaligen deutschen Gebieten sind. Damals als ich anfing, war die Mauer bereits gefallen, aber der Zugang zu den Dokumenten war trotzdem extrem schwierig bis unmöglich.

Generell kann man in Bezug auf die ehemaligen deutschen Gebiete im Osten sagen, dass Personenstandsakten – soweit noch vorhanden! – im Berliner Standesamt I gelagert werden. Viele meiner Verwandten, mit denen ich sprach, hatten sich immer wieder an dieses Amt gerichtet in Bezug auf ihre eigenen Dokumente und die ihrer Eltern.

Das Standesamt I in Berlin ist für viele Menschen Ansprechpartner. Es fungiert als Zentralstandesamt und Auslandsstandesamt. Für Genealogen ist es enorm wichtig, da es auch das sog. Ersatzstandesamt in Funktion ist. Sprich, es ist nicht nur ein Archiv, sondern ist ein als eines seiner Funktionen DAS aktive Standesamt für die gesamten ehemaligen deutschen Ostgebieten. Aktiv genutzt wird es tatsächlich immer noch von den Vertriebenen und deren Familien. Vor wenigen Tagen war ich bei meinem lieben Patenonkel Herbert und seiner lieben Frau Mia zu Besuch. Er ist in Schneidemühl geboren und musste noch vor kurzer Zeit selbst (gemeinsam mit seinem Sohn) einen Brief an genau dieses Ersatzstandesamt schreiben.

Dieses eine Amt, welches nicht nur als Ersatzstandesamt für was-weiß-ich-wie-viele Menschen fungiert, sondern auch noch andere wichtige Aufgaben erfüllen muss, ist natürlich mit Arbeit gut versorgt.

Mein Patenonkel erhielt als Antwort auf seine Anfrage einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde, seine Anfrage könnte momentan leider nicht beantwortet werden. Aufgrund von Sanierungsarbeiten und dünner Personaldecke würde seine Anfrage frühstens in 22 Monaten (!!) bearbeitet werden können. Da es sich um eine sehr dringende Erbsache handelte, haben mein Patenonkel und sein Sohn eine detailierte Antwort mit Belegen für die Dringlichkeit verfasst und das dringend benötigte Dokument innerhalb einer Woche erhalten, es liegt also wirklich nicht an der Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter – es ist ein strukturelles Problem.

Ich zum Beispiel möchte ja “nur” Einblick in die Personenstandesakten meiner Vorfahren. Eine Extra-Wurst oder eine beschleunigte Bearbeitungszeit gibt es für mich nicht. Auch kann ich nicht einfach nach Berlin fahren, mich dort anmelden und selbst durch die Akten suchen, ist ebenfalls nicht möglich, da dass Standesamt I diese Möglichkeit nicht bietet.

Um Einblick in die Personenstandsakten meiner Vorfahren zu erlangen, muss ich also auf anderen Wegen gehen. Ein Weg würde mich nach Polen führen. Dies habe ich bereits vor Jahren recherchiert. Meine Anfragen müsste ich nicht zwingend in Polnisch verfassen, ich könnte auch auf Deutsch schreiben – es würde verstanden werden. Allerdings würde mir auf Polnisch geantwortet werden. Und Kopien der Dokumente würde ich nicht erhalten, sondern polnische beglaubigte Abschriften. In diesen Abschriften – solche habe ich bereits gesehen – sind in polnischer Sprache eingebettet die Personenstandsdaten der jeweiligen Person. Die Abschrift ist verstehbar, allerdings eventuell nicht in allen Einzelheiten.

Im Falle von Schneidemühl habe ich als Familienforscherin großes Glück, denn die Mormonen haben die im Berliner Standesamt I vorhandenen Personenstandsakten abgefilmt. Inwieweit andere Aktenbestände aus dem Standesamt I von den Mormonen abgefilmt wurden, kann ich nicht sagen. Eine Recherche bei familysearch.org wird sich aber sicher lohnen.

Die Konditionen für die Ausleihe der Mikrofilme bei den Mormonen sind seit Jahren stabil. Ich habe es genau verfolgt! ;) Vor einigen Jahren war es nur möglich die Mikrofilme zu bestellen, wenn man eine Buchung für eine Kreditkarte ausführt. Da ich keine Kreditkarte habe und auch nicht vorhabe mir eine anzuschaffen, fiel diese Möglichkeit für mich weg. Jahre später kam dann die Möglichkeit hinzu eine Buchung über PayPal auszuführen.

Die Preise für die Ausleihe und den Versand weltweit haben sich ebenfalls nicht wirklich verändert. Pro Film werden 8,50 Euro für den Versand und Verleih für 90 Tage fällig. (Es gibt die Möglichkeit der Verlängerung und des etwas teureren “endlosen” Verleihes.) Die Mikrofilme sind dann in den lokalen Familienforschungsstellen nach Terminvereinbarung einsehbar.

Kostengünstig ist diese Variante auf jeden Fall! Die Kosten sind nach Mikrofilm und Entleihzeit gestaffelt. Weiß ich, von einem bestimmten Dokument, welches sich auf einem der Mikrofilm befindet, dann entstehen mir im besten Fall nur 8,50 Euro insgesamt.

Würde ich eine Anfrage für dieses eine Dokument an das Berliner Standesamt I stellen, dann würden mir automatisch mehr Kosten entstehen! Die Kosten für Porto und Papier führe ich hier noch nicht mal an … Gebührenordnung für einen Suchantrag und eine Dokumentenausstellung konnte ich nicht finden. Normalerweise werden aber “Suchanträge” für gewöhnlich mit um die 30 Euro pro angefangener 30 Minuten berechnet. Diese Suchanträge werden normalerweise fällig, wenn ich nicht genaue und vollständige Angaben habe oder ich eine Urkundennummer angeben kann. Dazu kommt die Neuausstellung des Dokumentes. Unter 10 Euro kostet dies nie. Dies sind die Kosten für ein bestimmtes Dokument.

Auf den Mikrofilmen befinden sich Indeces, auf anderen reihenweise Geburts-, Heirats- oder Todesurkunden. Allein dafür kann man schon den Mormonen herzlich danken!

Die Filmnummern, der Mikrofilme, die ich unbedingt einsehen möchte, habe ich mir schon vor Jahren notiert. Aber hier möchte ich gerne kurz aufführen, wie einfach es ist, Filme bei den Mormonen zu finden und zu bestellen. Dies möchte ich für jeden Leser hier machen, der vielleicht diesen Blogbeitrag über eine Suchmaschine gefunden hat.

Denn es lohnt sich selbst für Deutsche sich bei familysearch.org anzumelden. Natürlich ist der Großteil der gesammelten digitalen Daten und der Mikrofilme mit Bezug auf die USA. Aber es gibt erstaunlich viel europäisches, ja sogar deutsches Quellenmaterial, welches man dort gar nicht vermuten würde!

Bei familysearch.org bin ich schon ewig angemeldet, seit einigen Jahren indexiere ich dort auch. Mein Elternhaus in Krefeld ist nur wenige Gehminuten von der Krefelder Familienforschungsstelle entfernt.

Noch nie habe ich von familysearch eine Spam-Email erhalten. Noch nie hat ein Mormone versucht mich zu bekehren. Getroffen habe ich ein paar, allerdings nicht an meiner Haustür. Am lustigsten war eine Begegnung vor vielen Jahren in Krefeld – an einer Ampel stand ich mit zwei jungen männlichen Missionaren. Gut zu erkennen durch ihre Aufmachung – immer zu zweit unterwegs, immer im gebügelten weißen Hemd, immer mit dunklem Rucksack auf dem Rücken. Häufig selbst in sehr kühlem Wetter – sehr amerikanisch! :D – mit kurzärmeligen Hemden! Immer sind diese jungen Missionare sehr freundlich und als ich mit den zweien an einer roten Ampel stand, fing ich ein kurzes nettes Gespräch an – es ging glaub ich um eine Wegbeschreibung. Da ich zweisprachig aufgewachsen bin, habe ich mit natürlich sofort mit den beiden auf Englisch unterhalten. Einer der beiden, so stellte es sich heraus, war gerade frisch gelandet in Deutschland. Er antwortete in Englisch und fragte direkt den anderen, ob er denn Englisch sprechen dürfe?! Der andere meinte lachend ‘ja, natürlich!’. Zwei sehr nette junge Männer. Schlechte Erfahrungen habe ich mit Mormonen also nie gemacht, sogar nette Menschen getroffen.

Die Schwellenangst, die manche deutsche Familienforscher haben, kann ich daher nicht ganz nachvollziehen. (Vielleicht habe ich diese Schwellenangst nie gehabt, weil ich selbst einen amerikanischen Großvater habe?) Die Daten – so zumindest mein jahrelanger Eindruck – sind sicher. Bekehrungstrupps waren auch noch nicht hinter mir her – wäre auch zweckslos, ich bin zu römisch-katholisch. Und die “Sache” mit dem taufen von Verstorbenen, schüchtert mich auch nicht ein. Also nur Mut! Was gibt es zu verlieren?

Erster Schritt: Auf familysearch.org anmelden. Mittlerweile ist das Online-Angebot der Mormonen in viele Sprachen übersetzt. Deutsch gehört dazu. Das Navigieren ist also vom sprachlichen betrachtet einfach.

Zweiter Schritt: Wir wollen wissen, welche Mikrofilme über Schneidemühl vorhanden sind. Wir gehen auf den Tab “Suchen”. Dort wählen wir “Katalog” an. Darunter finden sich die Mikrofilme. Ins Suchfenster gibt man den Stadtnamen ein – und es wird direkt eine Liste der möglichen Orte angezeigt unter der man auswählen kann. Schneidemühl wird problemlos erkannt und die Ergebnisse der Suche werden angezeigt.

schneidemuehl_mfilm_01Ich möchte natürlich ziemlich viel aus diesen Beständen wissen. Also suchen wir hier konkret nach dem Geburtstag meines Onkels Herbert Klatt, der irgendwann im Laufe des Jahres 1944 geboren sein muss. Auch möchte ich möglichst viele Geburtsdaten meiner Familie aus Schneidemühle wissen. Ein Geburtsindex wäre toll. Dann wäre da noch meine Unklarheit über die Hochzeit meiner Urgroßmutter. (Sie heiratete einen Witwer, eventuell war sie auch bereits verheiratet gewesen.)

Unter “Zivilstandsregister 1874-1945″ finden sich lauter Mikrofilme, die ich am liebsten sofort alle bestellen würde. Aber ich habe mich für erstmal drei entschieden.

schneidemuehl_mfilm_02Herbert Klatts Geburt müsste sich in Mikrofilm 302015 “Geburts-Index 1936-1945″ finden.

Mikrofilm 302013 “Geburts-Index 1890-1913″ dürfte viele meiner Schneidemühler Verwandten auflisten.

Uroma Spickermanns Hochzeit dürfte sich irgendwo auf Mikrofilm 302016 “Heirats-Index 1878-1913″ finden.

Ich hatte mir noch überlegt, ob ich direkt den Mikrofilm mit den Geburtsurkunden aus dem Jahr 1944 bestelle. Aber mir ist bereits jetzt klar, dass ich natürlich eine weitere Bestellung von Mikrofilmen aufgeben werden muss.

Dritter Schritt: Die Mikrofilmnummern sind gefunden. Bereits hier kann man einzeln auf die Mirkofilme klicken und diese in den Einkaufswagen legen. Alternativ macht man, was ich bereits vor Jahren gemacht habe – mit einem Bleistift auf einem Blatt Papier die Mikrofilmnummern notieren. Danach geht man auf familysearch.org/films um dort die Nummern einzugeben. Die Bestellung ist wunderbar einfach. Alles in den Einkaufswagen, die Forschungsstelle aussuchen, die für einen selbst am günstigsten liegt, danach auf den Einkaufswagen klicken, bestätigen und die Bestellung läuft. Von familysearch erhält man eine Email mit den Details der Bestellung und der Ankündigung, dass man kontaktiert wird, wenn die Bestellung im ausgewählten Familysearch-Center angekommen ist.

Bestellt habe ich die Filme am 20. Dezember 2013. Am Freitag kamen die Mikrofilme in Krefeld an. Samstag vormittag wurde ich angerufen und ein Termin vereinbart. Hätte ich Zeit gehabt, hätte ich direkt am Dienstag vormittag die Mikrofilme anschauen können! (Ich hätte mir die Filme auch nach Köln schicken lassen können, allerdings dachte ich mir, dass es wohl schwieriger ist in Köln einen Termin zu finden, da Köln einfach eine größere Stadt ist. Köln = etwa 1 Mio. Einwohner, Krefeld = etwa 230.000 Einwohner.)

Der Status meines Benutzerkontos auf familysearch.org/films hat sich ebenfalls geändert. Dort wird jetzt angezeigt, dass die Filme bis Anfang April 2014 in Krefeld sind. (Ich kann die Filmentleihe aber verlängern oder die Filme früher zurückschicken.)

Jetzt kann ich mich also darauf freuen die Mikrofilme durchzuschauen! Wie viel Jahre ich darauf gewartet habe – bis die Zahlungsart sich änderte, bis ich Zeit für Familienforschung hatte, bis ich jetzt während meines Studiums Geld dafür zur Seite legen konnte. Ich bin schon etwas erstaunt, dass ich dies alles jetzt wirklich sehen kann. Auch bin ich auf das Familienforschungs-Center gespannt. Vor vielen vielen Jahren war ich schon mal dort, ist aber wirklich lange her. Mit Mikrofilmlesern habe ich dort noch gar nicht gearbeitet. (Ich habe schon mehrfach mit Mikrofilmlesegeräten gearbeitet, allerdings nicht dort.)

Die Vorbereitungen für meinen Ausflug zu den Mikrofilmen laufen: Notizen gemacht, ich weiß, welchen Schreibblock, welches Federmäppchen ich mitnehmen werde. Vielleicht nehme ich meinen Laptop mit. Dort habe ich neben all meinem Uni-Kram natürlich auch meine Genealogie Dateien. Meine Digi-Cam nehme ich wohl auch mit, denn ich weiß nicht, ob ich den Bildschirm des Mikrofilmlesegerätes abfotografieren darf. Wenn ja, wäre das natürlich gut. Eventuell kann es aber sein, dass ich das nicht darf und kostenpflichtige Abzüge auf Wunsch erhalte – aber das werde ich dann sehen.

Gespannt bin ich auch, ob es dort im Center noch andere interessante Sachen und Veranstaltungen gibt. Wie gesagt, ich war seit ewigen Zeiten nicht mehr dort …

Ich werde sicherlich hier im Blog etwas schreiben, sobald ich dort war. Also noch diese Woche! Hurra, ich freue mich, egal was ich finde, es wird spannend sein! :)

Und die Mikrofilme sind da!

Es ist soweit – die Mikrofilme, die ich bei den Mormonen bestellt hatte, sind eingetroffen. Freitag erhielt ich per Email Nachricht darüber, dass die Filme angekommen seien, Samstag morgen hat mich ein freundlicher Herr von der Familienforschungsstelle angerufen und direkt einen Termin mit mir vereinbart.

Ich freue mich wirklich sehr und bin zeitgleich ziemlich verdattert, dass ich jetzt endlich die Akten sehen werde, auf die ich im wahrsten Sinne seit Jahren hinfiebere …

Heute abend werde ich mich also hinsetzen und schauen, was genau ich erfahren möchte. Und dann freudig gespannt sein, was ich dann tatsächlich zu sehen bekommen werde.